Am 21. Februar lief Franziska Preuß bei den Olympischen Spielen ihr letztes Biathlonrennen. Warum sie sich für das Karriereende entschieden hat, was sie auf keinen Fall vermissen wird und ob der deutsche Biathlon-Sport wirklich abgehängt wurde, darüber hat sie am Sonntag ausführlich im "Blickpunkt Sport"-Interview gesprochen.
Sportlich wird Franziska Preuß die Olympischen Spielen 2026 trotz der Bronze-Medaille in der Mixed-Staffel nicht in allerbester Erinnerung behalten.
"Klar habe ich den Traum gehabt, mit einer Einzelmedaille heimzufahren. Das war den ganzen Sommer die Motivation. Aber Olympische Spiele und ich, wir werden einfach keine Freunde. Es war der Wurm drin", blickte sie im "Blickpunkt Sport"-Interview mit einem Lächeln auf ihr letztes großes Karriere-Highlight als Biathletin.
Preuß: Gesamtweltcup-Sieg hat Spuren hinterlassen
Alles in allem schaue sie jedoch auf eine "coole Karriere" zurück, in der sie auch "ziemlich einstecken" musste, sagte Preuß mit dem Verweis auf ihre Rückschläge in den letzten Jahren. Sie habe danach "immer den Glauben gehabt, dass ich nicht alles zeigen konnte, was in mir steckt".
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Mit dem Gesamtweltcup-Sieg in der Saison 2024/25 entledigte sie sich dieser Bürde eindrucksvoll. Leicht ist ihr aber auch das nicht gefallen.
"Mental waren die letzten drei Wochen im letzten Jahr hart, weil ich wusste, ich darf mir keinen einzigen Fehler erlauben. Man musste da drei Wochen mental so streng zu sich sein, dass man den Glauben nicht verliert. Das hat viel Energie gezogen. Und das habe ich dieses Jahr gemerkt. Da ist es mir nicht mehr so leicht gefallen. Dieses Jahr war auch die mediale Erwartungshaltung ein bisschen höher und ich habe nicht den richtigen Umgang gefunden", schilderte Preuß.
Preuß freut sich über die "schönste E-Mail"
Jetzt warten auf die 31-Jährige erst einmal ruhigere Wochen. Zwar ist sie in diesen Tagen weiter nah am Biathlon-Sport dran und für die "ARD" als Co-Kommentatorin bei der Nachwuchs-WM am Arber tätig. Die ganzen lästigen Pflichten als Profi-Sportlerin entfallen aber. Eine davon nervte Preuß besonders: die permanente Verfügbarkeit für die Anti-Doping-Kontrolleure.
"Das war die schönste E-Mail, in der man sich abmelden muss und jetzt nicht mehr jede Nacht angeben muss, wo man schläft. Das ist schon eine neue Freiheit", sagte die Biathlon-Rentnerin mit einem Lächeln. Auch das Training im Regen und der Druck, jeden Tag in Form zu sein, werden ihr nicht fehlen, so Preuß.
Ist der deutsche Biathlon-Sport abgehängt?
Dass der deutsche Biathlon-Sport derzeit nicht in seiner besten Position ist, gibt auch Preuß zu. Schwarzmalen will sie deswegen aber nicht.
"Wenn man sich die Ergebnislisten schwarz auf weiß anschaut, sind wir einfach ein Stück dahinter. Aber wir haben trotzdem richtig gute Talente im Team, gerade im Damenbereich mit Selina [Grotian] und Julia [Tannheimer]", ist Preuß überzeugt.
Dennoch gebe es "viele Stellschrauben", die man analysieren müsse. "Jede Sportart hat ein Auf und Ab. Manchmal muss man auch mit dem Rücken zur Wand stehen, um sich weiterzuentwickeln", sieht Preuß den Status quo nicht als hoffnungslos. Sollte sie vom Verband nach ihrem Rat gefragt werden, werde sie "Input geben. Wie das dann aufgenommen wird, liegt nicht in meiner Hand".
Ob Preuß beim großen Biathlon-Saisonfinale am Osloer Holmenkollen noch einmal als Gast vor Ort sein wird, weiß sie noch nicht. "Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Mal schauen, wie das Wetter ist", sagte sie mit ihrer neuen Gelassenheit.







