Der Schweizer Ski-Held Marco Odermatt ist wieder am ersehnten Abfahrtssieg auf der Streif vorbeigerast - und diesmal war es so knapp wie nie. Ein junger Deutscher überzeugt.
Das Rennen schien gelaufen. Der aufgewühlte Italiener Giovanni Franzoni feierte bereits mit Tränen der Freude in den Augen seinen Triumph bei der Abfahrt in Kitzbühel, der um 0,07 Sekunden zu langsame Schweizer Marco Odermatt trauerte dem so sehr ersehnten Sieg hinterher - da stockte allen noch ein letztes Mal der Atem: Der junge Deutsche Luis Vogt raste mit einer Zwischenbestzeit nach der anderen über die Streif zu Tal, erst auf dem Schlussabschnitt ließ er nach - und belegte dennoch noch Rang acht. Ein Paukenschlag.
"Ich habe versucht zu fighten bis ins Ziel", sagte der 23 Jahre alte und zwei Meter lange Vogt, der erst mit Startnummer 40 ins Rennen gegangen war. "Unten wäre sicherlich noch ein bisschen was besser zu machen gewesen. Aber ich muss mir noch Reserve lassen für nächstes Jahr", ergänzte der Garmischer, der seine Füße mit der Größe 50 in Skischuhe der Größe 47 pressen muss, mit einem verlegenen Lächeln. 0,56 Sekunden fehlten ihm am Ende zu einem Platz auf dem Podest.
Mit der besten Platzierung seiner Karriere bringt Vogt nun den Deutschen Skiverband (DSV) und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Verlegenheit: Als Achter hat er die Norm für Olympia in zwei Wochen erfüllt, allerdings ist die Nominierung schon seit Dienstag abgeschlossen.
Die deutschen Männer haben auch nur fünf Startplätze für die Rennen in Bormio, bislang sind alle belegt: Unter anderem mit dem angeschlagenen Alexander Schmid und Anton Grammel, der die DOSB-Norm nur zur Häfte erfüllt hat.
Ski Alpin: Vogt erhebt keine Olympia-Ansprüche
Vogt blieb bescheiden, er erhob trotz seiner großartigen Leistung keine Ansprüche auf einen Platz für Olympia. "Alle, die nominiert sind, stehen da auch berechtigt", betonte er, "ich habe schon vor Kitzbühel akzeptiert, dass Olympia einfach für mich kein Thema ist. Ich habe versucht, locker Ski zu fahren und das hat funktioniert." Und wenns doch noch mit Olympia klappt? "Ja, dann wäre es mega, aber das liegt nicht in meinen Händen."
Während Vogt seine Emotionen so gut es eben ging unter Kontrolle hielt, brachen sie beim Ersten und Zweiten ungebremst heraus. "Es ist verrückt, ich zittere am ganzen Körper", sagte Franzoni, dem nach Bestzeit in beiden Traingsläufen mit Startnummer zwei ein Traumlauf gelungen war. Er habe die "Energie" der 45.000 Zuschauer gefühlt, nun, ergänzte er eine Woche nach seinem Sieg im Super-G von Wengen, "fahre ich mit großem Selbstbewusstsein zu Olympia."
Der völlig frustrierte Odermatt, der seinerseits 0,32 Sekunden vor dem Überraschungsdritten Maxence Muzaton aus Frankreich lag, hielt sich ebenfalls nicht zurück. "Heute gab es nur eins, das war der Sieg. Das wusste ich, das wusste jeder", sagte der Weltcup-Dominator, der am Vortag den Super-G gewonnen auf der Streif gewonnen hatte - aber nun ein weiteres Jahr auf den Sieg bei der Abfahrt warten muss. "Wenn man so nah dran ist und dann geht es nicht auf, das ist nicht schön".