Bei den Formel-1-Testfahrten in Bahrain hat Neueinsteiger Audi positiv überrascht. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto drehten zuverlässig Runden, ohne dabei abgehängt zu wirken. Kann Audi etwa gleich im ersten Jahr vorne reinschmecken? Formel-1-Experte Ralf Schumacher dämpft die Erwartungen - und haut einen überraschenden WM-Tipp raus.
Trotz des soliden Eindrucks bei den Testfahrten geht Ralf Schumacher nicht davon aus, dass Audi gleich in der Premieren-Saison im vorderen Teil des Formel-1-Feldes fährt. Er erwarte zwar "kein Desaster", sagte der frühere F1-Pilot der "Sport Bild": "Aber Wunderdinge darf man im ersten Jahr nicht erwarten."
Der Einstige des deutschen Autobauers in die Motorsport-Königsklasse sei "schon ein gewaltiger Kraftakt" gewesen, merkte Schumacher an: "Und das, während der Konzern wirtschaftlich kämpft."
Auf Fahrerseite habe Audi mit Routinier Nico Hülkenberg und Youngster Gabriel Bortoleto "eine gute Fahrermischung", so der sechsmalige Grand-Prix-Sieger: "Man darf jedoch nicht vergessen: Audi hat massiv Personal aufgestockt. Und bis eine Mannschaft harmoniert, dauert es." Immerhin: Schumacher verortet den Neuling für 2026 nicht im Hinterbänkler-Bereich: "Sie werden kein schlechtes Team sein."
Formel-1-WM: Schumacher setzt auf Mercedes - aber nicht auf Russell
In Sachen WM-Kampf geht der "Sky"-Experte davon aus, dass sich die McLaren-Dominanz des Vorjahres angesichts der Regel-Revolution nicht fortsetzt.
Im britischen Team sieht er zudem Knall-Potenzial zwischen Weltmeister Lando Norris und Herausforderer Oscar Piastri: "Beide fahren auf einem ähnlichen Niveau – das Risiko für Zoff ist groß."
Als Favorit macht Schumacher - wie viele andere Fachleute - Mercedes aus. Der 50-Jährige setzt dabei anders als dutzende seiner Experten-Kollegen aber nicht auf George Russell. "Mein persönlicher Favorit ist – und das klingt vielleicht verrückt – Kimi Antonelli. Er ist einfach extrem talentiert. Wenn er sein Lerntempo aus der zweiten Saisonhälfte beibehält, ist er für mich der stärkere Mann", sagte Schumacher.
Russell habe in der Vorsaison "einen tollen Start" hingelegt, "hat dann aber nachgelassen, als es mehr und mehr um seinen Vertrag ging".
Red-Bull-Superstar Max Verstappen ist nach seiner happigen Kritik an den neuen Autos für Schumacher ein Kandidat für einen Rücktritt oder einen Teamwechsel. "Er will unbedingt mit seinem Rennstall erfolgreich sein. Aber wenn er dann doch irgendwann merkt, dass er den Fahrstil zu sehr verbiegen muss und der Erfolg ausbleibt, passt die These, dass er aufhört oder wechselt, durchaus. An Interessenten mangelt es nicht."


