Der FC Schalke 04 landet einen Transfer-Coup: Stürmer-Star Edin Dzeko hat bei den Königsblauen unterschrieben, soll die Schalker in die Bundesliga schießen. Doch ergibt der Deal überhaupt Sinn? In der sport.de-Redaktion herrschen unterschiedliche Meinungen.
Gerrit Kleiböhmer: Dzeko wie einst Rául
Da dürfte niemand widersprechen: Dem FC Schalke 04 gelingt mit der Verpflichtung von Edin Dzeko der größte Transfer-Coup seit der Ankunft von Real-Madrid-Legende Raúl. Ich bin überzeugt: Wie einst der Spanier wird auch Dzeko den Revierklub im Sturm erobern.
Ja, der Bosnier feiert Mitte März seinen 40. Geburtstag. Und ja, seine Station bei der AC Florenz ist mit zwei Toren in 18 Partien sicher nicht die erfolgreichste. Wer deshalb jetzt schon von einem Transfer-Fehler spricht, liegt meiner Meinung aber daneben.
Zum einen: Dass Dzeko bei der Fiorentina nicht an einstige Quoten (371 Tore und 153 Vorlagen in 856 Pflichtspielen!) herankam, liegt auch daran, dass die Mannschaft insgesamt als aktueller Tabellen-17. in dieser Saison auf ganzer Linie enttäuscht. Der erst im Sommer verpflichtete Coach Stefano Pioli musste im November bereits seinen Hut nehmen. Zum anderen: Die Konkurrenz im Sturm mit den Nationalspielern Moise Kean und Roberto Piccoli aus Italien sowie Albert Gudmundsson aus Island ist recht hoch.
Auf Schalke soll Edin Dzeko derweil auch als Führungsspieler vorangehen und mit seiner Erfahrung seinen Teil zum Aufstieg beitragen. Kein Zweifel, dass er auch kurzfristig auf und neben dem Platz Einfluss nehmen wird. Man muss nur beim VfL Wolfsburg (Meister in der Saison 2008/09 und Fußballer des Jahres 2009 und 2010), Manchester City (Pokalsieger und zweifacher Meister), AS Rom (Torschützenkönig in der Serie A), Inter Mailand (zweifacher Pokalsieger) oder Fenerbahce (64 Torbeteiligungen in 99 Spielen) nachfragen.
Wer immer noch nicht überzeugt ist, sollte sich den Hype auf Schalke anschauen, der längst Fahrt aufgenommen hat. Selbst für den Fall, dass Dzeko sportlich keinen Mehrwert bietet: Das Trikot mit der Nummer zehn wird ein Verkaufsschlager. So wie einst das Dress mit der Nummer sieben von Rául.
Jannik Kube: Bei Dzeko ist Skepsis geboten
Keine Frage, mit der Verpflichtung von Edin Dzeko bringt der FC Schalke 04 einen klangvollen Namen in die 2. Bundesliga sowie reichlich Erfahrung in seine eigene Kabine.
Dennoch ist mit Blick auf die Personalie Skepsis geboten. Denn: Bei all seinen großen Erfolgen hat der 39-Jährige in dieser Saison bislang nicht seine alte Topform angeknüpft. Lediglich zwei Tore in 722 Pflichtspielminuten sind keine zufriedenstellende Ausbeute für einen Mittelstürmer - Fiorentina-Krise hin oder her.
Sein letztes Erfolgserlebnis datiert vom vergangenen Oktober, als Dzeko beim 3:0 in der Conference League gegen SK Rapid netzte. Zudem liegt der letzte Pflichtspieleinsatz des Bosniers bereits über einen Monat zurück. Anschließend musste der Routinier in der Serie A entweder auf der Bank Platz nehmen oder fehlte angeschlagen.
Dzeko wird auf Schalke Anlaufzeit benötigen. Doch wie viel Zeit können die Königsblauen dem Rechtsfuß im spannenden Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga geben, um wieder in Rhythmus zu kommen? Trainer Miron Muslic muss in den kommenden Wochen seine Moderationskünste unter Beweis stellen.
Zudem muss sich Dzeko zunächst an die physische und defensivorientierte Schalker Spielweise anpassen. Kein Zweitligist hat weniger Ballbesitz als der Tabellenführer (43 Prozent). Zudem hat Königsblau im bisherigen Saisonverlauf die drittwenigsten Torschüsse abgegeben (216) - nur drei mehr als (Statistik)-Schlusslicht Fürth (213).
Dass Dzeko in der 2. Bundesliga wie am Fließband trifft, halte ich deshalb für unwahrscheinlich.






























