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"Leberking" wird wohl abgespeist

Nächste Usyk-Enttäuschung für Agit Kabayel?

Guckt Agit Kabayel im Schwergewichts-Monopoly erneut in die Röhre?
Guckt Agit Kabayel im Schwergewichts-Monopoly erneut in die Röhre?
Foto: © IMAGO/Torsten Helmke
10. Februar 2026, 15:16

Deutschlands Box-Star Agit Kabayel äußert sich zuletzt vorsichtig optimistisch, endlich Schwergewichts-König Oleksandr Usyk vor die Fäuste zu kriegen. Der Präsident des Verbandes WBC klingt allerdings anders. Als Alternative soll ein "britischer Gegner" für Kabayel nach Deutschland kommen - der aber auch nicht erste Wahl wäre.

Agit Kabayel bleibt offenbar in der Warteschleife für einen Kampf gegen Schwergewichts-Weltmeister Oleksandr Usyk hängen. Wie "boxingscene.com" berichtet, soll der WBC-Interims-Champion in Deutschland als nächstes auf einen "britischen Gegner" treffen.

Promoter George Warren hatte nach Kabayels Sieg am 10. Januar in Oberhausen gegen den polnischen Riesen Damian Knyba ebenfalls ein deutsch-britisches Duell ins Spiel gebracht - sollte der Kampf gegen Usyk nicht kommen. Genau auf diesen aber drängt Kabayel.

"Option A ist Usyk, Option B ist Usyk, Option C ist Usyk", sagte der 33-Jährige aus Bochum bei "DAZN". Im Interview mit dem Fachmagazin "BOXSPORT" äußerte er sich zudem vorsichtig optimistisch. "Ich glaube, dass wir in Sachen WM-Kampf so weit sind wie noch nie. Mein Manager Spencer Brown hatte Kontakt mit Usyks Team."

Video: Kabayel bereit für Usyk: "Sagt mir wo, ich komm!"

Brown soll zuletzt in New York am Rande einer Box-Show mit Vertretern des Usyk-Lagers gesprochen haben. Usyks Teamdirektor Sergy Lapin hatte das Duell zuvor bei "talkSPORT" als "großen europäischen Kampf mit großem Business-Potenzial" bezeichnet und damit Hoffnungen geweckt. Nach sport.de-Informationen ging den Aussagen ein Austausch mit dem Kabayel-Management voraus.

Immerhin: Zum ersten Mal hat die Usyk-Seite Kabayel proaktiv als Gegner des Weltmeisters ins Spiel gebracht, Lapin sprach von einer "definitiven Option".

Bekommt Usyk eine Farce gegen Ex-Joshua-Bezwinger Ruiz?

Kabayel hat allerdings gleich drei Probleme. Erstens: Usyk drängt auf den US-Markt. Im Frühjahr wollte der 39-Jährige in den USA eigentlich gegen Ex-Champion Deontay Wilder boxen. Der hat aber andere Pläne, steigt am 4. April in London gegen England-Schlachtross Derek Chisora in den Ring.

Mehrere Medien spekulieren, dass Usyk seine Titel nun gegen den früheren Weltmeister und Joshua-Bezwinger Andy Ruiz verteidigen könnte, um sein US-Profil zu schärfen. Sportlich käme dies einer Farce gleich: Ruiz bestritt im Vorjahr nicht einen Kampf. 

Kabayels zweites Problem: Der Weltverband WBC macht keinerlei Druck auf Usyk, den grün-goldenen Gürtel gegen Kabayel zu verteidigen - obwohl dieser als Interims-Meister Pflichtherausforderer des WBA/WBC/IBF-Champions ist und auch gemäß des "Rotationsverfahrens" der Weltverbände als nächster dran wäre.

Statt Usyk gegen Kabayel zu forcieren, hat der WBC dem Schwergewichts-König eine Carte Blanche ausgestellt. "Usyk hat um eine freiwillige Titelverteidigung gebeten, die wurde ihm gestattet", bestätigte WBC-Boss Mauricio Sulaiman bei "Sky Sports". Der Verband warte auf Usyks Pläne "und dann setzen wir möglicherweise Kabayel gegen den Champion an".

Video: Giganten-Gipfel: Usyk "schlägt" Müller

WBO-Champion Wardley als WM-Option für Kabayel?

Der Deutsche wartet schon lange auf seine WM-Chance. Im Mai 2024 gewann er in Riad einen WM-Ausscheid des WBC, wurde zunächst aber nicht zum Nummer-1-Herausforderer erklärt. Anfang 2025 speisten ihn die Funktionäre dann mit einem Kampf um die "Interims"-WM ab. Kabayel gewann gegen China-Koloss Zhang Zhilei - und hofft seither vergeblich, dass der WBC Usyk verpflichtet.

Im Lager des "Leberkings" wächst der Frust über das Vorgehen des Verbandes. Es sei "sehr, sehr schade, dass der WBC immer noch nicht bereit ist, den Mandatory-Status für mich auszurufen, obwohl ich schon seit eineinhalb Jahren, wenn nicht sogar länger, darauf warte", sagte Kabayel dem "BOXSPORT". 

Kommt der Usyk-Kampf nicht, werde er mit seinem Streaming-Partner "DAZN" und seinem Management "Vollgas geben, damit es Fabio Wardley wird", kündigte der Kämpfer aus dem Ruhrpott an. WBO-Weltmeister Wardley wäre für Kabayel der zweite Weg, um als erster Deutscher seit Max Schmeling 1930 einen WM-Titel im Schwergewicht zu gewinnen.

Wäre. Denn hier liegt Kabayels drittes Problem. Wardley trifft laut britischen Medienberichten im Frühjahr auf seinen englischen Landsmann Daniel Dubois. Auch Box-Orakel Derek Chisora "enthüllte" den Briten-Showdown. Der Sieger könnte im Sommer im nächsten Insel-Spektakel auf Comebacker Tyson Fury treffen.

Bleibt nur die dritte Wahl Okolie für Kabayel?

Aus zweifacher Sicht eine schlechte Kunde für Kabayel: Ein Duell mit Ex-IBF-Weltmeister Dubois steht für ihn ebenfalls zur Debatte und wäre zumindest finanziell lukrativ. Promoter Warren (der Kabayel, Dubois und Wardley allesamt unter Vertrag hat) sieht darin das Potenzial für ein Event in einem großen deutschen Stadion. 

Womöglich bleibt "Zwischen-Weltmeister" Kabayel aber bloß ein weiterer Zwischenkampf in einer kleineren Arena. Lawrence Okolie (England/Nummer 1 der WBC-Rangliste) und Filip Hrgovic (Kroatien/Nummer 5) - ebenso in Warrens Stall - waren am 10. Januar in Oberhausen vor Ort und brachten sich in Stellung.

Okolie gilt als Favorit. Warren sprach schon mehrmals von einem deutsch-englischen Kampfabend, den er veranstalten wolle. Okolie drängte sich in Oberhausen mit schrillem Outfit und großspurigen Ansagen ins Rampenlicht. Im Schwergewicht hat der frühere Cruisergewichts-Weltmeister indes noch keinen Gegner von Rang und Namen geschlagen. 

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