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Radikale neue Ideen in Frühlingsliga

Regel-Revolution: Das kann die NFL von der UFL übernehmen

Die UFL will vor allem für Offensive stehen
Die UFL will vor allem für Offensive stehen
Foto: © IMAGO/Sven White
27. Februar 2026, 11:44
sport.de
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Während man in der NFL dieser Tage über eher kleinere Eingriffe ins Regelwerk diskutiert, hat man in der UFL für die anstehende neue Saison radikale Regeländerungen beschlossen. Doch was genau ändert sich, was sind die Unterschiede zur NFL und wo könnte sich die größte Sportliga der Welt eine Scheibe abschneiden?

In der NFL spricht man derzeit vor allem über die Idee, dem Videoschiedsrichter zumindest ein wenig mehr Verantwortung zu geben, wenn es um Situationen geht, die nicht direkt mit Football zu tun haben. Doch innovative neue Ideen wie die Einführung des "Dynamic Kickoffs" vor zwei Jahren - oder ein Tush-Push-Verbot - sind in diesem Jahr nicht zu erwarten. Ganz anders geht man hingegen in der United Football League vor.

In der Frühjahrs-Liga, die eher einem Gimmick als einer ernstzunehmenden Veranstaltung gleicht, ist der Mut zur Innovation deutlich größer als beim etablierten Pendant. Zu den Neuerungen, die am Dienstag präsentiert wurden, zählen vor allem zwei, die sich mit dem Kicken des Balls beschäftigen. 

Die wohl gravierendste Neuerung ist dabei, dass Field Goals aus über 60 Yards nun vier Punkte wert sind. "Ein Field Goal aus 65 Yards zu schießen, ist viel schwieriger als eines aus 35 Yards", erklärte Dean Blandino, der Head of Officiating der UFL. "Warum sollten sie also gleich viel zählen? Das fördert die Spannung. Das sind wirklich, wirklich aufregende Spielzüge, egal ob am Ende einer Halbzeit oder am Ende des Spiels - und es wird zudem die gesamte Spielstrategie verändern." 

4-Punkt-Field-Goal als Reaktion auf NFL-Trend

Es ist eine Reaktion auf den Trend der NFL, nun auch vermehrt Field Goals aus mehr als 60 Yards zu versuchen. Teams versenkten 16 von 37 Versuchen. Alleine fünf davon standen auf dem Konto von Cowboys-Kicker Brandon Aubrey, der einst selbst in der UFL für die Birmingham Stallions gekickt hatte. 

Ebenso wird es künftig untersagt sein, von innerhalb der gegnerischen 50-Yard-Linie zu punten. Das gilt sogar dann, wenn man die Mittellinie überquert hat, aber durch eine Penalty wieder zurückversetzt wurde. Dann muss man einen vierten Versuch entweder ausspielen oder ein langes Field Goal versuchen. Die einzige Ausnahme: Innerhalb der letzten zwei Minuten einer jeden Halbzeit sind Punts auch noch in der gegnerischen Hälfte erlaubt.

Generell sind die Regeländerungen einem bestimmten Ziel untergeordnet: "Wir sind immer bestrebt, Innovationen einzuführen, aber gleichzeitig die Integrität und das Fundament des Spiels zu bewahren", sagte Blandino. "Das Spiel, das wir uns wünschen und anstreben, ist spannend, hat einen guten Fluss, ein hohes Tempo, wenig Unterbrechungen und wirklich große Spielzüge. Wir werden das Scoring fördern."

UFL verbietet Tush Push

Des Weiteren wurden folgende Änderungen vorgenommen: 

  • Der Tush Push, den die NFL in diesem Jahr offenbar in Ruhe lässt, ist in der UFL künftig verboten. Die UFL definiert den verbotenen Spielzug als "einen Spielzug, bei dem der Quarterback nach Snap sofort nach vorne drängt, während die Offensive Line nach vorne schnellt, und dabei von zusätzlichen Spielern hinter ihm unterstützt wird, die ihn physisch vorwärts in die vorstoßende Offensive Line schieben".
  • Die Liga hat ihre Optionen für die Punkte nach einem Touchdown als Reaktion auf das Feedback ihrer Trainer geändert. Die Two-Point Conversion wird nun an die NFL angepasst und von der 2-Yard-Linie ausgespielt. Zuvor lag er an der 5-Yard-Linie, was die Trainer für zu schwierig hielten. Zudem haben die Teams nun die neue Option, für einen Extrapunkt von der 33-Yard-Linie zu kicken oder eine Three-Point Conversion von der 8-Yard-Linie zu versuchen.
  • Die UFL hat mehr Platz für die Kickoff-Returner geschaffen. Das Kickoff-Team wurde um fünf Yards nach hinten versetzt - von der 40-Yard-Linie der gegnerischen Hälfte auf die 45-Yard-Linie. Gleichzeitig wurde die Aufstellungszone des Receiving Teams um 5 Yards nach vorne verschoben, von der Zone zwischen der 30- und 35-Yard-Linie auf den Bereich zwischen der 35 und 40. Auch wenn dies vielleicht nicht zu einem sprunghaften Anstieg langer Returns führen wird laut Blandino, sollte die Verschiebung dazu beitragen, die durchschnittliche Feldposition zu verbessern und damit die Chance auf Punkte im anschließenden Ballbesitz erhöhen.
  • Es wurde die NCAA-Regel übernommen, nach der für einen gültigen Catch nur ein Fuß innerhalb des Spielfelds sein muss. Diese Regel, die bereits 2020 von der XFL angewendet wurde, fördert die Offensive zusätzlich, ist einfacher für die Schiedsrichter zu bewerten und könnte Verletzungen minimieren, da Spieler beim Fangen seltener unkontrolliert zu Boden stürzen.
  • Overtime: Die Overtime wird nun in drei alternierenden Versuchen von der 5-Yard-Linie gespielt.

Welche neuen UFL-Regeln wären in der NFL denkbar?

Generell kann man die UFL wie all ihre Vorgänger auch als eine Art Testfeld für die NFL betrachten. Nicht nur können sich Spieler, die es nicht in die oder in der NFL geschafft haben, neu empfehlen. Es können auch teils radikale neue Regeln unter Wettkampfbedingungen getestet werden. Der Dynamic Kickoff oder das elektronische Messen von Down and Distance, die die NFL in den vergangenen zwei Jahren übernommen hat, entstammten ursprünglichen diesen Frühlingsligen. 

Was also könnte man von der Reihe der diesjährigen Innovationen aus der UFL auch in der NFL erwarten? 

Nicht noch mehr Fokus aufs Kicking!

Fangen wir mit den Kicking-Anpassungen an. Hier denke ich nicht, dass sich die NFL daran orientieren wird. Die Idee, Field Goals aus mehr als 60 Yards extra zu belohnen, klingt zwar gut und angemessen, doch wollen die Teameigner - und wir Zuschauer ja eigentlich auch - eher weniger Kicks und mehr Touchdowns sehen. Seitdem die K-Balls seit der vergangenen Saison mit deutlich mehr Vorlauf von den Teams bearbeitet werden können, ist es deutlich leichter geworden, lange Field Goals zu kicken. Cam Little von den Jaguars stellte nicht nur einen neuen Rekord mit einem 68-Yarder auf, er versenkte sogar einen Versuch aus 70 Yards in der Preseason.

So spektakulär das auch aussah, ist es einfach nicht das Ziel des Footballs, den Ball durch die Stangen zu kicken. Zumal das nun offenbar leichter ist als früher, was dann auch das Leben für Defenses nochmal schwerer macht als ohnehin schon, denn eigentlich muss man als Offense nur noch die Mittellinie erreichen, um ein 68-Yard-Field-Goal zu treten. Wollen wir das wirklich? Ich denke nicht. Schon gar nicht in Zeiten - aus Owner-Sicht -, in denen ein Kicker nun offenbar ein Jahresgehalt von rund zehn Millionen Dollar verlangt wie Brandon Aubrey nun in Dallas

Und was die Punts angeht? Das macht zwar durchaus Sinn, keine Punts jenseits der 50 mehr zu erlauben, doch ist es eben eine gravierende taktische Entscheidung, die für Coaches dann wegfallen würde. Es würde natürlich für noch mehr Mut und mehr Offense sorgen, doch kann es manchmal durchaus sinnvoll sein, eben doch aus der Position heraus zu punten - man denke an das Schneechaos beim AFC Championship Game zwischen den Patriots und Broncos, als Offense kaum noch möglich war und ein Punt zur Waffe wurde. Letzteres galt auch für den Super Bowl, in dem gerade Seahawks-Punter Michael Dickson lange eine entscheidende Rolle spielte mit seinen nahezu perfekten Punts. 

Was die Aufstellung beim Kickoff-Return betrifft, dürfte die Liga derzeit eher zufrieden sein, schließlich gab es mehr Returns als in den vergangenen Jahren und man hat sich gerade erst dazu durchgerungen, den Ball bei einem Touchback direkt in die Endzone an die 35-Yard-Linie zu platzieren. Das allein schon erhöhte die Chance auf Punkte merklich. Eine weitere Verbesserung der Situation für Return-Teams wäre da fast schon zu viel des Guten.

Video: Cam Little kickt längstes Field Goal der NFL-Geschichte

Catch-Regel zu simpel für die NFL

Das Tush-Push-Verbot war im Vorjahr in der Abstimmung der Teameigner gescheitert und wird in diesem Jahr nicht erneut auf den Tisch kommen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass kaum ein Team diese Art des Quarterback Sneaks noch spielt. Ein anderer, dass selbst die Eagles damit zuletzt nicht mehr automatisch erfolgreich waren. Kein Grund also, hier etwas zu ändern, zumal es nach wie vor keine objektiven Gründe gibt, das Play zu verbieten. Die NFL hat bis heute keine Daten präsentiert, die ein erhöhtes Verletzungsrisiko suggerieren und sportlich ist es eben einfach ein normales Football-Play. 

Was die Anpassung der Catch-Regel betrifft, sehe ich hier keine Chance darauf in der NFL. Zwar muss über diese Regel generell gesprochen werden nach diversen kontroversen Entscheidungen der vergangenen Saison. Doch ist die College-Regel mit nur einem Fuß im Feld einfach zu simpel für hochveranlagte NFL-Profis. Zwei Füße ins Feld zu bekommen für einen Catch sollte nicht zu viel verlangt sein auf diesem Niveau. Defenses haben es regeltechnisch schwer genug, man muss ihnen also nicht noch mehr Probleme aufhalsen. Für die UFL macht es aber Sinn, denn die Qualität der Receiver ist deutlich geringer.

Und dann wäre da noch die Overtime-Regel. In der NFL spielt man einfach einmal zehn Minuten und idealerweise bekommt jedes Team einmal den Ball, anschließend gibt es ein Unentschieden oder jemandem gelingt der Sudden Death. In der UFL hingegen spielt man nun gewissermaßen ein Elfmeterschießen mit je drei Versuchen von der 5. Ähnlich wird es am College mittlerweile gespielt. Es verspricht eine recht kurze OT zu werden, was Kräfte schont. Es macht diese aber auch ein wenig zu einem Gimmick. Und letzteres will die NFL sicherlich nicht, auch wenn der Ansatz spannend ist. Am Ende sollte man sich in der besten Liga der Welt aber schon einen Sieg in OT mehr verdienen als mit nicht mal einer Handvoll Spielzügen kurz vor der Endzone.

3-Point-Conversion für mehr Offense

Eine Regel sollte man sich in der NFL aber doch überlegen: Die 3-Point Conversion. Bislang ist sind einem Score nur maximal acht Punkte möglich. Größere Comebacks fallen damit schwer, zumal ein Vorsprung von neun Punkten damit schon eine Führung von zwei Scores sind. Wer dann also das Risiko geht, von der 8 eine Conversion zu versuchen, der sollte auch entsprechend belohnt werden. Ebenso wie man endlich anstatt eines recht aussichtslosen Onside-Kicks auch das viel diskutierte 4th&15-Play einführen sollte, um wieder in Ballbesitz zu gelangen nach einem Score bei weiterem Rückstand im vierten Viertel. 

Am Ende will man mehr Offense, das wären Wege dahin.

Alles in allem aber muss man konstatieren, dass der Großteil der Regeländerungen der UFL in diesem Jahr, die im Übrigen am 27. März in ihre neue Saison geht, eben einfach Gimmicks sind im Versuch, ein Produkt, das kaum Aufmerksamkeit bekommt im Schatten der NFL, mit frischen Ansätzen spannender und relevanter zu machen. Die Zuschauerzahlen werden am Ende zeigen, ob das gelingt. Aber für ernsthaften Football kann diese Liga damit dennoch nicht stehen.

New England Patriots
New England Patriots
Patriots
13
0
0
0
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Seattle Seahawks
Seattle Seahawks
Seahawks
29
3
6
3
17
00:30
Mo, 09.02.
Beendet
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