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NFL Free Agency erklärt

Hintergrund: So funktionieren NFL-Verträge wirklich

Deshaun Watson ist ein Paradebeispiel für die Komplexität von NFL-Verträgen
Deshaun Watson ist ein Paradebeispiel für die Komplexität von NFL-Verträgen
Foto: © IMAGO/Peter Casey
25. Februar 2026, 12:41

Die Free Agency in der NFL steht vor der Tür: Bald sitzen Spieler und Teams wieder am Verhandlungstisch, um sich auf neue, millionenschwere Verträge zu einigen. Doch wie funktionieren diese Deals eigentlich - und vor allem: Wie viel sind sie am Ende wirklich wert? sport.de zeigt, welche Punkte man bei einem NFL‑Vertrag im Blick haben muss, um ihn richtig einordnen zu können.

Zum Start der Free Agency werden die Schlagzeilen erneut von spektakulär hohen Summen dominiert sein, wenn neue Deals verkündet werden - Zahlen, die mit der späteren Realität oft nur bedingt etwas zu tun haben. Das gilt im Übrigen auch regelmäßig für Vertragsverlängerungen. Der Hauptgrund ist simpel: Agenten spielen ausgewählte Vertragsdetails an ihnen wohlgesonnene Reporter, die diese Informationen möglichst schnell - meist über Social Media - herausposaunen.

Diese zunächst genannten Beträge sind nicht zwangsläufig falsch, bilden den tatsächlichen Wert eines NFL‑Vertrags aber nur unvollständig ab. Häufig fehlen zu Beginn entscheidende Details wie Garantiesummen, Optionen oder Bonusstrukturen, die erst später öffentlich werden, sobald der Vertrag offiziell registriert ist und die vollständigen Konditionen bekannt werden.

NFL Free Agency: So funktionieren Verträge

Bei NFL-Verträgen gibt es immer mehrere Komponenten, die zum Gesamtkonstrukt gehören:

  • Das Grundgehalt
  • Der Signing Bonus
  • Garantiertes Gehalt
  • Etwaige Roster-Boni
  • Incentives (Zum Beispiel leistungsbezogene Boni, Awards, etc.)

In der NFL gilt zunächst der Grundsatz, dass Spielerverträge fast nie zu 100 Prozent garantiert sind. Deshalb sollte man den großen Gesamtsummen, die zuerst durchsickern, nur begrenzte Bedeutung beimessen. Üblicherweise besteht ein Deal aus einem Teil, der an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, und einem Betrag, der sofort vollständig garantiert wird.

Ein anschauliches Beispiel für die Komplexität von NFL‑Verträgen ist der Deal, den Quarterback Daniel Jones 2023 bei den New York Giants unterschrieben hat. Auf dem Papier handelte es sich um ein Vierjahres‑Engagement über 160 Millionen Dollar - eine damals beeindruckende Zahl. Tatsächlich waren zum Zeitpunkt der Unterschrift aber nur 82 Millionen Dollar voll garantiert.

Konkret setzte sich das so zusammen: Jones erhielt einen Signing Bonus von 36 Millionen Dollar, dazu kamen seine Grundgehälter 2023 (9,5 Mio.) und 2024 (35,5 Mio.) sowie je 500.000 Dollar an Workout‑Boni in beiden Jahren - in Summe also 82 Millionen Dollar in den ersten beiden Spielzeiten. Der Rest war eher der "Schall‑und‑Rauch‑Teil" des Vertrags. Vor seiner Entlassung im Herbst 2024 war für 2025 lediglich ein Teil seines 30‑Millionen‑Gehalts (23 Millionen) bei schwerer Verletzung abgesichert; weitere elf Millionen wären erst am fünften Tag des Liga‑Jahres 2025 voll garantiert worden gewesen.

Da Jones noch vor diesem Stichtag entlassen wurde und sein 2026er Grundgehalt über 46 Millionen Dollar ohnehin nicht garantiert war, sah er von diesen späteren Vertrags-Bestandteilen nichts mehr. Lediglich ein möglicher Roster‑Bonus von 500.000 Dollar für 2026 wäre angefallen, wenn er zu Beginn des Liga‑Jahres noch im Kader gestanden hätte. Von nominell 160 Millionen Dollar flossen am Ende also effektiv nur 82 Millionen - faktisch war der Vierjahresvertrag damit eher ein Zweijahres‑Deal mit Teamoption auf weitere Jahre.

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NFL Free Agency: Darum sind Verträge nicht garantiert

Warum sind NFL‑Verträge überhaupt so konstruiert, wie sie sind? Ein wesentlicher Grund liegt im Interesse der Teambesitzer. Sie wissen, dass Football ein hochriskanter Sport ist, in dem sich Spieler schwer verletzen oder ihre Leistungen nach vielen Hits deutlich nachlassen können. Um sich dagegen abzusichern, lehnen Owner möglichst vollständig garantierte Verträge ab - und verweisen dabei auch auf einen offiziellen Hebel: die sogenannte "Funding Rule".

Diese Regel wurde vor Jahrzehnten eingeführt und besagt, dass der Gegenwert zukünftiger Garantien aus einem Vertrag bereits zum Zeitpunkt der Unterschrift verfügbar sein muss. Dazu müssen Teams das entsprechende Geld in ein Treuhand-Konto einzahlen, wo es bleibt, bis die Zahlungen fällig werden. Heißt: Wenn ein Spielervertrag etwa in zwei Jahren einen garantierten Roster‑Bonus von 30 Millionen Dollar vorsieht, muss diese Summe heute schon hinterlegt werden - Gleiches gilt für garantiertes Gehalt.

Weil diese Vorschrift weiterhin gilt, argumentieren viele Besitzer mit angeblichen Cash‑Flow‑Limitierungen, um hohe zukünftige Garantien zu vermeiden. Aus Sicht der Spielergewerkschaft und vieler Experten ist die Regel im heutigen NFL‑Business mit milliardenschweren Einnahmen längst überholt, dient den Ownern aber als bequeme Begründung, um voll garantierte Verträge zu blocken.

NFL Free Agency: Verträge und die Salary Cap

Ein weiterer Faktor für die spezielle Struktur von NFL‑Verträgen ist die Salary Cap und die Art, wie Cap Numbers berechnet werden. Gerade in den ersten Vertragsjahren klafft oft eine große Lücke zwischen dem tatsächlichen Cashflow eines Spielers und seinem Cap Hit. Ein Paradebeispiel ist Quarterback Lamar Jackson von den Baltimore Ravens.

Jackson unterschrieb 2023 einen Fünfjahresvertrag über 260 Millionen Dollar. Sein Cap Hit für die Saison 2023 lag jedoch nur bei 22,15 Millionen Dollar, obwohl er in jenem Jahr in Wahrheit 80 Millionen Dollar verdiente. Möglich wird das durch die Struktur des Deals: 2023 bezog Jackson ein Grundgehalt von 7,5 Millionen Dollar und einen Signing Bonus in Höhe von 72,5 Millionen Dollar. Dieser Bonus wird in der Cap‑Berechnung aber nicht komplett im ersten Jahr verbucht, sondern gleichmäßig über maximal fünf Jahre verteilt - in diesem Fall über die Vertragsjahre plus sogenannte Void Years.

Die Cap Number ergibt sich damit aus dem Grundgehalt (7,5 Mio.) plus einem Fünftel des Signing Bonus (14,65 Mio.), was die besagten 22,15 Millionen Dollar ergibt. In den weiteren Vertragsjahren kommen ansteigende Grundgehälter, teils garantierte Roster‑ und Option-Boni sowie gegebenenfalls weitere in Bonusform umgewandelte Gehaltsbestandteile hinzu, die erneut über mehrere Jahre verteilt werden können. Um diese Proration zu ermöglichen und den Cap Hit kurzfristig niedrig zu halten, enthält Jacksons Vertrag zudem zusätzliche Void Years (2028 und 2029), die sich nach der Saison 2027 automatisch auflösen und dann die bis dahin verteilten Bonusanteile schlagartig als Dead Money in die Cap‑Berechnung holen - es sei denn, der Vertrag wird bis dahin erneut verlängert, was die allgemeine Erwartung für dieses Frühjahr ist.

NFL Free Agency: Verträge im Wandel der Zeit

Ein weiterer zentraler Punkt bei NFL‑Verträgen - gerade bei hochdotierten Quarterbacks - ist, dass sie in der Regel gar nicht darauf ausgelegt sind, unverändert bis zum letzten Jahr zu laufen. Spätestens ab Saison drei oder vier werden die Cap Hits durch steigende Grundgehälter so hoch, dass ein Eingreifen praktisch unvermeidlich ist. Bei Lamar Jackson etwa klettert die Cap Number 2026 auf 75,65 Millionen Dollar (davon 51,25 Millionen Dollar Grundgehalt), was die Ravens spätestens dann zum Handeln zwingt.

Der Standardweg in solchen Fällen ist eine Umstrukturierung des Vertrags. Dabei wird ein großer Teil des anstehenden Jahresgehalts erneut in einen Signing Bonus umgewandelt, der zwar sofort (oder zu einem vereinbarten Zeitpunkt) an den Spieler ausgezahlt wird, für die Cap‑Berechnung aber wieder über mehrere Jahre verteilt wird. Im Fall Jackson könnten das beispielsweise rund 50 Millionen Dollar sein, die seine Cap Number für 2026 deutlich senken würden, weil diese Summe auf die verbleibenden Vertragsjahre - inklusive vorhandener oder neu hinzugefügter Void Years - verteilt werden kann.

Einen ähnlichen Effekt hätte eine Vertragsverlängerung, zumal dadurch neues garantiertes Geld für den Spieler hinzukommt, das anfänglich erneut als Signing Bonus ausgezahlt werden würde.

NFL Free Agency: Was passiert bei Entlassungen?

NFL‑Verträge sind also nicht nur selten voll garantiert und aus vielen Bausteinen zusammengesetzt, sie verändern sich auch ständig. Wird ein Vertrag zudem vorzeitig beendet, hat das in der Regel Konsequenzen für den Cap Space eines Teams: Das Team fängt sich eine Art "Vertragsstrafe" in Form von Dead Money ein. Dabei handelt es sich um Cap‑Belastung für einen Spieler, der nicht mehr im Kader steht. Dead Money ergibt sich aus den noch nicht verbuchten Anteilen des Signing Bonus sowie aus verbleibenden Garantien, die bei einer Trennung sofort in die Cap‑Berechnung einfließen.

Ein prominentes Beispiel ist der voll garantierte Vertrag von Quarterback Deshaun Watson bei den Cleveland Browns. Zur Saison 2022 unterschrieb er einen Fünfjahresdeal über 230 Millionen Dollar - vollständig garantiert. Der ursprüngliche Vertrag sah einen Signing Bonus von 44,965 Millionen Dollar vor, kombiniert mit einem Basisgehalt von 1,035 Millionen im ersten Jahr, um seinen Cashflow trotz einer damals erwartbaren Sperre - sie trat auch ein und betrug elf Spiele - zu sichern. Die Jahresgehälter für 2023 bis 2026 lagen jeweils bei 46 Millionen Dollar.

Um den Cap Hit zu drücken, wandelten die Browns in den Folgejahren einen Großteil von Watsons Gehalt in weitere Signing-Boni um, wodurch sein Cap Hit jeweils kurzfristig sank, die Belastungen für die Folgejahre aber immer weiter stiegen. Dadurch steht er in seinem letzten Vertragsjahr 2026 nun bei einem Cap Hit von rund 80,7 Millionen Dollar.

Eine Entlassung wäre deshalb extrem kostspielig: Aufgrund der vollen Garantien und der nach hinten verteilten Bonus‑Prorations würden die Browns im Falle eines Cuts 2026 Dead Money von rund 131 Millionen Dollar schultern müssen - ein finanzielles Desaster. Ein Trade wäre theoretisch leichter zu verkraften, weil Cleveland dann "nur" die aufgeschobenen Signing‑Bonus‑Anteile (aktuell noch rund 85 Millionen Dollar) als Dead Money übernehmen müsste, während das neue Team das restliche garantierte Gehalt tragen würde (46 Mio. Dollar) - ein Szenario, das praktisch kaum realistisch erscheint, aber gut illustriert, wie NFL‑Verträge funktionieren.

New England Patriots
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