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Aussie-Champion macht Rückzieher

Mikaelian muss auf Titel-Showdown warten

WBC-Champion Noel Mikaelian drängt auf einen Kampf gegen IBF-Weltmeister Jai Opetaia
WBC-Champion Noel Mikaelian drängt auf einen Kampf gegen IBF-Weltmeister Jai Opetaia
Foto: © IMAGO/Ariana Ruiz
06. Februar 2026, 09:57

Das Jahr 2025 endet für Noel Mikaelian mit einem Triumph und einem verheißungsvollen Versprechen. Ein australischer Box-Champion fordert den Deutschen zum Weltmeister-Gipfel, MMA-Pate Dana White bietet in den USA die große Bühne. Doch nun macht Mikaelians Rivale angeblich einen Rückzieher.

Noel Mikaelian kann sich nicht beschweren. Der 35-Jährige weilt zurzeit im sonnigen Mexiko, wo ihm der Boxverband WBC hochoffiziell seinen grün-goldenen Weltmeister-Gürtel und einen "Championship Ring" überreichte. Es gibt schlechtere "Geschäftsreisen".  

Mikaelian ist seit dem 13. Dezember wieder Weltmeister im Cruisergewicht. In Los Angeles bezwang er den schwedischen Faustkampf-Veteranen Badou Jack in einem "dreckigen" Kampf verdient nach Punkten, eroberte zum zweiten Mal in seiner Karriere die WBC-Krone.

Für den Mann aus Hamburg eine süße Revanche. Ein halbes Jahr zuvor hatte Mikaelian in Riad gegen Jack durch Mehrheitsentscheid der Punktrichter verloren. Das Urteil war derart umstritten, dass er beim WBC Protest einlegte und einen sofortigen Rückkampf erwirkte. Teil zwei ließ keine Fragen offen.

Dass ihn der WBC nun mit allen Ehren empfangen hat, dürfte Mikaelian runtergehen wie mexikanisches Öl. Es war nicht immer so.

Ende 2024 entthronte der Verband ihn als Weltmeister im Limit bis 90,72 Kilogramm. Die findigen WBC-Funktionäre stuften Mikaelian nach Gutsherrenart zum "Champion in Recess" herunter. Weltmeister im Ruhemodus - ein Titel, den es nur im Preisboxen gibt. Den WM-Kampf gegen den wie Kai aus der Kiste zum Champion gekürten Jack bekam der Deutsche nur, weil sich dessen Herausforderer verletzte.

Vergangenheit. Nun herrscht Burgfrieden zwischen Mikaelian und dem World Boxing Council. Die Drei-Lettern-Organisation hat dem Weltmeister nicht einmal einen Pflichtherausforderer aufgedrückt. Mikaelian hat für seinen nächsten Kampf freie Bahn - und eigentlich einen großen Plan.

IBF-Champion Opetaia forderte Mikaelian zum Showdown

Denn kaum hatte Mikaelian in L.A. Jack entthront und "seinen" Gürtel zurückgeholt, forderte ihn der konkurrierende IBF-Weltmeister Jai Opetaia heraus. Es sei "an der Zeit, dass wir die Titel vereinen. Dieser Kampf macht Sinn für das Boxen und das Cruisergewicht. Die Fans wollen sehen, wer die wahre Nummer 1 ist", ließ der Australier wissen. Mikaelian biss sofort an: "Let's go!"

Noch vor zwei Wochen sah es so aus, als würden die Weichen tatsächlich Richtung Gürtel-Schmelze gestellt. Am Rande der ersten Boxshow von MMA-Pate Dana White in Las Vegas trafen sich die Weltmeister zu einem Staredown. Respektvoll, aber bestimmt. 

Opetaia hat erst kürzlich bei Whites "Zuffa Boxing" unterschrieben. Der Boss der Käfigkampf-Serie UFC will als Promoter das Boxen auf links drehen.

Eine "Box-Liga" nach UFC-Vorbild, ein Weltmeister pro Gewichtsklasse, kein WBX- und IBY-Wirrwarr mehr. Hehre Ziele, auch wenn White schon etwas zurückgerudert ist und Vereinigungskämpfe um die "klassischen" Titel unter seinem Banner nicht ausschließt. Pragmatismus geht vor, wenn es ums Geld verdienen geht.

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Mikaelian spöttelt gegen Opetaia: "Die reden immer nur groß im Internet"

Endlich Kohle scheffeln will auch Opetaia, der trotz furchterregender Knockouts bisher ein Schattendasein fristet und keine großen Börsen verdient hat. Dem Aussie geht es in dieser Hinsicht wie Mikaelian, umso sinnvoller erscheint eine Titelvereinigung auf Whites "Zuffa"-Bühne. Und umso überraschender ist, dass Opetaia nun einen vorläufigen Rückzieher macht.

"Ich war bei dem ersten Zuffa-Event nur, um Opetaia zu treffen, damit wir endlich den Vereinigungskampf anstreben können. Aber leider wollen Opetaia und sein Team erst einen Stay-Busy-Kampf", sagte Mikaelian zu sport.de: "In Verhandlungen stehen wir leider noch nicht."

Laut Medienberichten trifft Opetaia am 8. März in Las Vegas auf den Amerikaner Brandon Glanton - die Nummer 15 der IBF-Rangliste. "Die reden immer nur alle groß im Internet, aber wenn es zur Sache gehen soll, kam irgendwie nicht wirklich was von Team Opetaia", spöttelte Mikaelian. Er wolle den Freibrief des WBC für seinen nächsten Kampf "natürlich" nutzen und "viel lieber die Unification", betonte der Hamburger mit armenischen Wurzeln. Zur Not würde er dafür auch bis Mai oder Juni warten.

Ob Opetaia dann schon wieder kampfbereit ist, wenn er am 8. März wirklich in den Ring steigt, ist allerdings fraglich. Noel Mikaelian ist vorerst einmal mehr Weltmeister im Ruhemodus. 

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