Die Free Agency der NFL rückt näher. Bevor der Großteil der Spieler mit auslaufenden Verträgen tatsächlich auf den Markt kommt, haben die Teams jedoch noch ein Werkzeug, um einen besonders wichtigen Spieler kurzfristig zu halten: den sogenannten Franchise Tag. Doch was steckt dahinter?
In der Offseason haben NFL‑Teams grundsätzlich zwei große Hebel, um ihren Kader aufzurüsten: Zum einen den Draft Ende April, zum anderen die Free Agency, die Anfang März startet.
Spieler mit mindestens vier angerechneten Spielzeiten ("accrued Seasons") und auslaufendem Vertrag werden zu Unrestricted Free Agents. Eine solche Saison wird einem Spieler gutgeschrieben, wenn er in mindestens sechs Regular‑Season‑Partien im 53er-Kader eines Teams stand - unabhängig davon, ob er am Spieltag aktiv war. Auch eine Platzierung auf der Injured Reserve List oder der PUP List kann zu einer angerechneten Saison führen, sofern die Sechs-Spiele-Schwelle erreicht wird.
Keine Accrued Season gibt es dagegen, wenn ein Spieler eine komplette Saison auf der Non‑Football Injury List oder der Commissioner’s Exempt List verbringt oder lediglich dem Practice Squad angehört.
NFL Free Agency: Der Franchise Tag
Hat ein Spieler diese vier angerechneten Saisons erreicht und läuft sein Vertrag aus, wird er zum Unrestricted Free Agent und darf grundsätzlich frei auf den Markt. NFL‑Teams haben allerdings ein Instrument, um den Sprung in die Free Agency für einen ihrer wichtigsten Spieler pro Jahr zu begrenzen oder ganz zu blockieren: den Franchise Tag.
Diesen Tag gibt es in zwei Ausführungen: den "normalen" beziehungsweise non‑exklusiven Franchise Tag und den exklusiven Franchise Tag.
Der non-exklusive Franchise Tag
Will ein Team einen Star-Spieler nach Auslaufen seines Vertrags halten, ohne dass man sich rechtzeitig auf einen langfristigen Deal geeinigt hat, kommt fast immer der non‑exklusive Franchise Tag zum Einsatz. Der Tag, der in diesem Jahr zwischen dem 17. Februar und dem 3. März vergeben werden darf, ist im Kern ein Einjahresvertrag, der mit der Unterschrift vollständig garantiert wird.
Beim non‑exklusiven Tag hat der Spieler zwei Optionen: Er unterschreibt den Tag, spielt ein weiteres Jahr für sein bisheriges Team (und kann von diesem auch getradet werden), oder er verhandelt trotz Tag mit anderen Franchises und unterzeichnet dort ein sogenanntes Offer Sheet - einen ganz normalen, bindenden NFL‑Vertrag. In diesem Fall erhält das ursprüngliche Team das Recht, das Angebot zu matchen und den Spieler zu denselben Konditionen zu behalten; verzichtet es darauf, bekommt es als Entschädigung zwei Erstrundenpicks des neuen Teams.
Diese Kombination aus hohem Gehalt und dem Preis von zwei First‑Roundern schreckt andere Klubs häufig ab, weil sie sowohl finanziell als auch beim Draftkapital tief in die Tasche greifen müssten. Wichtig: Auch nach Anwendung des Franchise Tags können Team und Spieler weiterhin einen langfristigen Vertrag aushandeln - allerdings nur bis zu einer starren Deadline am 15. Juli, danach bleibt es für die laufende Saison zwingend beim Einjahresvertrag.
Der exklusive Franchise Tag
Will ein Team absolut sicherstellen, dass ein bestimmter Free Agent im kommenden Jahr bleibt, kann es zum exklusiven Franchise Tag greifen. Dieser ist ebenfalls ein Einjahresvertrag, fällt aber finanziell höher aus als der non‑exklusive Tag, weil er sich am Durchschnitt der Top‑5‑Gehälter der jeweiligen Position im aktuellen Jahr oder an 120 Prozent des Vorjahresgehalts orientiert - je nachdem, welcher Wert größer ist. Gleichzeitig sperrt der exklusive Tag den Spieler komplett für Gespräche mit anderen Teams; Verhandlungen dürfen dann ausschließlich mit seinem aktuellen Klub geführt werden.
Zu diesem Mittel greifen Franchises nur in Ausnahmefällen, weil die Kosten deutlich höher sind und es meist um absolute Superstars geht.
NFL Free Agency: Das ist der Transition Tag
Eine weitere, aber selten genutzte Möglichkeit, einen auslaufenden Vertragsspieler zu halten, ist der Transition Tag. Dieser ist deutlich weniger strikt als der Franchise Tag und bringt auch eine niedrigere, positionsabhängige Gehaltssumme mit sich.
Der Transition Tag verschafft dem Team vor allem ein "Right of First Refusal": Der Spieler darf mit allen anderen Franchises verhandeln und ein Offer Sheet unterschreiben, sein bisheriges Team kann dieses Angebot anschließend 1:1 matchen und ihn so behalten.
Genau darin liegt jedoch der einzige echte Vorteil dieses Tags - entscheidet sich der Klub, das Angebot nicht zu übernehmen, wechselt der Spieler ohne jegliche Kompensation zum neuen Team. Zudem darf jede Franchise pro Jahr insgesamt nur entweder einen Franchise Tag oder einen Transition Tag einsetzen, nicht beide.
Mehr dazu:
NFL Free Agency: Der Restricted Free Agent Tender
Wie bereits angesprochen, greifen Franchise Tags nur bei Spielern, die als Unrestricted Free Agents auf den Markt kommen würden. Wer zwar vertragslos ist, aber noch keine vier angerechneten NFL-Saisons vorweisen kann, fällt stattdessen in die Kategorie Restricted Free Agent - typisch etwa für frühere Undrafted Rookies, die standardmäßig Dreijahresverträge unterschreiben.
Diese RFAs dürfen ebenfalls mit anderen Teams verhandeln. Ihr aktueller Klub kann sie jedoch mit einem Restricted Free Agent Tender belegen - einem Einjahresvertrag, dessen Gehalt je nach Tender‑Stufe variiert. Zur Auswahl stehen dabei vier Varianten:
- First Round Tender
- Second Round Tender
- Original Round Tender
- Right of First Refusal Tender
Unterschreibt der Spieler ein Offer Sheet bei einem anderen Team und sein ursprünglicher Klub lässt ihn ziehen, erhält dieses als Kompensation - je nach Tender - einen Erstrunden‑, Zweitrunden- oder einen Draftpick aus der ursprünglichen Draft-Runde des Spielers des dann neuen Teams. Letzterer Fall kommt nur zum Tragen, wenn ein Spieler zwar gedraftet wurde, aber danach aus diversen Gründen seinen ursprünglichen Rookie-Vertrag erfüllt hat und somit keine vier Jahre angesammelt hat.
Beim reinen Right of First Refusal Tender gibt es hingegen keinen Gegenwert. Genau wie beim Franchise Tag machen die Kombination aus Draftkompensation und Gehalt Offer Sheets eher selten, weil kaum ein Team bereit ist, für einen RFA zusätzlich einen hohen Pick abzugeben. Anders als beim Franchise oder Transition Tag dürfen RFA‑Tenders pro Jahr beliebig oft vergeben werden.
NFL Free Agency: Gehalt beim Franchise Tag
Alle genannten Mechanismen, um vertragslose Spieler zu binden, sind an fest definierte Gehälter für diese Einjahresverträge gekoppelt. Dabei greifen klare Berechnungsregeln, die bei Franchise und Transition Tags positionsabhängig sind, während RFA‑Tenders positionsunabhängig festgelegt werden.
Beim Franchise Tag orientiert sich das Gehalt am Durchschnitt der Top‑5‑Cap‑Hits der jeweiligen Position über die vergangenen fünf Jahre, umgerechnet auf die aktuelle Salary Cap. Der Transition Tag fällt etwas günstiger aus und basiert auf dem Durchschnitt der Top‑10‑Cap‑Hits der Position, ebenfalls angepasst an die Entwicklung des Salary Caps.
Hinzu kommt eine wichtige Schutzklausel: die 120‑Prozent‑Regel. Fällt der so berechnete Franchise-Tag-Betrag niedriger aus als die vorherige Cap Number des Spielers, erhält er stattdessen mindestens 120 Prozent seines vorherigen Cap‑Hits, sodass er durch den Tag finanziell nicht schlechter gestellt werden kann.
Franchise Tag: Die 120-Prozent-Regel
Für NFL-Teams gibt es neben der "normalen" Tag‑Berechnung einige Sonderregeln, die gerade bei wiederholter Nutzung ins Gewicht fallen. Ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist Bengals-Receiver Tee Higgins, der 2024 bereits den Franchise Tag erhielt und so 21,816 Millionen Dollar für ein Jahr verdiente. Er wurde dann auch 2025 erneut mit dem Tag belegt und hätte durch die 120-Prozent-Regel garantierte 26.179.202 Dollar verdient. Letztlich einigten sich Team und Spieler in der Folge jedoch auf eine Vertragsverlängerung, die diesen Cap Hit noch etwas senkte.
Beim exklusiven Franchise Tag wird das Gehalt anders berechnet als beim non‑exklusiven: Statt auf den Durchschnitt der Cap Hits der fünf bestbezahlten Spieler einer Position zu gehen, wird hier auf den Durchschnitt der tatsächlichen Top‑5‑Gehälter geschaut, was in der Regel einen höheren Betrag ergibt. Zudem kennt das CBA Obergrenzen für die wiederholte Anwendung des Franchise Tags: Im zweiten Jahr in Folge erhält ein Spieler mindestens 120 Prozent seines vorherigen Franchise-Tag-Gehalts, im dritten Jahr sogar 144 Prozent - und in diesem dritten Jahr muss seine Tag-Summe zudem die höchste Tag-Zahl ligaweit sein, unabhängig von der Position.
Für Restricted Free Agent Tenders werden die Vorjahresbeträge jedes Jahr im selben Verhältnis angepasst, in dem auch die Salary Cap steigt. Da Salary Cap für 2026 von 279,2 Millionen auf 303,5 Millionen Dollar angehoben wurde, werden auch alle RFA-Tender-Summen entsprechend nach oben korrigiert - ein weiterer Rekordwert in der Geschichte der Liga.
NFL Free Agency: Franchise-Tag-Summen 2026
Das bringt uns zu folgenden Werten für Franchise und Transition Tags:
| Position | Franchise Tag | Transition Tag |
|---|---|---|
| QB | $47.321.000 | $40.799.000 |
| WR | $28.824.000 | $25.029.000 |
| LB | $28.197.000 | $23.613.000 |
| OL | $27.924.000 | $25.305.000 |
| DE | $27.322.000 | $22.908.000 |
| DT | $26.311.000 | $21.608.000 |
| CB | $21.414.000 | $17.951.000 |
| S | $20.876.000 | $16.485.000 |
| TE | $16.319.000 | $13.869.000 |
| RB | $14.536.000 | $11.728.000 |
| ST | $6.900.000 | $6.240.000 |
Für die RFA Tender ergeben sich derweil diese Summen:
| Typ | Summe |
|---|---|
| First Round | $8.107.000 |
| Second Round | $5.811.000 |
| Right of First Refusal | $3.547.000 |









