Rund um die Handball-EM hat die Kritik an Bundestrainer Alfred Gislason stark zugenommen. Ex-Nationalspieler Tobias Reichmann verteidige den Isländer nun.
"Da wäre als meistdiskutierte Aktion Alfreds Auszeit-Buzzer genau in Juri Knorrs Torwurf rein, der uns einen Treffer und womöglich ein besseres Ergebnis gegen Serbien gekostet hat. Das wurde natürlich medial maximal aufgebauscht", schrieb Reichmann in seiner "handball-world"-Kolumne.
Der Rechtsaußen, der sich im Dezember dem Los Angeles Handball Club anschloss, sieht allerdings kein grobes Fehlverhalten von Gislason: "Das war einfach unglücklich. Geht Juris Wurf an den Pfosten, hat Alfred alles richtig gemacht. So Situationen passieren nun mal im Hochgeschwindigkeitssport Handball."
Gislason wurde außerdem - gerade bei der Niederlage gegen Serbien - für seine Wechsel kritisiert. "Manchmal muss man seine Startformation auch weitgehend durchspielen lassen, um Spielern die Gelegenheit zu geben, sich in schwierigen Phasen durchzubeißen und Selbstvertrauen zu tanken", stellte Reichmann klar.
Der 37-Jährige ergänzte: "Alfred bereitet sich auf jedes Spiel und auf jeden Gegner zu hundert Prozent akribisch vor, er ist maximal detailverliebt - das weiß ich aus eigener Erfahrung und deswegen sind auch seine Aufstellungen in den allermeisten Fällen gut durchdacht."
Zurückhaltung bei Auszeiten "ganz bewusst"
Auch die Auszeiten, in denen Gislason meistens nicht sehr viele Anweisungen gibt, sind Kritikern ein Dorn im Auge.
Laut Reichmann steckt hinter der Zurückhaltung des Bundestrainers aber ein klarer Plan: "Glaubt denn ernsthaft jemand, ein so erfahrener Trainer wie er würde die 60 Sekunden einfach mehr oder weniger inhaltslos verstreichen lassen und die Auszeiten mit einer Art Laissez-faire-Mentalität wegschenken? Nein, natürlich nicht. Er nimmt sich mittlerweile ganz bewusst zurück in den Timeouts."
Gislason fordere stattdessen Input von seinen Führungsspielern - und das "sicher nicht aus Planlosigkeit oder fehlender klarer Linie".
Mehr dazu:
"Dieses unter ihm - zumindest in der Ausprägung - relativ neue Mitbestimmungsrecht der Spieler ist Teil seines Plans und seiner sich über die Jahre auch weiterentwickelten Überzeugung", erklärte Reichmann.







