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Riskanter Schritt geht nach hinten los

Vielleicht war es doch der leichte Patriots-Schedule?!

Video: NFL Highlights: Seahawks zerlegen Patriots im Super Bowl
09. Februar 2026, 14:48

Die über weite Strecken blamable Vorstellung der New England Patriots bei der 13:29-Pleite im Super Bowl LX gegen die Seattle Seahawks ist Wasser auf die Mühlen derer, die den Erfolg des Teams nur auf den leichten Spielplan schoben. Zugleich ging ein Risiko des letzten Drafts nach hinten los.

Was wurde nicht alles darüber gesprochen, wie viel Einfluss der auf dem Papier so leichte Schedule der New England Patriots eine gewichtige Rolle gespielt hat in der wundersamen Saison des Teams unter Mike Vrabel. Erstmals überhaupt gelang es einem NFL-Team, nach nur vier Siegen im Vorjahr im Anschluss 17 Spiele zu gewinnen. Sie waren schließlich das vierte Team, das eine Saison nach nur vier Siegen den Super Bowl erreichte. Doch bis auf die Rams des Jahres 1999 war keinem dieser Teams ein Sieg vergönnt.

Die Cinderella-Saison der Patriots fand ein jähes Ende in Super Bowl LX in Santa Clara gegen die Seattle Seahawks. Ein brutales Ende, darf man sogar sagen, denn nur eine forsche Garbage Time hielt sie davon ab, sich nicht auf ganzer Linie und bis auf die Knochen zu blamieren. Zu Beginn des vierten Viertels war nämlich der erste Shutout in einem Super Bowl ein durchaus realistisches Szenario, so hilflos wirkte diese Truppe offensiv.

Und es war ein Versagen auf ganzer Linie, was die Offensivleistung der Patriots betraf. Zeitweilig stand mehr Punts als Completions zu Buche. Die Offense hatte mehr Yards durch Sacks verloren als Drake Maye durch die Luft erzielte. Und jener Maye, der sicherlich sein schlechtestes Spiel der Saison, vielleicht sogar seiner Karriere machte, stand eben auch unter Dauerbeschuss. Laut "Sumer Sports" hatten die Seahawks eine Pressure Rate von über 43 Prozent, obwohl sie kaum blitzten. 

Offensive Line macht Schritt zurück

Das lag in erster Linie an einer Offensive Line, die mindestens genauso furchtbar aussah wie im Vorjahr, als man Maye zu Saisonbeginn aus Angst vor Folgeschäden erstmal draußen ließ. Allen voran die linke Seite mit den Rookies Will Campbell und Jared Wilson war eine einzige Katastrophe. Laut "Next Gen Stats" hat Campbell alleine 14 Pressures abgegeben. Das sind die meisten, die ein einzelner Spieler in dieser Saison (inklusive Playoffs) in einem Spiel zugelassen hat.

Die sechs Sacks gegen Maye kamen also nicht von ungefähr. Nun hat Maye durchaus die Tendenz, gerne mal den Ball zu lange zu halten, doch in diesem Spiel, war alles über eine Sekunde zu lange, was einfach nicht akzeptabel ist. Maye hatte am Ende drei Turnovers und zwei davon gingen auf Pressures zurück. Will Campbell demonstrierte damit ein weiteres Mal, dass er offenbar guten Pass Rushern nicht gewachsen ist. 

Wie schon in den vergangenen Wochen unterstrich er förmlich, dass das Risiko, dass New England im vergangenen Jahr im Draft eingegangen ist, nicht belohnt wurde. Campbell mit dem vierten Pick im Draft zu ziehen, war ein ultimativ zu hoher Preis, denn es war immer zu befürchten, dass er am Ende schon aufgrund seiner überschaubaren Armlänge letztlich doch eher würde Guard spielen müssen. Diese Vermutung hat sich nun erhärtet. Die Patriots haben eine riesengroße Baustelle auf Left Tackle und eine auf Left Guard, die aber Campbell dann womöglich schließen könnte. Left Tackle jedoch sollte man ihn nun wirklich nicht mehr spielen lassen.

Erschwerend hinzu kam, dass auch das sonst gute Coaching keine Antworten fand. Coach of the Year Vrabel etwa puntete im dritten Viertel bei 4&1 nahe der Mittellinie, was sich anfühlte wie eine Kapitulation zu einer Zeit, als durchaus noch etwas möglich gewesen wäre. Und dann wäre da die Entscheidung, nach dem ersten Touchdown auf Extrapunkt zu gehen und damit den Rückstand auf zwölf Punkte (7:19) zu verkürzen. Hier wäre eine Two-Point Conversion angebracht gewesen.

Kein guter Tag für McDaniels

Und auch Assistant Coach of the Year Josh McDaniels hatte nicht seinen besten Tag. Sein Play-Calling war eintönig, er vernachlässigte das Run Game in Phasen, in denen dies durchaus geholfen hätte und zeitweilig auch funktioniert hat. Und er war eben wenig innovativ unterwegs. Nicht nur war die Motion Rate der Patriots sehr niedrig (29,85 Prozent), sie setzten auch viel zu selten auf Play Action (13,21 Prozent), obwohl das meist gar nicht so schlecht aussah. Das reine Dropback Game jedenfalls dauert zu lange, um Maye zu schützen, der dann immer schnell Pressure gegen sich hatte.

Letztlich hatten die Patriots mit .391 den schwächsten Strength of Schedule aller NFL-Teams in dieser Saison, also im Umkehrschluss den leichtesten Spielplan. Sicherlich muss man als Team, das im Vorjahr 4-13 war, auch diesen leichten Spielplan erstmal so bewältigen wie es die Patriots getan haben. Sie belegten letztlich Rang 2 mit 28,8 Punkten pro Spiel und Rang 4 mit nur 18,8 zugelassen Punkten pro Spiel. Doch zeigte sich spätestens in den Playoffs, dass speziell die Offensive Line, aber eben auch ein durch bessere Teams mehr geforderter Maye durchaus noch Luft nach oben haben.

Einziger Lichtblick an einem insgesamt mauen Abend in der Bay Area war daher die Leistung der Defense, die über weite Strecken einen starken Gegner in Schach gehalten hatte. Die ersten vier Scores der Seahawks waren allesamt nur Field Goals. Und die Touchdowns kamen infolge von Turnovers zustande. Es gelang den Patriots, Darnold unter Druck zu setzen und schon dessen erster Pass wäre mit etwas mehr Glück bei Marcus Jones gelandet, der daraus womöglich einen Pick-Six gemacht hätte. Stattdessen hatte Darnold eben das berühmte Quäntchen Glück, wich den Rushern meist aus und leistete sich ultimativ keinen Turnover. 

Zahltag für Gonzalez?

Trotzdem muss man betonen, wie gut Christian Gonzalez war. Seine zwei Pass Breakups waren bärenstark. Er hielt die Patriots vor der Pause fast alleine im Spiel. Nun hat er sein drittes Jahr in der NFL hinter sich und ihm steht ein großer Zahltag ins Haus. Dass man die Fifth-Year Option in seinem Rookie-Vertrag ziehen wird, steht außer Frage. Doch er dürfte direkt auf eine frühzeitige Vertragsverlängerung schielen - wie einige andere Elite-Cornerbacks zuletzt auch. Die Leistung im Super Bowl zwei Wochen nach der Interception zum Sieg in Denver sind in jedem Fall gute Argumente dafür.

Die Patriots haben nach zwei bis drei Horrorjahren einen sehenswerten Turnaround geschafft. Zugleich aber zeigte diese Klatsche im Super Bowl, dass sie von der Spitze noch weit entfernt sind. Sie haben die vor der Saison durchaus realistischen Erwartungen vieler - oder die Meinigen - gehörig überboten. Doch die vergangenen vier bis fünf Wochen unterstrichen mit Nachdruck, dass dieser Kader in Wahrheit noch nicht wirklich so weit ist, um ganz oben mitzuhalten.

Speziell die Offensive Line muss deutlich besser werden, um Maye eine Chance zu geben. Denn auch wenn er eine starke erste volle Saison als Starter hingelegt hat, ist auch er jemand, der bessere Umstände braucht als man ihm zuletzt zugestanden hat.

New England Patriots
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Seattle Seahawks
Seattle Seahawks
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00:30
Mo, 09.02.
Beendet
vollständiger Spielplan

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