Das Zweitliga-Duell zwischen Hertha BSC und Schalke 04 wird von massiven Auseinandersetzungen überschattet. Polizei und Fans beschuldigen sich gegenseitig - es bleiben viele Fragen.
Erst präsentierten die Hertha-Fans noch ihre Choreografie, dann verließen sie geschlossen die Ostkurve. Zurück blieben die blauen Pappen, aus denen sich auf den Sitzen des Berliner Olympiastadions eine bissige Botschaft an die Polizei formte. Der Grund dafür? Dem Zweitliga-Prestigeduell zwischen Hertha BSC und Schalke 04 (0:0) waren massive Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Fans vorausgegangen. Zurück blieben offenbar mindestens 50 Verletzte - und viele offene Fragen.
Während die Polizei "von gewalttätigen Angriffen einzelner Fangruppen auf unsere Einsatzkräfte" berichtete, beklagte die Fanhilfe Hertha BSC eine "massive Polizeigewalt gegen wartende Fans". Die aktiven Fanszenen beider Vereine reagierten während der Partie mit einem Stimmungsboykott auf die aus ihrer Sicht unverhältnismäßigen Maßnahmen der Polizei.
Phasenweise waren von den Rängen abwertende Sprechchöre gegen Polizeibeamte zu hören, ansonsten lag über dem mit mehr als 70.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion eine befremdliche Stille.
Über 50 verletzte Personen gemeldet
Der genaue Hergang ist nicht abschließend geklärt. Verletzt wurden nach Polizeiangaben vom späten Samstagabend 31 Fans und 21 Einsatzkräfte. Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich bestätigte, dass es "beim Einlass an der Ostkurve zu Gewalt auf beiden Seiten" kam.
Der Klub nehme "die Vorkommnisse und das Verhalten der Polizei" beim Heimspiel "mit großer Sorge zur Kenntnis", hieß es in einer Stellungnahme des Präsidiums und der Geschäftsführung am Sonntag. "Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit, den Dialog nun auf eine neue, verbindlichere Ebene zu heben."
Polizisten sollen am Eingang zur Ostkurve beleidigt und von "vermummten" Fans "mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein", schrieb die Polizei. "Zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauender" sei Pfefferspray "gegen größere Gewalttätergruppen" eingesetzt worden.
Die Fanhilfe der Berliner warf der Polizei dagegen vor, sich nicht an Absprachen mit dem Verein gehalten und anwesende Fans "provoziert" zu haben. "Gegen die im Vorbereich wartenden Fans wurde anlasslos massive Gewalt ausgeübt, samt großflächigem Einsatz von Pfefferspray", hieß es.
Vorwürfe an Berliner Innensenatorin
Generell sei zuletzt "aus unterschiedlichen Perspektiven wiederholt der Eindruck entstanden, dass Einsatzkonzepte und polizeiliche Präsenz von Fans als zunehmend konfrontativ und in der Gesamtheit an Spieltagen, insbesondere am gestrigen Spieltag, nicht mehr durchgängig deeskalierend wahrgenommen worden sind", schrieben die Berliner: "Diese Wahrnehmung teilt auch Hertha BSC und hat entsprechende Beobachtungen wiederholt gegenüber der Polizei adressiert."
Auch Berlins Innensenatorin Iris Spranger, mit der der Klub laut Görlich Gespräche vereinbart hat, war im Stadion. Sie sei "direkt verantwortlich für jede verletzte Person am heutigen Abend", kritisierte die Fanhilfe: "Wie auch schon in der Debatte rund um die IMK im vergangenen September setzt Innensenatorin Spranger nicht auf Dialog, sondern einzig und allein auf Eskalation."



























