Ganz viel Frankreich, viel Norwegen und dann lange nichts: Das war das Kräfteverhältnis bei den olympischen Biathlon-Wettkämpfen in Antholz. Ein Ex-Profi ist schockiert, wie groß der Rückstand von Deutschland, Schweden, Italien und Co. auf die beiden Top-Nationen war.
Der Medaillenspiegel der olympischen Biathlon-Wettkämpfe ist schnell erzählt: An der Spitze thront Frankreich mit 13 Medaillen, danach folgt Norwegen mit elf Medaillen auf Platz zwei. Alle anderen Nationen holten zusammen nur neun Medaillen, kein anderes Team stand häufiger als drei Mal auf dem Podest.
Der ehemalige französische Profi Loïs Habert glaubt, dass diese einseitigen Ergebnisse nur bedingt der Stärke von Frankreich und Norwegen geschuldet waren. Er erklärte im "Eurosport"-Interview, dass Deutschland, Schweden und Co. schlicht und ergreifend nicht das nötige Niveau mitgebracht haben, um die beiden Top-Nationen herauszufordern.
Biathlon-Staffel der Frauen hat "schockiert"
Er sei nicht darüber schockiert, dass Frankreich die beste Biathlon-Nation bei Olympia war, sagte Habert. "Aber ich muss zugeben, dass ich von der Frauen-Staffel schockiert war. Auf der einen Seite habe ich es gemocht, weil wir vom letzten auf den ersten Platz gelaufen sind. Aber das ist viel zu schnell passiert und schien zu leicht."
Der Franzose weiter: "Was mich schockiert hat, ist, wie schnell Lou [Jeanmonnot] die Lücke in einer Runde zugelaufen hat. Und sie war nicht mal außergewöhnlich und kann es noch besser. Sie hat nicht schnell geschossen und sich zwei Fehler geleistet. Da dachte ich, das wird definitiv ein Problem."
Die französischen Frauen hatten in der Staffel einen ganz schwachen Start erwischt und lagen beim ersten Wechsel eine Minute hinter der Spitze. Nach Jeanmonnots Runde waren sie plötzlich wieder ganz vorne mit dabei. Am Ende gewann Frankreich das Rennen mit mehr als 50 Sekunden Vorsprung.
"Biathleten bei Olympia nicht in Top-Form"
"Die anderen Nationen waren ganz klar nicht auf dem nötigen Level", kritisierte Habert. "Da geht es nicht nur um das Material. Das ist einfach auch eine Frage des Könnens. [...] Die großen Nationen haben in den Staffeln keine guten Leistungen gezeigt. [...] Abgesehen von Frankreich und Norwegen, waren die Biathleten bei Olympia nicht in Top-Form", so sein Urteil.
"Bin ich schockiert, die französische Mannschaft das schaffen zu sehen? Nein, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass die Abstände so groß sein werden", meinte Habert, der besagte Abstände als "besorgniserregend" bezeichnete.
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Deutsche Biathlon-Stars trainieren wie im Jahr 2012
Warum vor allem Frankreich einen so großen Vorsprung auf den Rest der Welt hat, ist schwer zu sagen. Habert vermutet aber, dass in vielen Ländern - unter anderem in Deutschland - nicht richtig trainiert wird.
"Ich habe ein Hotel in der Vercors-Region und vor nicht allzu langer Zeit hatten wir die Deutschen und Italiener zu Gast. Ich hatte den Eindruck, dass sie noch genau so trainiert haben, wie ich im Jahr 2012", berichtete er. Frankreich sei dagegen stets auf Stand, was die aktuellen Trainingsmethoden angehe. "Und auch, was das Material betrifft. Ich glaube, dass es Teams gibt, die in der letzten Dekade im vergangenen Jahrhundert stehengeblieben sind."






