Erst schien es, als würde sie bei diesen Olympischen Winterspielen wieder einmal hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben und im Schatten ihrer Konkurrentinnen stehen. Doch dann setzte Mikaela Shiffrin im olympischen Slalomrennen am Mittwoch ein Zeichen der absoluten Stärke, gewann überlegen mit 1,5 Sekunden Vorsprung auf Camille Rast aus der Schweiz. Nach ihrer Goldmedaille von Cortina d'Ampezzo sprach Shiffrin so offen wie selten zuvor über ihr Ängste.
"Das war ein Moment, von dem ich geträumt habe – und vor dem ich auch große Angst hatte", meinte die 30-Jährige nach ihrer Zieleinfahrt. Als ihre Mutter Eileen sie im Ziel umarmte, war dieser Augenblick für Shiffrin emotionaler als jede Siegerehrung. In Gedanken war auch ihr Vater Jeff bei ihr, der 2020 bei einem Unfall ums Leben kam.
Der Verlust prägt sie bis heute, wie der US-Star in emotionalen Worten beschrieb: "„Alles, was man im Leben tut, nachdem man einen geliebten Menschen verloren hat, ist wie eine neue Erfahrung. Es ist wie eine Wiedergeburt", erklärte Shiffrin.
Shiffrin gewährte damit seltene Einblicke, wie sehr sich ihr Leben in den vergangenen Jahren verändert hat, sportlich wie persönlich. "Es gibt immer noch so viele Momente, in denen ich mich dagegen wehre. Ich will nicht ohne meinen Vater leben", so die Olympiasiegerin, die hinzufügte: "Vielleicht konnte ich das heute zum ersten Mal wirklich akzeptieren, als Realität."
Dritte Goldmedaille in Shiffrins Olympia-Karriere
Diese Worte verleihen ihrem ohnehin schon ganz besonderen Sieg eine größere Ebene. Nach dem enttäuschenden Olympia-Auftritt 2022 in China und einem holprigen Start in Italien stand sie vor dem entscheidenden zweiten Slalomlauf unter großem Druck.
Mit nun drei olympischen Goldmedaillen ist sie die erfolgreichste US-Skirennfahrerin der Geschichte. Die beste Weltcup-Starterin aller Zeiten ist sie mit ihren bislang 108 Einzelsiegen sowieso schon längst.



