Torschütze Leon Goretzka schlurfte pfeifend und in roten Bayern-Adiletten durch die Katakomben des Weserstadions, Doppelpacker Harry Kane schlenderte grinsend hinterher: Die gute Laune beim FC Bayern war nach dem lockeren 3:0-Auswärtssieg in Bremen nicht zu übersehen. "Wir haben diese Saison das Gefühl, dass ganz viel möglich ist", sagte Goretzka und demonstrierte den großen Münchner Titel-Hunger.
Er habe "das Glück, schon einmal dabei gewesen zu sein, als wir sechs Titel in einem Jahr gewonnen haben. Ich weiß, was das für eine geile Zeit war", so der im Sommer scheidende Nationalspieler, der seine starke Leistung in Bremen mit dem Treffer zum 3:0 (70.) krönte.
Man werde "alles in die Waagschale werfen, um am Ende mit den Fans die ganz großen Titel feiern zu können". Und auch Trainer Vincent Kompany meinte: "Wenn die Mannschaft so drauf ist wie jetzt, dann können wir viel gewinnen."
Bayern wehrt BVB-Angriff ab
Bis dahin ist es freilich noch ein weiter Weg, doch der effiziente Auftritt im Norden unterstreicht die Ambitionen. Durch den 18. Pflichtspielsieg in Bremen in Folge wehrte der Spitzenreiter den Angriff von Verfolger Borussia Dortmund (4:0 gegen Mainz) ab und geht mit sechs Punkten Vorsprung in die letzten zwölf Spieltage.
"Ich glaube, wenn Dortmund die Spiele vor uns gewinnt, dann ist dort Hoffnung da - und die crashen wir immer wieder am nächsten Tag. Das wollen wir auch weiter beibehalten", sagte Sportvorstand Max Eberl mit einem breiten Grinsen. Man sei aber "auf der Hut".
Kompany ist Kane-Rekord egal
In Bremen avancierte einmal mehr Kane zum Spieler des Spiels. Mit seinen Saisontoren 25 und 26 (500. Karrieretor!) liegt der Engländer auf Rekordkurs, hat nach 22 Spielen genauso viele Treffer erzielt wie Robert Lewandowski einst bei dessen Bundesliga-Bestmarke von am Ende 41 Saisontoren. Doch das war nicht nur Kompany am Wochenende herzlich egal.
"Es ist mir wurscht, ob er einen Rekord holt. Ich will einfach Meister werden", sagte der Belgier und betonte: "Die Meisterschaft ist auch Harry wichtiger als der Torrekord."
Neuer kommt mit blauem Auge davon
Eine Schrecksekunde erlebten die Bayern-Fans beim Wiederanpfiff nach der Halbzeitpause, als Manuel Neuer aufgrund von Wadenproblemen nicht ins Tor zurückkehrte und stattdessen Jonas Urbig kam. Die Bayern-Bosse gaben nach dem Abpfiff aber Entwarnung.
"Das ist nichts Dramatisches", sagte Eberl. Und Kompany fand es "beruhigend, dass Manu nach dem Spiel sehr entspannt aussah". Außerdem habe man "totales Vertrauen in Jonas, das hat er zu 100 Prozent verdient".
Während die Bayern bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht mehr als nötig investierten, zeigte Werder vor 41.800 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion einen über weite Strecken beherzten Auftritt. Beim Heimdebüt von Trainer Daniel Thioune fehlte es jedoch einmal mehr an der nötigen Kaltschnäuzigkeit. Die Grün-Weißen warten nunmehr seit zwölf Spielen auf einen Dreier und schweben auf dem Relegationsplatz in höchster Abstiegsgefahr.


























