Am Freitag (17:45 Uhr) stehen sich Deutschland und Kroatien im ersten Halbfinale der Handball-EM 2026 gegenüber. Für den DHB ist es auch das Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Dagur Sigurdsson. Der Coach der Kroaten führte die deutsche Auswahl unter anderem 2016 zum EM-Titel. Rund zehn Jahre später ist dem Isländer die Freude über den Kontinentalvergleich allerdings so richtig vergangen.
Kroatiens Nationaltrainer Dagur Sigurdsson hat im Vorfeld des Halbfinal-Duells mit der deutschen Auswahl knallhart mit den EM-Organisatoren abgerechnet und dabei eine beispiellose Wutrede aus dem Ärmel geschüttelt. In seinen Ausführungen, die laut "SID" exakt 2:57 Minuten dauerten, zerlegte der 52-Jährige die Europäische Handballföderation (EHF).
"Ich muss zuerst sagen: Ich hatte überhaupt keine Zeit, mich damit (dem Gegner Deutschland) zu beschäftigen, weil wir gerade erst um 14:30 Uhr angekommen sind und ich dann verpflichtend hierherkommen musste. Es dauert einfach, weil wir nicht hier vor Ort sind. Schon seltsam, wie das läuft", eröffnete Sigurdsson. Die Kroaten mussten am Mittwochabend noch ihr letztes Spiel der Hauptrunde gegen Ungarn (27:25) im schwedischen Malmö bestreiten, die Partie gegen den DHB steigt allerdings im dänischen Herning.
"Ich hatte also eine 35-minütige Fahrt, um hierherzukommen. Ich muss diesen Zirkus hier machen und dann 35 Minuten zurückfahren. Wenn ich zurückkomme, wird es so gegen 17 oder 18 Uhr sein. Und ich hatte heute kein Training mit der Mannschaft und keine Besprechung", monierte Sigurdsson, dass die Reiserei ein klarer Nachteil für die Kroaten sei.
Zum Vergleich: Der DHB durfte bislang alle Partien in Herning austragen, was sich auch nicht mehr ändern wird.
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Sigurdsson sieht in den auferlegten Reisestrapazen "die Bestätigung dafür, dass sich die Europäische Handballföderation nicht um die Spieler, nicht um die Teams kümmert. Die sind wie ein Fast-Food-Unternehmen. Die kümmern sich nicht um die Qualität, sie verkaufen nur. Eigentlich sind sie wie eine Eventfirma. Die bestellen ein paar Künstler, machen eine schöne Show, eine nette Pressekonferenz. Es spielt keine Rolle, dass wir heute Morgen vier Stunden von Malmö hierherfahren mussten. Es spielt keine Rolle. Wir waren in einer Gruppe in Malmö. Wir hatten zwei Tage weniger als einige der Mannschaften in diesem Wettbewerb, um sieben Spiele zu bestreiten. Und jeder, der irgendetwas von Sport versteht, weiß, dass zwei Tage weniger Pause in einem Zeitraum von zwölf Tagen mit sieben Spielen verdammt viel sind. Verdammt viel", so der Coach weiter.
"Das ist absolut schockierend"
Und weiter: "Und wir mussten zwei Spiele machen. Spiel Nummer sechs und Spiel Nummer sieben. Die mussten wir innerhalb von 22 Stunden absolvieren. Am nächsten Morgen stecken sie uns wie Tiefkühlhähnchen in einen Bus und fahren uns hierher. Und wir sind nicht einmal annähernd in der Nähe der Trainingshalle."
Markante Worte, die aber durchaus nachvollziehbar sind. Deutschland hatte zum Beispiel immer mindestens einen Ruhetag zwischen seinen Spielen. Angesichts der enormen Belastung dürfte das ein Vorteil sein.
Sigurdsson beendete seine Wutrede, indem er den Slogan der EM zerlegte: "Das ist eine absolute Schande. Und dann hängen sie hier den Slogan hin: 'Pure Greatness'. Wirklich? Ist das 'Pure Greatness'? Das ist absolut schockierend. Also vielen Dank. Ich werde sehr froh sein, wenn ich hier weg kann. Sagen Sie mir einfach Bescheid, wann ich gehen darf."
Sollten die Kroaten am Freitag ähnlich viel Wut im Bauch haben, wie ihr Trainer am Donnerstag, dann muss sich die deutsche Auswahl auf einiges gefasst machen.







