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Mi, 04.02. - So, 22.02.

sport.de-Kolumne von DSV-Adler Tittel

"Im Skispringen fehlt gegenwärtig die Breite"

DSV-Skispringer Adrian Tittel in Aktion
DSV-Skispringer Adrian Tittel in Aktion
Foto: © IMAGO/Johannes Schmidt
11. Februar 2026, 10:04

Skispringer Adrian Tittel verfolgt die Olympischen Winterspiele aus der Ferne. Nach dem knapp verpassten Podestplatz der deutschen Mixed-Mannschaft geht er in seiner sport.de-Kolumne der Frage auf den Grund, wie viel Unterschied ein halber Meter am Ende macht.

Wie lang ist ein halber Meter? Ich ziehe einige Schubladen auf, bis mir endlich ein Zollstock in die Hände fällt, den ich zur Visualisierung der Antwort auf meine Frage auf den Tisch lege. Gut, die Einschätzung, ob ein halber Meter viel oder nicht viel ist, hängt natürlich von weiteren Bezugspunkten ab. Nach dem olympischen Skisprung-Mixed-Team-Wettbewerb muss man konkreter fragen, wie der Abstand eines halben Meters nach acht Sprüngen einzuschätzen ist.

Allgemein wird es als denkbar knapp bezeichnet und damit wollen manche schon ein Drama beschwören, in welchem die deutsche gemischte Mannschaft vermeintlich Bronze auf tragische Weise verloren hat.

In welchem Verhältnis stehen eigentlich die hundertstel Sekunden, die in Sportarten wie Ski Alpin, Snowboard und Rodeln über Gold, Silber und Bronze entscheiden, zu einem halben Metern?

Wenn man sich mit Metern und Sekunden, mit den Leistungsabständen überhaupt zwischen der Weltspitze und dem "Rest der Welt" beschäftigt, fällt einem auf, dass die Abstände zwischen Platz 30 und Platz 1 oft gering sind. Will heißen, dass die Athleten aus der Alltagssicht heraus durchgängig fast alle gleich gut sind und alle Spitzenleistungen in der Ausübung ihres Sports erbringen.

Aber diese kleinen Unterschiede-von Hundertsteln und Zentimetern sind bei genauerem Hinsehen immer da und genau diese machen es eben aus, ob jemand auf Gold oder Holz beißt.

Es ist eben kein Drama, wenn Mickaela Shiffrin ihre Rennen "immer" nur mit Hundertsteln Vorsprung gewinnt. Es ist vielmehr genau der Ausdruck des Umstands, dass sie eine dominierende Person in ihrer Sportart ist und die Rennen gewinnt. Zentimeter und Sekunden Leistungsunterschiede begründen kein Drama; mit der dramatischen Beschreibung tritt vielmehr zu Tage, wie stark der Wunsch nach Erfolg da war und wie groß die Enttäuschung danach war.

Denn ein halber Meter ist ein halber Meter und das ist eben in vielen Sportarten genau die Länge, die die Spreu vom Weizen trennt.

Ein halber Meter sollte uns eher zur nüchternen Analyse als zum Drama und zur Tragik bringen.

Ich habe den Wettbewerb als Beweis für die gegenwärtige Situation des deutschen Skispringens gesehen - trotz der überragenden Goldmedaille von Philipp Raimund im Einzel. Die anderen Nationen haben in der Vergangenheit gut gearbeitet. Der deutschen Nation fehlt im Skispringen gegenwärtig genau die Breite, die andere Nationen haben. Es fehlen uns im Moment die Bilder, wie ich sie im Kopf habe, als die deutschen Skispringerinnen in der Besetzung Schmid, Freitag, Rupprecht und Görlich Weltmeisterinnen wurden. Japan, Norwegen, Slowenien und Österreich haben in der Zwischenzeit zugelegt und für "halbe Meter" zwischen sich und der Konkurrenz gearbeitet.

Ist nun ein halber Meter viel oder wenig?

Er ist jedenfalls weniger ein Drama als Anlass zum Nachdenken, wie dieser Abstand in Zukunft wieder  zu unseren Gunsten gelegt werden kann.

Herzliche Grüße

Adrian Tittel

Teamspringen 2026

1SlowenienSlowenien1069.20
2NorwegenNorwegen1038.30
3JapanJapan1034.00
4DeutschlandDeutschland1032.80
5ÖsterreichÖsterreich1027.80

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