Franziska Preuß steht in diesem Biathlon-Winter noch ohne Podestplatz da - und das als amtierende Gesamtweltcupsiegerin. Beim Deutschen Ski-Verband ist die Hoffnung aber weiterhin sehr groß, dass die Oberbayerin pünktlich zu den Olympischen Winterspielen in zwei Wochen rechtzeitig in Topform kommt.
Wenn es nach Felix Bitterling geht, ist mit der 31-Jährigen bei Olympia in Norditalien unbedingt zu rechnen. Der Sportdirektor Biathlon beim DSV bezeichnete Preuß trotz der bislang ernüchternden Resultate als den "größten Trumpf" für die Wettbewerbe vom 6. bis 22. Februar.
Eine konkrete Medaillenvorgabe für die deutsche Biathlon-Mannschaft vermeidet Bitterling ganz bewusst. Zu unberechenbar sei die Lage im Frauenfeld, zu eng die Leistungsdichte an der Weltspitze.
Es gebe bei den Frauen in diesem Jahr "eine extreme Leistungsdichte. Ohne Risiko wirst du nichts gewinnen", sagte der 48-Jährige im Interview mit den Zeitungen der "Ippen"-Gruppe. Gerade diese Ausgeglichenheit könne aber auch Chancen eröffnen, sowohl für Franziska Preuß als auch für ihre jüngeren Kolleginnen.
Denn hinter Preuß drängen junge Athletinnen nach. Namen wie Julia Tannheimer oder Selina Grotian stehen für die nächste Generation im deutschen Biathlon. Bitterling traut ihnen schon für Olympia im Februar viel zu: Sie könnten "bei tadellosem Schießen auch mal schnell in Podiumsnähe gelangen". Der DSV setzt damit auf eine Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit.
Auch bei den Männern sieht der Sportdirektor Potenzial. "Ich würde sagen, dass auch bei den Männern nicht unbedingt weniger drin ist als bei den Frauen", so Bitterling.
Bitterling hört nach der Saison beim DSV auf
Allerdings sei der Weg bis zu den Rennen in Antholz, wo die olympischen Biathlon-Wettbewerbe ausgetragen werden, noch weit. Zwar habe man "bei Frauen und Männern durchaus Anschluss an die Spitze gefunden", aber die Zufriedenheit hält sich ob der weitestgehend ausgebliebenen Top-Platzierungen in diesem Winter noch arg in Grenzen.
"Wir sind natürlich nicht zu 100 Prozent glücklich mit der Situation. Es ist bisher noch nicht richtig gelaufen, es fühlt sich etwas schwer an, ein Flow hat sich bisher noch nicht eingestellt."
Für den Sportdirektor selbst endet nach dieser Saison ein Kapitel. Er wechselt zurück zum Biathlon-Weltverband IBU und übernimmt dort die Leitung der neu geschaffenen Marketingabteilung.
