Die deutschen Biathletinnen und Biathleten laufen am Podest vorbei. Während Franziska Preuß hadert, jubelt aber Selina Grotian.
Franziska Preuß blieb im eigenen "Wohnzimmer" erneut nur die Rolle der Gratulantin, nach kurzem Abklatschen mit der Siegerin Lou Jeanmonnot schlich die beste deutsche Biathletin sichtlich enttäuscht aus dem Zielraum.
Das Warten auf den ersten Podestplatz des Winters geht weiter, nach einem Fehler beim letzten Schuss reichte es lediglich zu Rang sieben. Selina Grotian weinte dagegen nach Erfüllung der Olympia-Norm Tränen puren Glücks, ließ sich von den mehr als 20.000 Fans in der Chiemgau Arena feiern.
Das Fazit des Heim-Weltcups in Ruhpolding falle "schon eher gemischt aus", haderte Preuß - und sprach dabei quasi stellvertretend für das gesamte deutsche Team: "Es gibt einfach noch Baustellen, die man in den Griff kriegen muss." Bei ihr müsse derzeit alles "100 Prozent passen" fürs Podium. In der Verfolgung fehlten letztlich nach zehn Kilometern 24,5 Sekunden zum Treppchen, fünf Ergebnisse in Serie unter den Top Ten sind für die eigenen Ansprüche zu wenig.
Klar ist nun: Richtung Olympia sind weder Preuß noch die deutschen Männer in der Favoritenrolle. Der Kampf um die begehrten Medaillen werde "definitiv hart", sagte Philipp Nawrath: "Da muss uns schon ein richtiger Sensationstag gelingen, dass wir vorne mitspielen." Mehr Optimismus versprühte da schon Felix Bitterling. "Wir sind da, sind wirklich nicht weit weg. Das Podium ist absolut in Sichtweite", betonte der DSV-Sportdirektor.
Zwei Einzel-Podeste bei den Männern, dazu für jedes Geschlecht ein Rang auf dem Treppchen in der Staffel - so lautet bislang die eher magere Saisonbilanz. "Wenn die Tür aufgeht, müssen wir durchgehen. Sie geht relativ regelmäßig auf", sagte Bitterling: "Aber wir müssen uns belohnen für die Arbeit." Klar sei, dass es das Team bei Olympia "selber lösen" müsse. "Uns wird keiner die Medaille schenken. Aber ich bin da nach wie vor optimistisch."
Im Sprint der Männer am Samstag sorgte der fehlerfreie David Zobel beim Sieg des Schweden Sebastian Samuelsson für den deutschen Lichtblick. Mit Rang neun erfüllte er die zweite Hälfte der Olympia-Norm und schaffte wie zuvor Nawrath, Justus Strelow und Philipp Horn die Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Am Montag geht es für die Olympia-Starter zur Einkleidung nach München, ehe am Dienstag die offizielle Nominierung folgt.
Grotian fallen "100 Millionen Steine" vom Herzen
Für die Rolle als fünfter Mann konnte sich trotz verpasster Norm in Ruhpolding am ehesten noch Lucas Fratzscher im Dreikampf mit Danilo Riethmüller und Johannes Kühn empfehlen. Bei den Frauen schaffte die im Dezember lange wegen Corona ausgefallene Grotian am Sonntag auf den letzten Drücker mit Position 13 die zweite Teil-Norm - und dürfte somit das olympische Sextett komplettieren. Ihr fielen "100 Millionen Steine" vom Herzen, sagte das Toptalent.
Ein Großteil der Olympia-Starter lässt den Weltcup in Nove Mesto (22. bis 25. Januar) aus und wird zur Vorbereitung ab dem 26. Januar ins Höhentrainingslager in Obertilliach reisen. Preuß kommt dorthin nach, denn sie lässt sich die Wettkämpfe in Tschechien nicht entgehen. "Ich bin ein Fan davon, im Rhythmus zu bleiben", so die Bayerin. Sie wolle sich über Einzel, Massenstart und Mixed in Nove Mesto "die Form holen".