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sport.de-Kolumne des Bronze-Gewinners

Strelow: Kein Grund für deutschen Biathlon-Abgesang

Biathlet Justus Strelow blickt auf Olympia zurück
Biathlet Justus Strelow blickt auf Olympia zurück
Foto: © IMAGO/Zoonar.com/Joachim Hahne
25. Februar 2026, 09:47

Justus Strelow gewann bei Olympia 2026 mit der Mixed-Staffel Bronze. Der Skijäger bewertet in seiner Kolumne für sport.de das Abschneiden in Italien und äußert sich zum Status quo des deutschen Biathlons.

Auf meiner Rückreise von Antholz nach Deutschland hatte ich genügend Zeit, meine erste Teilnahme an Olympischen Spielen in aller Ruhe zu reflektieren. Was bleibt, ist selbstverständlich vor allem der Gewinn einer Bronze-Medaille mit der deutschen Mixed Staffel. Diesen Erfolg wird mir niemand jemals mehr nehmen können!

Als kleiner Junge habe ich 2006 meine ersten Spiele bewusst am Fernsehen verfolgt. Und die Siege der deutschen Biathleten damals in Turin haben mich motiviert und träumen lassen. Dass ich nun selbst eine Medaille gewinnen konnte, erfüllt mich mit Stolz und tiefer Zufriedenheit. Ein großes To Do auf meiner Lebenswunschliste habe ich erfüllt.

Viel ist schon während der Tage von Olympia über den Zustand des deutschen Biathlons diskutiert worden. Natürlich waren uns die Franzosen mit 13 und die Norweger mit elf Medaillen weit voraus. Mit nur einmal Edelmetall waren wir im Vergleich keineswegs ebenbürtig und selbstverständlich hatten wir uns für den Saison-Höhepunkt mehr vorgenommen. Für mich besteht dennoch kein Grund für einen Abgesang aufs deutsche Biathlon.

Auffällig war nämlich, dass wir in mehreren Rennen den Sprung aufs Podium nur knapp verpasst haben, manchmal bloß aufgrund einer einzelnen Serie am Schießstand. Rang vier von Vanessa Voigt und Platz fünf von Phillip Nawrath im Einzel oder auch die Plätze vier und sieben im Massenstart von Philipp Horn und Philipp Nawrath bereiten mir keine ernsten Sorgen. Abgerechnet wird bei Olympia allerdings immer bloß nach Medaillen. Dass wir die mehrmals nur knapp verfehlt haben, war für mich aber kein Fehler im System, sondern führe ich auf Wettkampf-Pech zurück.

Olympia-Bronze - aber kein ordentlicher Beruf?

Ich ziehe zur Verdeutlichung einen Vergleich zum Norweger Sturla Holm Laegreid, der in Antholz bei jedem seiner vier Einzel-Starts eine Medaille gewonnen hat: Dass es für ihn in keinem seiner Rennen Gold geworden ist, sondern zweimal Silber und zweimal Bronze, war für mich ebenso Wettkampf-Pech. Niemand wird doch Laegreid allen Ernstes Unvermögen vorwerfen wollen!

Was die Sport-Förderung angeht, steht das Biathlon in Deutschland meiner Meinung nach gut da. Eher stößt mir der gesellschaftliche Umgang mit dem Sport generell auf. Ich habe es in jungen Jahren selbst erlebt. Als ich nach meinem Abitur voll auf Biathlon als Beruf gesetzt habe, hieß es oft: "Und machst Du denn auch noch etwas Richtiges?" Erst jetzt im Erfolg hat sich Kopfschütteln in Verständnis und Respekt gewandelt. In anderen Ländern dagegen erfahren junge Athleten deutlich mehr Anerkennung. In Deutschland gilt "Sportler" vielen leider nicht als ordentlicher Beruf.

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