Eva Lys? In drei Sätzen ausgeschieden! Ella Seidel? Sang- und klanglos vom Court gefegt! Tatjana Maria? Als Favoritin in zwei Durchgängen verloren! Die Bilanz der deutschen Tennis-Frauen bei den Australian Open liest sich nicht gerade vielversprechend. Ein totales Debakel verhinderte am Dienstag Laura Siegemund, die einmal mehr unter Beweis stellte, dass sie auch mit 37 Jahren noch eine der größten Kämpferinnen des Sports ist.
Laura Siegemund steht nach einem unfassbaren Comeback gegen die an Position 18 gesetzte Russin Ljudmila Samsonova in der 2. Runde der Australian Open 2026.
Die Schwäbin lag nach einem desaströsen Start bereits 0:6, 2:5 und 15:30 zurück - dann platzte der Knoten. Samsonova, als starke Aufschlägerin bekannt, servierte zum Matchgewinn, mit dem Wissen, dass sie aber auch gar nichts mehr verlieren kann, drehte Siegemund dann plötzlich auf und gewann fünf Spiele in Serie. Beim Stand von 4:5 und eigenem Aufschlag wehrte die Deutsche sogar zwei Matchbälle ab.
Im dritten Satz erwischte Samsonova erneut den besseren Start und schnappte sich sofort ein Break, Siegemund ließ sich aber erneut nicht entmutigen, raubte ihrer Gegnerin immer wieder mit fiesen Slicebällen auf die Vorhandseite die Nerven und entschied das Match letztlich bei Aufschlag Samsonova mit ihrem ersten Matchball nach mehr als 2:30 Stunden für sich.
Siegemund hat "eigentlich schon selbst nicht mehr dran geglaubt"
"Ich habe einfach trotz miserabler Bedingungen nicht aufgegeben und mich dann reingefightet", erklärte eine sichtlich erschöpfte und euphorisierte Siegemeund nach dem Sieg am "Eurosport"-Mikrofon. "Ich hatte mit allem Probleme, womit man Probleme haben kann, und sie hat einfach gut gespielt und anders gespielt, als ich es von ihr kenne und mich fast an die Wand genagelt. Dann habe ich die alte Leier versucht: Einfach Punkt für Punkt spielen, habe aber eigentlich schon selbst nicht mehr dran geglaubt", so Siegemund weiter.
Das Publikum in Australien befeuerte das Comeback zusätzlich, indem es Siegemund unerlässlich anfeuerte. "Wenn du als Comebacker gehypt wirst, ist das auch eklig für die Gegnerin", betonte Siegemeund. Und tatsächlich: Samsonova, die dafür bekannt ist, extrem besonnen zu agieren, konnte ihren Frust im dritten Satz nicht mehr verstecken, haderte offen und war selbst bei Punktgewinnen genervt.
Siegemund, die dreimal die dritte Runde Down Under erreicht hat und nun auf Maddison Inglis oder Kimberly Birrell (beide Australien) trifft, erwies sich damit einmal mehr als Schreck für höher eingeschätzte Gegnerinnen. Im vergangenen Jahr hatte die Weltranglisten-48. mit ihrem Lauf ins Wimbledon-Viertelfinale für Furore gesorgt, nun will sie auch auf dem blauen Hartplatz im Melbourne Park möglichst weit kommen.





