Team Deutschland kämpft bei Olympia mit ungewohnten Problemen. Während andere Nationen den Medaillenspiegel dominieren, bleiben die deutschen Biathleten, Skispringer und Kombinierer weit hinter den Erwartungen zurück. In seiner sport.de-Kolumne analysiert DSV-Youngster Robin Kloß, woran das liegen könnte – und stellt unbequeme Fragen.
Selbstverständlich läuft bei mir der olympische Fernseher rund um die Uhr. Neben den reinen Sportberichterstattungen häufen sich die Interviews mit den Sportdirektoren und Trainern des Verbands am Rande der Wettkämpfe. Die Fragen spitzen sich zu, ihre Grundlage sind geplatzte Medaillenträume. Während die Norweger gewohnt den Medaillenspiegel anführen, rangierte Team D zwischenzeitlich schon mal auf Rang 9 . Immer wenn ein Wettbewerb im Eiskanal durchgeführt wird, ändert sich die Lage schnell für den Moment, bevor wieder eine graue Wolke kommt und die Sonne verdeckt. Wintersportland Deutschland, was wären wir gerade ohne unsere Rodel- Bob- und Skeletonfahrer?
In den Sportarten, in denen die Deutschen seit Jahren dominerten und sich als Medaillenschmiede am laufendem Band betätigten, nämlich im Biathlon, Skispringen und in der Nordischen Kombination, herrscht eine Flaute. Vorbei sind die Erfolge in der Breite des Skispringens, vorbei die Zeiten, in denen Karl Geiger, Andreas Wellinger abends zusammen mit den deutschen Skispringerinnen nach einem Wettkampftag im Hotel einen Edelmetallhandel hätten aufmachen können.
Die Biathleten haben derzeit keine einzige olympische Medaille erringen können, auch die Männer und soeben die Frauen bleiben in der Staffel auch ohne Gold-Silber- und Bronzeglanz. Dagegen zeigen die Bilder des Tages jubelnde Französinnen. Im Ergebnis holt das gallische Team alle Mannschaftsmedaillen- eine unglaubliche Demonstration von Stärke und Selbstbewusstsein.
Der sportliche Chef des Biathlons, Felix Bitterling, wird auf allen Sendern und von allen Medien intensiv zu den ausbleibenden Erfolgen befragt, auch Horst Hüttel, zuständig für den Nordischen Bereich, der gestern ebenso erlebte, dass die Kombinierer ohne Einzelmedaille bleiben werden, ist gegenwärtig stärker als Interviewpartner gefragt als seine Athleten.
Die Lage der Wintersportnation ist mittlerweile ein Thema, im Fernsehen, auf der Straße, an der Ladentheke und selbst bei meiner Großmutter.
In den letzten Jahren ist etwas falsch gelaufen
Ich glaube, man muss sich zunächst ohne große Ausreden- von der Schneeschmelze in Deutschland bis zur mangelnden Motivation jüngerer Generationen-eingestehen, dass in den letzten Jahren offensichtlich etwas falsch gelaufen ist. Dass andere Nationen mehr Schneetage bei den Vorbereitungen haben, mag grundsätzlich sein, aber dann muss man wohl dem Schnee nachreisen. Mangelnde Motivation der Jugend? Jedenfalls kein Thema bei den Nachwuchskadern. Wer jeden Tag aufs Neue, bei Wind und Wetter sich dem Training stellt, ist offensichtlich ausreichend motiviert.
Wenn man eine Unternehmensanalyse machen würde, würde man wohl eher bei den Sichtungs- und Fördermethoden ansetzen. Sichten wir so systematisch und früh wie andere Nationen und vor allem in der Fläche? Setzen wir bei Talenten Förderungen zielführend ein? Sind wir sportwissenschaftlich mit unseren Trainingsmethoden und unserem Equipment auf der Höhe?
Ich finde, dass man sich ohne Scheu diese Fragen stellen sollte, und zwar jeder, der in irgendeiner Weise vom Funktionär bis zum Athleten auf der deutschen Mission ist.
Ich nehme mir für die neue Saisonvorbereitungen vor, noch tiefer selbst in diese Fragestellungen einzutauchen als zuvor. Bis dahin schaue ich Fernsehen. Von Siegern kann man lernen!
Herzliche Grüße
Robin Kloß
*Wir arbeiten in diesem Beitrag mit Affiliate-Links. Wenn Sie über diese Links ein Produkt kaufen, erhalten wir vom Anbieter eine Provision. Für Sie entstehen dabei keine Mehrkosten. Wo und wann Sie ein Produkt kaufen, bleibt natürlich Ihnen überlassen.





