Domen Prevc dominiert die Saison 2025/26 wie wenige Skispringer vor ihm, fliegt der Konkurrenz teilweise beängstigend weit davon. Skisprung-Ikone Sven Hannawald erklärt die Prevc-Dominanz mit einem Trick im Graubereich des Regelwerks und zieht einen Vergleich zur Formel 1. Außerdem lobt er die strengen Materialkontrollen.
Sven Hannawald ist überzeugt, dass Skisprung-Dominator Domen Prevc eine "Lücke im System" ausnutzt, um seinen Sprungstil mit der extremen Vorlage zu optimieren und seinen Konkurrenten so davonzufliegen.
"Ein entscheidender Punkt ist, dass er seine Schuhe nicht komplett festbindet, was er aber noch nie gemacht hat. Dadurch steht er in der Luft mit der Ferse nicht voll auf der Sohle im Sprungschuh", erläuterte Hannawald bei "ran". Er könne seine These zwar nicht beweisen, da es "kein Röntgengerät oder einen Scanner" gibt, "aber das ist meine Erklärung".
Durch den Trick verändere sich bei Prevc das Flugverhalten, führte der erste Grand-Slam-Sieger der Vierschanzentournee weiter aus. "Es zieht den Anzug in der Luft gewissermaßen weiter nach unten, was ihm ein anderes Schrittmaß generiert, als er es eigentlich haben dürfte."
Prevc' Vorgehen sei "nicht verboten", betonte Hannawald. "Deshalb spreche ich ausdrücklich nicht von Betrug, sondern von einer cleveren Lösung, die lange niemand auf dem Schirm hatte", so der 51-Jährige: "Er betrügt nicht. Das ist eine Lücke im System, vergleichbar mit dem Diffusor in der Formel 1."
Prevc hat in dieser Saison elf von 20 Weltcupspringen gewonnen, triumphierte auch bei den Saisonhighlights Vierschanzentournee und Skiflug-WM. Bei den Olympischen Spielen ist der 26-Jährige der große Favorit.
Skispringen: "Bei einem Millimeter konsequent alle rausschmeißen"
Hannawald lobte in dem Interview zudem das als Reaktion auf den Anzugskandal bei der WM 2025 etablierte Kontrollsystem des Materials.
"Mit Kontrollchef Mathias Hafele lässt sich nicht spielen. Jetzt weht ein anderer Wind", sagte Hannawald. Auch in Zukunft solle beim Vermessen der Ausrüstung kein Spielraum geduldet werden. "Ich sage inzwischen ganz klar: Bei einem Millimeter konsequent alle rausschmeißen. Damit wirklich ein Umdenken stattfindet."
Auch bei Olympia stehe Skispringen "weiter unter Beobachtung", so die Skisprung-Legende. Hannawald sieht seinen Sport im Kampf um die Glaubwürdigkeit aber auf dem richtigen Weg. "Ich merke, dass sich bei vielen Zuschauern etwas verändert", sagte er. Gerade bei Disqualifikationen einzelner Athleten hieße es zunehmend: "Okay, es wird wieder strenger. Es wird wieder klarer. Es geht wieder mehr ums Skispringen und weniger um Tricks"."
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