Kaum haben die ersten Testfahrten begonnen, geht in der Formel 1 schon das handelsübliche Hauen und Stechen los, wer sich wo einen (womöglich unerlaubten) Vorteil verschafft haben könnte. Einem Bericht zufolge hat Red Bull die Konkurrenz in Barcelona mit einem Aero-Konzept gar auf dem falschen Fuß erwischt.
Das Fachmagazin "Speedweek" berichtet, dass die Konkurrenz beim Blick auf Red Bulls Seitenkästen "baff" sei. Der Red Bull, der in Barcelona auf dem Circuit de Catalunya unterwegs ist, unterscheidet sich demnach deutlich von den Entwürfen, die der Rennstall zuvor präsentiert hatte.
Am RB 22 von Max Verstappen und Isack Hadjar "ist das Volumen der Seitenkästen markant verringert worden, vor allem zum Heck hin, wenn mit der klassischen Colaflaschen-Form versucht wird, möglichst viel Abtrieb zu erzeugen", analysiert "Speedweek".
Red Bull sei es gelungen, "Kühler und Wärmetauscher so clever anzuordnen, dass die Aerodynamiker mehr Spielraum erhalten".
Ein Kniff, den die Konkurrenz so nicht auf dem Schirm hat? Die Berichte und Analysen zu den ersten Testfahrten des Jahres sind mit Vorsicht zu genießen, da die Proberunden weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die ersten offiziellen und öffentlichen Tests gehen erst im Februar in Bahrain über die Bühne.
Red Bull scheint in Barcelona jedenfalls einen ordentlichen Start erwischt zu haben. Isack Hadjar fuhr am ersten Tag die schnellste Zeit auf dem Kurs, auf dem im Juni der Grand Prix von Katalonien ausgefahren wird. Vor allem aber riss der Franzose mit dem neuen Red-Bull/Ford-Motor aus der hauseigenen Produktion in Milton Keynes beeindruckende 107 Runden ab.
Formel 1: Riesenvorteil für Red Bull (und Mercedes)?
Überhaupt könnten Red Bull und Mercedes in Sachen Motor einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz von Ferrari, Honda und Audi haben. Die Teams, die nicht mit einem Mercedes- oder Red Bull/Ford-Aggregat ausgestattet sind, hatten sich über das aktuelle Messverfahren für das Verdichtungsverhältnis in den Zylindern beschwert.
Dieses sieht vor, dass das Verdichtungsverhältnis bei Umgebungstemperatur gemessen wird. Mercedes und Red Bull haben allerdings einen Trick gefunden, durch den sich das Verhältnis bei Betriebstemperatur - also wenn der Wagen auf der Strecke ist - erhöht. Während der Messung wären sie so innerhalb der Grenzen geblieben, danach nicht mehr.
Im Fahrerlager wird schon über einen Vorteil von Mercedes und Red Bull spekuliert, den die Konkurrenz im Saisonverlauf nicht aufholen könne. Zumal die FIA laut "Speedweek" Ferrari, Honda und Audi klargemacht haben, dass es hier zunächst keine Änderung geben wird.


