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Zieht Agit Kabayel die Niete?

Das steckt hinter Tyson Furys-Netflix Hammer

Tyson Fury (hier 2021 gegen Deontay Wilder) will wieder ganz groß zuschlagen
Tyson Fury (hier 2021 gegen Deontay Wilder) will wieder ganz groß zuschlagen
Foto: © IMAGO/Joe Camporeale
02. Februar 2026, 10:02

Dass Tyson Fury im April sein x-tes Box-Comeback gibt, überrascht nun wirklich keinen. Viel interessanter ist die neue Plattform des früheren Weltmeisters und die Frage: Was bedeutet Furys Rückkehr für das Schwergewicht und Deutschlands Box-Star Agit Kabayel? 

Er tut es also - wie erwartet. Tyson Fury schnürt die Boxhandschuhe wieder und will es nochmal wissen. Der 37-Jährige steigt am 11. April in England gegen Arslanbek Makhumdov in den Ring.

Der Zwei-Meter-Russe, der seinen riesigen Schädel stets böse guckend von links nach rechts knacken lässt, ist ein vermarktbarer Gegner für das Fury-Comeback - auch wenn Makhmudov Ende 2023 vom Bochumer "Leberking" Agit Kabayel eine böse Tracht Prügel bezog. 

Hat Fury in seiner eineinhalb Jahre währenden Boxer-Rente nicht allzu viel Ringrost angesetzt, sollte Makhmudov eine lösbare Aufgabe sein. Der "russische Löwe" hat zwar einen ordentlichen Bumms, vor dem sich der Ex-Weltmeister hüten muss. Technisch ist Mahkmudov aber deutlich limitierter als der boxerisch versierte 2,06-Meter-Riese aus Morecambe.

Präsentiert sich Fury in Normalform, fährt er einen Sieg ein, der ihm die Türen zu weiteren lukrativen Kämpfen öffnet.

Denn der interessanteste Aspekt am Comeback des "Gypsy Kings" ist die Bühne, auf der Fury auftritt. Er ist zum ersten Mal bei "Netflix" zu sehen. Der Streaming-Koloss aus den USA weitet sein Box-Engagement aus. Schon 2024 zeigte "Netflix" den traurigen Schaukampf zwischen Box-Ikone Mike Tyson und Influencer Jake Paul, im Herbst 2025 folgte das Duell der Superstars Canelo Alvarez und Terence Crawford.

Video: Giganten-Gipfel: Usyk "schlägt" Müller

Bereitet Fury den Blockbuster gegen Joshua vor?

Fury ist mit Manager Spencer Brown auf eigene Faust unterwegs. Sein langjähriger Promoter Frank Warren hat in dem Makhmudov-Kampf keine Aktien drin, wie der 73-Jährige einräumte. "Das liegt nicht in meinen Händen, das hat mit mir nichts zu tun. Dieser Deal wurde mit den entscheidenden Ring-Leuten gemacht. Sie zahlen die Rechnung", sagte Warren bei "talkSPORT". 

Der Promoter-Veteran spricht vom US-Magazin "The Ring". Die "Bibel des Boxens" gehört seit geraumer Zeit dem saudischen Box-Mogul Turki Al-Sheikh. Der hat die 1922 gegründete Zeitschrift zu einem Lautsprecher seiner Interessen umgeformt. "The Ring" berichtet nicht mehr nur übers Boxen, sondern agiert promoterartig und präsentiert große, glitzernde Faustkampf-Shows, hinter denen meist Al-Sheikh steckt.

Warren hingegen hat mit seiner Firma "Queensberry Promotions" einen Vertrag mit "DAZN". "Netflix", wo schon die Reality-Soap "At Home with the Furys" (Zuhause bei den Furys) über den Äther flimmert, hat dem "Gypsy King" offenbar mehr zu bieten als Warren und die Streaming-Konkurrenz.

Furys Strippenzieher Brown ist unlängst nach New York gereist, um am Rande einer "The-Ring-Show" die weiteren Schritte seines Klienten im "Netflix"-Universum abzustecken. Im Gespräch ist noch immer ein britischer Blockbuster gegen Anthony Joshua. Dafür spricht, dass "AJ" Ende 2025 schon auf "Netflix" geboxt hat - auch wenn es nur ein Zirkuskampf gegen Youtuber Paul war. 

Bereitet Brown im Big Apple das ganz dicke Ding vor? Unklar, weil Joshuas weiterer Karriereweg nach seinem tragischen Auto-Unglück Anfang des Jahres in Nigeria unklar ist. Bei dem Unfall in Lagos kamen zwei enge Freunde und Trainer des Boxstars ums Leben. Zuletzt meldete sich Joshua mit einer emotionalen Video-Botschaft zurück. Die "Mission muss weitergehen", sagte der 36-Jährige sichtlich mitgenommen. Ob das bedeutet, dass der Ex-Champion weitermacht? Man kann es zumindest so deuten. 

Fury spricht immer noch von Usyk

Brown wird in New York sicherlich weitere Optionen sondieren. Fury hat bereits Interesse an einem englischen WM-Duell gegen WBO-Titelträger Fabio Wardley signalisiert (der dies sogleich erwiderte). Denkbar ist auch, dass es bei den Gesprächen um eine mögliche Trilogie mit Schwergewichts-König Oleksandr Usyk geht.

Der Ukrainer drängt auf den US-Markt, wollte im Frühjahr eigentlich an der Westküste gegen Ex-Weltmeister Deontay Wilder boxen. Wilder hat aber andere Pläne, der "Bronze Bomber" steigt am 4. April in London gegen Box-Veteran Derek Chisora in den Ring. 

Zuletzt spekulierten amerikanische und englische Medien über einen Kampf zwischen Usyk und Ex-Weltmeister Andy Ruiz Jr. in den USA. Ruiz hatte Joshua 2019 in New York sensationell die erste Niederlage als Profi zugefügt. Mit einem Kampf gegen Ruiz könnte Usyk ein mögliches "Netflix"-Spektakel gegen Fury in Amerika anheizen. 

Der 39-Jährige hatte Fury 2024 zweimal verdient nach Punkten geschlagen. Fury grantelt allerdings bis heute, die Punktrichter hätten ihn beschissen, in Wahrheit habe er beide Duelle gewonnen. Eine exklusive Sicht auf die Dinge. Und doch lässt sich im Schwergewicht - von der angesprochenen Battle of Britain abgesehen - nach wie vor kaum ein Kampf so gut verkaufen, wie Teil drei zwischen den Erzrivalen Usyk und Fury.

Agit Kabayel könnte die Niete ziehen

Agit Kabayel könnte deswegen im Schwergewichts-Monopoly eine bittere Ereigniskarte ziehen. Der 33-Jährige ist als WBC-Interims-Weltmeister Pflichtherausforderer von König Usyk. Sportlich hat sich Kabayel die WM-Chance längst verdient. Der WBC hat bis dato aber null Druck auf den Champion ausgeübt, die Krone gegen Kabayel zu verteidigen.

Immerhin: Spencer Brown dürfte auch die Akte Kabayel mit nach New York genommen haben. Der Engländer ist nicht nur Furys, sondern auch Kabayels Manager - und soll im Big Apple den WBC-Leuten Dampf machen, wie der "Leberking" bei "DAZN" verriet.

Laut "Bild"-Zeitung steht für Brown aber nicht nur ein WBC-Meeting auf dem Programm. Dem Boulevardblatt zufolge spricht der Manager in New York auch mit Usyks Teamdirektor Sergey Lapin. Zuvor hatte sport.de über erste Hintergrundgespräche zwischen den Lagern der Schwergewichts-Boxer berichtet.

Lapin brachte Kabayel jüngst bei "talkSPORT" als "definitive Option" für Usyk ins Gespräch und sprach von einem "großen europäischen Kampf mit einem großen Business-Potenzial". 

Video: Kabayel bereit für Usyk: "Sagt mir wo, ich komm!"

Das sieht auch Kabayel so, er träumt sogar von einer Boxshow im Fußball-Tempel des BVB. "Ich glaube, damit kann man sogar den größten Kampf dieser Zeit schreiben. Ich glaube, ins Westfalenstadion gehen bei einem Boxkampf 95.000 Leute - warum nicht?", sagte der Mann aus dem Pott bei "DAZN".

Kabayel äußerte sich auch zum Comeback seines Kumpels Tyson Fury. "Das wird interessant, der Gypsy King bringt Spannung ins Boxgeschäft. Immer, wenn er da ist, ist Action", sagte er. Er selbst wolle nicht gegen Fury boxen, hat Kabayel mehrmals beteuert. Von dieser Aussage rückte er nun aber etwas ab: "Ich sehe das sportlich, ich habe kein persönliches Problem. Schauen wir mal, wo die Reise hingeht."

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