Dass Werder Bremen im Januar 2026 nach zwei knapp verpassten Europacup-Teilnahmen in den Vorsaisons wieder knietief im Abstiegssumpf steckt, hängt nicht nur mit dem ebenso erfolg- wie farblosen Trainer, sondern auch mit dem miserablen Management der Grün-Weißen zusammen, findet unser Redakteur. Eine kommentierende Analyse.
Traditionell sind die Ultras von Werder Bremen nicht dafür bekannt, vorschnell auf Mannschaft, Trainer oder Verantwortliche einzudreschen. Wenn es dann doch einmal zu einer kritischen Meinungsäußerung kommt, sollte man an der Weser umso hellhöriger werden.
"Fritz verleihen" stand auf einem Banner, das im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (3:3) gezeigt wurde - eine ironische Anspielung auf eine peinliche Wissenslücke der sportlichen Führung, was die Anzahl erlaubter Leihen betrifft.
Doch das ist längst kalter Kaffee, viel schriller klingen die Pfiffe der Fans nach dem blutleeren 0:2 im Nachholspiel gegen die TSG Hoffenheim am Dienstagabend in den Ohren.

Aktuell wird eine Petition im Netz geteilt, die alle stimmberechtigten Vereinsmitglieder auffordert, eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu initiieren, um Fritz' Wirken zu beurteilen. 7.000 Stimmen werden benötigt, knapp 2.000 sind bereits hinterlegt.
Und warum das Ganze? Kurz und knapp: Weil Werder Bremen unter seiner derzeitigen Führung ungebremst Richtung Abstieg taumelt und viele Probleme der Hanseaten hausgemacht sind.
Missverständnis Boniface, Missverständnis Steffen?
In Fritz' Aufgabenbereich fallen vor allem personelle Entscheidungen - und mit denen lag der Bremer Ex-Kapitän in den vergangenen Monaten erschreckend oft völlig daneben.
Trainer Horst Steffen als Nachfolger des nicht ohne Störgeräusche gegangenen Erfolgscoaches Ole Werner zu installieren, droht als großes Missverständnis in die Klubgeschichte einzugehen. Zu konfus sind seine Aufstellungen, zu uninspiriert die taktische Marschroute, die größtenteils auf langen Bällen auf Justin Njinmah beruht, zu auffällig die Unruhe innerhalb des Teams (Stichwort Leonardo Bittencourt).
Ebenso verzettelte sich Fritz mit seiner Transferpolitik, butterte die zweithöchste Ablöse der Werder-Historie in einen einzigen Spieler (Samuel Mbangula), der selbst in der andauernden Verletzungsmisere allenfalls von der Bank kommt - nur um dann kein Geld mehr für weitere Festverpflichtungen übrig zu haben. Die Folge: Die Bremer liehen sieben (!) Profis aus, von denen bislang kein Einziger zum unverzichtbaren Leistungsträger wurde - selbst der gesetzte Yukinari Sugawara nicht.
Tiefpunkt war sicher der Komplett-Flop mit Angreifer Victor Boniface, der unfit als Ersatz für Top-Scorer Marvin Ducksch auf den letzten Drücker aus Leverkusen geliehen wurde, aber nie einen Fuß auf den Boden bekam und nun wegen einer OP bis zum Saisonende ausfällt.
13 Millionen Euro fast ohne Ertrag
Erweitert man den Blick auf die Vorjahre, in denen es sportlich besser lief, fällt auf, dass auch da schon bemerkenswert viele für Werder-Verhältnisse teure Transfers nicht funktioniert haben.
Für Skelly Alvero (5 Millionen Euro), Keke Topp (2 Mio.), Julian Malatini (2 Mio.) und Olivier Deman (4 Mio.) gab der SVW zusammen rund 13 Millionen Euro aus, bekam sportlich aber kaum etwas zurück. Und das in Bremen, wo stets jeder Cent sorgsam umgedreht werden muss. Ein Teil der Deals ging freilich noch auf das Konto von Fritz' Vorgänger Frank Baumann.
In der Gegenwart ergibt sich so ein unausgewogener, heterogener Kader, der für die Anforderungen des Abstiegskampfes nicht gemacht zu sein scheint.
Und jetzt?
Am Samstag soll Horst Steffen nach den jüngsten Treueschwüren von Fritz und Co. im Krisenduell mit Borussia Mönchengladbach eine weitere Chance bekommen, das Ruder herumzureißen - wahrscheinlich seine letzte.
Unbegründet wäre es nicht, sollte im Zuge einer möglichen Trennung vom Übungsleiter auch die Stelle des Geschäftsführers Profifußball neu besetzt werden. Clemens Fritz gehen die Argumente aus.































