Neben dem Super Bowl selbst steht auch immer die Halbzeitshow in der NFL im Mittelpunkt und im Fokus der Welt. In diesem Jahr ist die Wahl des Künstlers mit Bad Bunny besonders brisant. Es ist ein klares Zeichen der Liga für Vielfalt, aber auch eine unmissverständliche Botschaft in Richtung US-Regierung.
Bad Bunny, eigentlich Benito Antonio Martínez Ocasio aus Puerto Rico, ist derzeit einer der gefragtesten Musiker der Welt. Er war nun schon viermal derjenige mit den meisten Musikstreams in einem Jahr weltweit bei Spotify, so auch 2025, und gewann nun schon sechs Grammy Awards, darunter jüngst für das Album of the Year "Debí Tirar Más Fotos", was so viel heißt wie "Ich hätte mehr Fotos machen sollen."
Doch Bad Bunny, der sich derzeit auf einer Welttour befindet und diese nun in Santa Clara/Kalifornien zur Super Bowl LX Halftime Show (ab 23:15 Uhr live bei RTL) unterbrechen wird, ist eben auch ein Verfechter von Freiheit, Menschenrechten, Vielfalt, Toleranz und Nächstenliebe. Alles Dinge, die nicht unbedingt im Einklang stehen mit der Politik von US-Präsident Donald J. Trump.
Und Bad Bunny hat in der jüngeren Vergangenheit auch keinen Hehl daraus gemacht, was er von ihm und seiner Politik hält. "Fuck ICE" war seine Botschaft bei seiner Rede bei den Grammys. "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden: Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner." Es war nicht seine erste klare Aussage gegen die vermummten Grenzbeamten, die zuletzt zwei offenbar unschuldige Menschen in Minnesota getötet haben. Schon früher hatte er mit seiner Entscheidung, die USA als Stopp auf seiner Welttour zu meiden, für Aufsehen gesorgt.
Bad Bunny meidet USA auf Welttour
"Es gab viele Gründe, warum ich nicht in den USA aufgetreten bin, und keiner davon hatte mit Hass zu tun - ich habe dort schon oft performt", sagte er im September. "Alle Shows waren erfolgreich. Alle waren großartig. Ich habe es genossen, mich mit den Latinos zu verbinden, die in den USA leben. Aber da war dieses Problem, dass die verdammte Einwanderungsbehörde draußen vor meinem Konzert stehen könnte. Und das ist etwas, worüber wir gesprochen haben und was uns große Sorgen bereitet hat."
ICE-Übergriffe soll es laut Weißem Haus und den Sicherheitsleuten der NFL aber zumindest rundum den Super Bowl nicht geben. Doch dieser Tage weiß man nie.
Trump jedenfalls begegnete der Wahl von Bad Bunny schon vor einer Weile auf übliche Art und Weise: "Ich weiß nicht, wer das ist." Um dann aber doch zu einer seiner Tiraden anzusetzen: Die Entscheidung für Bad Bunny sei "absolut lächerlich" und "verrückt". Auch, dass im Vorprogramm nun auch noch die in San Francisco ansässige und Trump-kritische Band Green Day auftreten und mit Brandi Carlile eine weitere Trump-Gegnerin und LGBTQ+-Aktivistin "America The Beautiful" singen wird, stieß bei Trump übel auf. Green Days 2004er Song "American Idiot" landete wenig zufällig zuletzt wieder in den Charts.
"Ich bin gegen sie“, sagte Trump über die Musiker im Gespräch mit der "New York Post". "Ich halte das für eine schreckliche Wahl. Alles, was es bewirkt, ist Hass zu säen. Schrecklich."
In jedem Fall hat NFL Commissioner Roger Goodell aber eine Lanze für Bad Bunny gebrochen und kürzlich klargestellt: "Bad Bunny hat gestern Abend gezeigt, dass er einer der größten Künstler der Welt ist", sagte er am Montag nach den Grammy Awards. Außerdem habe er "die Bedeutung dieser Bühne verstanden", denn sie diene dazu, "Menschen zu vereinen".
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Bad Bunny: "Es wird Spaß machen"
Goodell erklärte zudem, dass weder Bad Bunny noch Green Day die Super-Bowl-Bühne für politische Statements nutzen würden. Auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag betonte Bad Bunny vielmehr, dass er Spaß haben will in den 13 Minuten, in denen ihm die weltweite Aufmerksamkeit gewiss sein wird - im Vorjahr schauten rund 133 Millionen Menschen allein die Halftime Show von Kendrick Lamar und seinen Gästen.
"Es wird Spaß machen, es wird einfach sein, und die Leute müssen sich nur um das Tanzen Gedanken machen", sagte er. "Ich weiß, ich habe ihnen gesagt, sie hätten vier Monate Zeit, um Spanisch zu lernen. Sie müssen nicht einmal Spanisch lernen. Sie können lernen zu tanzen, aber ich finde, es gibt keinen schöneren Tanz als den, der von Herzen kommt."
Wer neben ihm auf der Bühne im Levi's Stadium dabei sein wird, ist derweil unklar. "Ich will noch nicht zu viel verraten ..." Sicher scheint jedoch, dass es Star-Gäste geben wird, schließlich hat das Tradition. Als im Jahr 2020 Jennifer Lopez und Shakira die Halbzeitshow von Super Bowl LIV performten, war jener Bad Bunny selbst einer der Überraschungs-Acts.
Der Super Bowl und all seine Show-Acts, die für sehr viel Vielfalt stehen, finden natürlich vor dem Hintergrund zahlreicher Unruhen in den USA statt. Nicht nur in Minnesota ist die Lage derzeit angespannt. Aktivisten nutzen diese Bühne in der laufenden Woche auch rundum San Francisco, um gegen ICE und die Politik von Trump zu protestieren und haben auch während des Super Bowls Protestaktionen angekündigt.
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NFL auf schmalem Grat
Es ist eine schwierige Phase in den USA und der Welt. Der Super Bowl und seine Halbzeitshow sollen und wollen für Ablenkung sorgen. Doch wird das nur von kurzer Dauer sein. Die NFL allerdings setzt ein klares Zeichen mit den Entscheidungen rundum das Entertainment-Programm der NFL, gegen Hass und für Vielfalt. Und das, obwohl der Großteil der Besitzer dieser Teams sicherlich nicht unbedingt hinter dieser Botschaft stehen und gerade Goodell zuletzt häufiger in Trump-Nähe zu sehen war, um diverse Projekte wie den Stadionneubau in Washington/DC oder auch den großen Übernahme-Deal zwischen NFL Media und ESPN über die Bühne zu bringen.
Es ist ein schmaler Grat, den die NFL hier geht. Doch sollte dieser Super Bowl und auch die Halbzeitshow zum Quotenerfolg werden wie üblich, wäre auch das ein klares Zeichen, wie die Menschen in den USA ihr Land sehen und über ihre Politik denken. Auch wenn Sport natürlich eigentlich frei davon sein sollte, aber eben nicht immer ist.










