Nur eine Medaille holten die deutschen Skispringer bei den olympischen Wettbewerben in Predazzo, immerhin war es Gold für Philipp Raimund von der Normalschanze. Der langjährige Bundestrainer Werner Schuster zieht ein gemischtes Fazit - und regt Veränderungen an.
"Man muss froh sein, wenn man eine Medaille macht", sagte der "Eurosport"-Experte. "Man hat eine Goldmedaille gewonnen, damit hätte man nicht gerechnet."
Die deutschen Frauen sind laut Meinung des Experten "unter den Möglichkeiten geblieben", insgesamt sei es für die DSV-Athleten und Athletinnen "nicht perfekt" gelaufen. Dank Raimunds Sensationsgold falle seine Bilanz dennoch "leicht positiv aus".
Mit Blick auf die Zukunft der DSV-Adler regte Schuster an: "Jetzt muss man schauen, dass man den Umbruch schafft."
Pius Paschke (35), Karl Geiger (33) und Andreas Wellinger (30), die allesamt nicht mehr zu den jüngsten Vertretern ihrer Zunft gehören, hätten "zu lange gebraucht, bis sie in die Saison hineingefunden haben", sagte der frühere Bundestrainer. "Hoffentlich helfen sie noch beim Umbruch."
Schuster betonte aber auch: "Wellinger ist noch nicht so alt wie Kamil Stoch (38, Anm. d. Red.) und auch Geiger ist definitiv noch in einem Alter, in dem man gut springen kann. Gleichzeitig arbeitet man mit Hochdruck an neuen Namen, aber die fallen nicht vom Himmel."
Skispringen: Ein Top-Talent findet Schuster "herausragend"
Über ein Top-Talent verfügen dagegen die Polen, mit dem erst 19 Jahre alten Kacper Tomasiak, der gleich drei Medaillen abräumte. Die Performance des Youngsters bezeichnete Schuster als "herausragend".
Der japanische Superstar Ryoyu Kobayash dagegen sei "klar unter Wert" geblieben bei den olympischen Wettbewerben, kritisierte Schuster. "Er hat zwar im Mixed eine Medaille gemacht, aber eigentlich nie richtig reingefunden. Den hatte ich wirklich auf der Rechnung."
Ebenfalls kaum etwas lief beim österreichischen Dauerbrenner Stefan Kraft zusammen.
Man habe vor den Winterspielen bereits gewusst, dass sich der 32-Jährige nicht in Top-Verfassung befinde, so Schuster, "aber das ist wirklich eine tragische Geschichte: Er ist zehn Jahre lang Weltspitze, aber bei Olympia dann dreimal hintereinander nicht in Form."


