Dominator Marco Odermatt gewinnt das erste Rennen in Kitzbühel, die Deutschen sind so schlecht wie seit mehr als zwölf Jahren nicht.
Marco Odermatt schwang ab, blickte rasch auf die Anzeigetafel und schüttelte dann die rechte Hand als wolle er sagen: "Puh, das ist gerade noch mal gut gegangen." Gerade mal 0,03 Sekunden trennten den Schweizer beim Super-G zum Auftakt der Weltcup-Rennen in Kitzbühel von seinem Teamkollegen Franjo von Allmen, und während der Sieger fast ein wenig verlegen lächelte, ging ihm der zunächst leicht frustrierte Zweitplatzierte spaßeshalber an die Gurgel.
Odermatt wiederholte beim "Aufwärmprogramm" auf der Streif seinen Super-G-Sieg vom Vorjahr, die deutsche Mannschaft erlebte ein Debakel: Bester des DSV-Quartetts war der noch unerfahrene Luis Vogt auf Rang 44, er lag 1,80 Sekunden hinter Odermatt.
Nur Rang 44 - schlechter war der beste Deutsche in einem Weltcup-Super-G zuletzt am 7. Dezember 2013. Damals hatte Andreas Sander, im Februar 2021 sensationell WM-Zweiter in der Abfahrt, nur Rang 49 belegt.
DSV-Trio scheidet aus
Vogt kam beim letzten Super-G vor den Olympischen Spielen immerhin ins Ziel - ganz im Gegensatz zu den drei Kollegen. Simon Jocher, Romed Baumann und Anton Grammel schieden aus.
Jocher, der sich im Dezember mit einem fünften Rang in Livigno für die Winterspiele qualifiziert hatte, vermied dabei nach rund 25 Fahrsekunden hinter dem Sprung an der Seidlalm nur knapp einen Sturz. "Ich ärgere mich extrem und muss schauen, dass ich es schnell abhake und morgen alles gebe", sagte er.
Morgen hieß in diesem Fall: Die Abfahrt auf der Streif am Samstag (11.30/ARD und Eurosport) - ein Rennen, das Odermatt noch nicht gewonnen hat. In diesem Winter war er freilich schon achtmal Erster und jetzt zum insgesamt 17. Mal in einem Super-G. Mehr Siege in dieser Disziplin hat lediglich Österreichs "Herminator" Hermann Maier vorzuweisen (24). Dessen Landsmann Stefan Babinsky belegte zum Auftakt der 86. Hahnenkamm-Rennen Rang drei (+0,25 Sekunden).
Die wohl spektakulärste Szene des spektakulären und engen Rennens, bei dem zwischen Platz eins und Platz 25 nur 0,99 Sekunden lagen, lieferte Adrian Smiseth Sejersted. Dem Norweger verschnitt es kurz vor dem Seidlalm-Sprung die Ski, einen kapitalen Sturz konnte er mit einer akrobatischen Einlage vermeiden. "Ich dachte", sagte er, "es wird ein sicherer Crash." Wurde es nicht, Sejersted wurde Fünfter.