Philipp Raimund holt sich mit Platz drei zum Abschluss der Olympia-Generalprobe der Skispringer viel Selbstvertrauen. Weit über allen fliegt allerdings auch im Upland Domen Prevc.
Philipp Raimund hüpfte mit einem herzhaften Juchzer aufs Siegerpodest, Felix Hoffmann und Andi Wellinger klatschten nach ihren Traumflügen vor 22.000 Fans im Nebel von Willingen grinsend ab: Beim Heimspiel im Upland haben die zuletzt flügellahmen DSV-Adler reichlich Selbstvertrauen für die am Freitag beginnenden Winterspiele getankt - auch wenn Sloweniens Überflieger Domen Prevc mit zwei hochüberlegenen Siegen weiterhin das Maß der Dinge ist.
"Das war ein geiles Wochenende!", sprach der zweimalige Olympiasieger Wellinger dem gesamten Team aus der Seele. Und auch Bundestrainer Stefan Horngacher atmete nach dem besten Wettkampf seit Wochen tief durch: "Das ist enorm wichtig gewesen, für uns und alle, die im Hintergrund schuften."
Als Krönung einer starken Generalprobe flog am Sonntag der zuletzt hadernde Raimund zum ersten Mal seit Mitte Dezember aufs Podium und stellte im ZDF fest: "Willingen war echt schön für uns."
Wellinger reist mit Rückenwind zu Olympia
Topfavorit auf die olympischen Goldmedaillen bleibt allerdings Prevc. Der Tourneesieger gewann am Sonntag wie schon im ersten Springen mit gewaltigem Vorsprung und setzte sich nach Sprüngen auf 147,0 und 152,0 m mit 31,7 Punkten Vorsprung (umgerechnet fast 18 Meter) auf den Japaner Ren Nikaido durch. Raimund, am Samstag noch unzufriedener 18., lag nach Flügen auf 142,5 und 139,5 m letztlich 39,9 Punkte hinter dem Weltcup-Spitzenreiter.
Mit neuem Selbstvertrauen reist auch Wellinger ins Val di Fiemme. Der 30-Jährige flog am Sonntag im zweiten Durchgang auf famose 150,5 m, landete damit auf Rang acht der Endabrechnung und schaffte es wie am Samstag (Sechster) in die Top 10. Damit blieb Wellinger sogar vor dem Tourneesechsten Hoffmann, der nach ebenfalls spektakulären 149,5 m im Finale Zehnter wurde.
Der nicht für Olympia nominierte Karl Geiger zeigte nach seinem grandiosen dritten Platz am Samstag zum Abschluss mit Rang 21 zumindest einen grundsoliden Wettkampf. Von den vier deutschen Olympiafahrern fiel erneut Pius Paschke ab, der nach Platz 23 am Samstag zum Abschluss Rang 28 belegte.
Selina Freitag tankt Selbstvertrauen
Die deutschen Frauen verpassten beim Härtetest an beiden Tagen das Podest. Vierte Plätze von Agnes Reisch und Selina Freitag in stark von Wind beeinflussten Springen, die jeweils die Norwegerin Eirin Marie Kvandal gewann, waren dennoch eine vielversprechende Generalprobe. "Ich habe Selbstvertrauen getankt und bin ziemlich entspannt", sagte Freitag, die bereits am Samstag in der ersten Olympia-Entscheidung von der Normalschanze gefragt ist.
Die Winterspiele können kommen - auch wenn die schönste Geschichte in Willingen einer schrieb, der sich gar nicht für die Winterspiele qualifiziert hat. "Das hat richtig Spaß gemacht", sagte der überglückliche Geiger, nachdem er im ersten Einzel am Samstag überraschend auf Platz drei geflogen war.
Der Durchbruch kam spät - bis Samstag war der 33-Jährige nicht einmal in dieser Saison unter der Top 10 gelandet und muss deshalb Olympia am TV verfolgen. Geigers Höhenflug gab aber dem ganzen Team Aufwind.