Skispringer Andreas Wellinger sieht die Aufarbeitung der WM-Betrugsaffäre nach wie vor kritisch.
"Das war eine Katastrophe für das Skispringen und seine Glaubwürdigkeit", sagte der 30-Jährige dem "Spiegel".
Die Regelanpassungen und strengeren Materialkontrollen des Weltverbands FIS seien zwar "ein Schritt in die richtige Richtung" gewesen, so Wellinger. Aber: "Ich finde nicht, dass der ganze Skandal ausreichend aufgearbeitet worden ist. Es gab Geldstrafen, Disqualifikationen und auch ein paar Sperren. Aber sonst? Niemand weiß, wie viele Anzüge manipuliert worden sind. Niemand weiß, wie lange betrogen wurde."
Explizite Kritik übte Wellinger an den norwegischen Skispringern, die sich für die Manipulation ihrer Anzüge bis heute nicht öffentlich entschuldigt haben.
"Wenn man sich hinstellt und sagt: 'Wir haben davon nichts gewusst, wir haben es nicht mit Absicht gemacht', dann finde ich, wird das der Tragweite nicht gerecht", sagte der gebürtige Traunsteiner. "Ich finde, die Norweger hätten sagen können: 'Leute, das war falsch. Wir hatten eine Heim‑WM, wir wollten erfolgreich sein, wir sind über das Ziel hinausgeschossen, wir haben einen Fehler gemacht. Es tut uns leid, wir lernen daraus.' Das hätte zumindest Reue gezeigt."
Skispringen: Warum die Norweger jetzt "einen Stempel" haben
Der Ruf der Norweger hat laut Wellinger unter der Affäre jedenfalls erheblich gelitten. "Jeder, der betrügt, hat einen Stempel. Das trifft auf gedopte Sportler genauso zu wie auf diejenigen, die ihr Material manipulieren. Deshalb wäre es ja auch so wichtig, dass Einsicht gezeigt wird."
Am Rande der WM war ein Video aufgetaucht, das zeigte, wie norwegische Funktionäre die Anzüge ihrer Athleten manipulierten und zusätzliche Bänder einnähten, um Auftrieb zu erzeugen.
Betroffen von der Schummelei war unter anderem Marius Lindvik. Wellingers DSV-Teamkollege Philipp Raimund offenbarte nach seinem sensationellen Olympiasieg von der Normalschanze am Montag, die einstige Freundschaft zu dem 27 Jahre alten Norweger sei inzwischen zerbrochen.
Der WM-Vorfall habe sich "wie Verrat" und "ein Schlag ins Gesicht" angefühlt, so Raimund.

