Die Goldmedaille von Skispringer Philipp Raimund war am Montagabend die große Überraschung bei den bisherigen Olympischen Winterspielen aus deutscher Sicht. Auch Skisprung-Youngster Robin Kloß zeigte sich in seiner sport.de-Kolumne völlig begeistert.
Als junger Skispringer schaut man natürlich gebannt auf die olympischen Skisprungwettbewerbe, was bedeutet, dass ich gegenwärtig etwas weniger trainiere und ein wenig mehr Fernsehen schaue. Ich war gespannt, wie sich der Wettkampf nach den zwei Trainings entwickelt, bei denen insbesondere Felix Hoffmann und Philipp Raimund auftrumpften und die im Gesamtweltcup führenden Sportler sich eher mühten.
Seit langem war es mal wieder ein durch und durch spannender Wettkampf vom ersten bis zum letzten Sprung.
Die Favoriten fremdelten mit der Schanze. Kacper Tomasiak und Valentin Foubert, junge Wilde aus Polen und Frankreich, sprangen unbekümmert und frei heraus und setzten im ersten Durchgang schon ein kleines Ausrufezeichen.

Der einzige, der seine guten Trainingssprünge bestätigte und zudem die Nerven behielt, war Philipp Raimund, der in der ganzen Saison ja schon nach oben schielte und immer wieder sein Können aufblitzen ließ.
Nach dem ersten Durchgang lagen die Karten auf dem Tisch. Die erste Weltcupgarde geschlagen, die jungen Wilden in Position und Raimund war auf einmal die deutsche Goldhoffnung.
In der Pause schon war spürbar, wie Spannung auf der Arena lag. Kommen die Etablierten mit guten zweiten Sprüngen zurück, können Foubert und Tomasiak ihre Weiten bestätigen und vor allem, ist Raimund cool genug, das Ding jetzt auch durchzuziehen?
Konzentration war über 1000 Kilometer entfernt zu spüren
Jeder Sprung versprach jetzt Krimi, wie bewegt sich das Feld. Mit jedem Sprung mehr konnte man ahnen, dass große Ausreißer bei den Weiten und damit eine Durchmischung des Feldes ausblieb.
Auch die Stars der Szene, einer nach dem anderen, landeten, schauten achselzuckend nach oben und verließen mit hängenden Flügen den Schanzenauslauf.
Dann kamen die, bei denen diesmal die Musik spielte. Die Jungen performten. Foubert unglücklich und knapp Fünfter. Tomasiak versetzt mit Silber eine ganze Nation ins Entzücken. Deschwanden und Nikaido punktgleich und dann stand nur noch einer oben.
Wo andere ins Grübeln gekommen sind, blieb einer ruhig. Ich konnte die Konzentration von Philipp Raimund über 1000 Kilometer weit entfernt spüren. Da war kein Gedanke an Gold, sondern nur an den Sprung. Er flog los und bekam sein Gold und auch Gold für Deutschland!
Wie oft sind wir von den Medien gescholten worden, wie oft hat es große Zweifel an der Schlagkraft der deutschen Adler in dieser Saison gegeben. Philipp hat dies gestern Abend alles vom Tisch gefegt, an dem die staunenden Österreicher, Slowenen und Norweger saßen.
Ich bin zuversichtlich, dass heute Abend rund um "Hille" das nächste gute Ding passieren könnte: Raimund, Hoffmann, Raisch und Freitag sollten gute Chancen haben.
Herzlichst Ihr
Robin Kloß



