Norwegens Skilanglaufstar Johannes Hösflot Kläbo hat seine Gold-Mission mit dem sechsten Olympiasieg in Val di Fiemme makellos abgeschlossen.
Am Ende eines sagenhaften Goldrausches zog es auch dem König von Val di Fiemme den Stecker: Johannes Hösflot Kläbo reckte mit letzter Kraft die Arme in die Luft, dann sackte Norwegens Skilanglauf-Titan einen Meter hinter der Ziellinie im Schnee zusammen.
Mit seinem sechsten Gold bei diesen Winterspielen und dem elften Olympiasieg seiner Karriere hat Kläbo zuvor Undenkbares vollbracht. Und steht nun in einer Reihe mit Phelps, Bolt, Spitz oder Nurmi.
"Ich finde keine Worte dafür", sagte der 29-Jährige nach seinem Triumph am Samstagmittag in einem brutal schweren Klassikrennen über 50 km, mit dem er sich zum absoluten König der Winterspiele krönte: "Jetzt bin ich so müde, dass ich mich nicht mehr wie ich selbst fühle."
Und das, obwohl der Mann aus purem Gold vor dem "Marathon" angeknackst war: "Er hat gehustet und geröchelt und alles Mögliche", sagte seine Verlobte Pernille Dösvik im norwegischen TV, um dann nach der nächsten Gold-Gala kopfschüttelnd festzuhalten: "Der ist doch nicht ganz dicht." Mit Ingwer, Knoblauch, Honig und Zitrone, so sein Vater Haakon, habe sich der Johannes therapiert: "Er roch schon sehr stark."
Kläbo wird endgültig zur Legende
Nach den Erfolgen im Skiathlon, im Sprint, über 10 km, im Teamsprint und der Staffel nun auch Gold im Marathon. Mehr kann man im Langlauf nicht gewinnen, Kläbo gewann zum zweiten Mal alles - wie schon bei der WM 2025 in Trondheim.
Der Ausnahmeathlet hat seinen Sport durchgespielt. Kläbo übertraf zudem die Bestmarke des legendären US-Eisschnellläufers Eric Heiden, der 1980 in Lake Placid als zuvor einziger Wintersportler fünfmal Gold in einem Jahr geholt hatte.
Die Karrierebestmarke bei Winterspielen hatte er bereits frühzeitig seinen Landsleuten Björn Dählie, Marit Björgen und Ole Einar Björndalen (je achtmal Gold) abgenommen. Nur Schwimm-Ikone Michael Phelps war mit 23-mal Gold in der Olympia-Geschichte erfolgreicher.
Konkurrenz hatte Kläbo bei der letzten Etappe seines unvergleichlichen Giro d'Oro nur im eigenen Team.
Aber nach 2:06:44 Stunden hatten auch Martin Löwström Nyenget (Silber/+8,9 Sekunden) und Emil Iversen (Bronze/+30,2) wie alle anderen in diesen Tagen nicht den Hauch einer Chance gegen einen Außerirdischen, der am Schlussanstieg wie mit Sprungfedern Verfolger Nyenget davonhüpfte.
Starkes Rennen von Notz
Am Rande des großen Glanzes feierten auch die deutschen Männer einen versöhnlichen Abschluss. Florian Notz lief ein starkes Rennen und war als ausgezeichneter Zehnter bester DSV-Athlet (+6:29,2 Minuten).
"Ich habe in der letzten Runde Sterne gesehen", sagte Notz, von dessen Leistung Bundestrainer Peter Schlickenrieder beeindruckt war: "Das war aller Ehren wert." Friedrich Moch wurde 20., sein Bruder Jakob belegte an seinem 20. Geburtstag Rang 36.
Sie alle, so wirkte es, betrieben aber einen anderen Sport als Kläbo, der sich lange versteckt hielt, ehe kam, was kommen musste. Kam, was jeder wusste. Kam, was keiner verhindern konnte. Absolute Adjektive wie "unschlagbar" sind schwierig - im Fall des Norwegers aber zwangsläufig.



