Die Denver Broncos starten ausgeruht in die NFL Playoffs. Als Top-Seed der AFC hatten sie nicht nur die Bye Week, sie zählen automatisch auch zum engsten Favoritenkreis für den Super Bowl. Etwas, dass es seit 2015 nicht mehr gegeben hat.
Damals gewannen die Broncos tatsächlich das große Spiel. Die Carolina Panthers bissen sich im Super Bowl die Zähne aus an der bockstarken Defense der Broncos. NFL-Ikone Peyton Manning musste mit seiner Offensive gar nicht mehr viel machen, um seine Karriere mit einer Lombardi Trophy zu beenden.
Auch in diesem Jahr ist das Herzstück der Broncos die überragende Defense, die tatsächlich jede Menge Parallelen zur Titel-Mannschaft 2015 aufweist.
Miller und Co. liefern ab
Blickt man zum Beispiel auf den Aufbau und den taktischen Ansatz der beiden Defenses, erkennt man jede Menge Ähnlichkeiten. 2015 ließ Defensive Coordinator Wade Phillips seine Defense grundsätzlich in einer 3-4-Defense spielen, also mit drei Defensive Tackles, zwei Inside Linebackers und zwei Outside Linebackers.
Zudem setzte Philips häufig auf Man Coverage, was das Spiel gegen den Lauf vereinfachte. Durch Man Coverage nahmen die Broncos ihren Gegnern die Möglichkeit, sie mit Motion zu verwirren und schafften es in der Regel Überzahl in der Box zu schaffen. Sie ließen nur 3,3 Yards pro Run zu (Platz 4 in der NFL).

Der Gegner war dementsprechend immer wieder gezwungen, auf das Passing Game zu setzen. Ein gefundenes Fressen für die Broncos, die somit ihren aggressiven Pass Rush aufsetzen konnten.
Allen voran Von Miller in seiner Prime machte den Gegnern das Leben zur Hölle, doch mit DeMarcus Ware, Derek Wolfe und Malick Jackson gingen auch weitere starke Spieler auf Quarterback-Jagd.
Entscheidend war aber nicht nur die Front, denn natürlich funktioniert das ganze System nur, wenn es in der Secondary verlässliche Spieler gibt. Diese hatten die Broncos aber auch. Cornerback Aqib Talib spielte eine überragende Saison und auch Safety T.J. Ward überzeugte seinerzeit.
Die Defense ließ über die Saison nur 5,1 Net Yards pro Pass zu, der niedrigste Wert in der Liga.

Selber Kern - Mehr Flexibilität
In der aktuellen Saison sind die Namen natürlich andere, der Kern der Defense ist aber sehr ähnlich. Defensive Coordinator ist mittlerweile Vance Joseph, der jedoch einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt. Auch er lässt seine Defense im 3-4 spielen und setzt häufig auf Man Coverage (rund 40 Prozent der gegnerischen Dropbacks). Allerdings ist Joseph hier weniger starr als Wade Phillips und lässt immer wieder auch Hybrid-Formationen aus Man und Zone Coverage spielen.
Auch er hat auf allen notwendigen Positionen überragende Akteure zur Verfügung. Die Secondary ist dabei noch besser aufgestellt. Er hat mit Pat Surtain einen der besten Shutdown-Cornerbacks der letzten Jahre und mit Brandon Jones und vor allem Talanoa Hufanga ein überragendes Safety-Duo zur Verfügung.
Im Pass Rush fehlt zwar ein Von Miller in seiner Prime, doch allen voran Nik Bonitto und Jonathan Cooper müssen sich mit ihren Leistungen nicht verstecken. Ebenso wenig das Linebacker-Duo Dre Greenlaw und Alex Singleton. Zwei Tackle-Maschinen, die nach der Genesung von Greenlaw passend zu den Playoffs beide wieder gemeinsam spielen können.
Dieses Personal, gepaart mit der Ausrichtung, die 2015 schon von Erfolg gekrönt war und es auch aktuell wieder ist, lehrte die NFL das Fürchten. Sie ließen nur 18,3 Punkte im Schnitt zu (Rang 3 der NFL), die wenigsten Yards pro Play (4,3) und machten den Gegnern das Leben vor allem in kritischen Momenten schwer.
Nur bei 28 Prozent aller gegnerischen 3rd Downs musste man ein First Down schlucken (ligaweit Spitze) und nur bei 37 Proznt der Red-Zone-Besuche kassierte man einen Touchdown (ebenfalls Rang 1). Zudem schaffte man 68 Sacks und damit elf mehr als die zweitplatzierten Atlanta Falcons.
Broncos-Defense rettet Mannings Karriereende
Klar ist aber auch. Es brauchte für die Denver Broncos 2015 auch eine solche Defense, denn die Offensive stockte gewaltig. Quarterback-Ikone Peyton Manning beendete nicht grundlos nach der Saison seine Karriere.
Diese Entscheidung war nur aus einem Grund zum richtigen Zeitpunkt gewählt: Weil die Broncos nochmal einen Super Bowl gewannen. Andernfalls hätte man feststellen müssen, dass Manning der Absprung ein Jahr zu spät gelungen war.
Manning stand in der Regular Season verletzungsbedingt nur in zehn Partien auf dem Platz und spielte dabei allenfalls durchschnittlich. Und auch in den Playoffs konnte er froh sein, dass er seine Defense hinter sich hatte. Zwei Touchdowns gelangen ihm in der gesamten Postseason. Für den Sheriff war es also höchste Zeit zu gehen.
Deutlich anders stellt sich die Situation der aktuellen Broncos dar. Diese haben mit Bo Nix einen jungen Quarterback, dessen große Stärke seine Beweglichkeit ist. Er kann immer wieder Plays mit seinen Füßen verlängern.
Umso wichtiger ist das, weil er in der Pocket so seine Schwächen hat. Das weiß offenbar auch Head Coach und Playcaller Sean Payton, der Nix vor allem sichere, kurze Pässe gibt. Nix soll bloß nicht das Spiel wegwerfen und der Defense den Rest überlassen, scheint es.
Ob man Nix damit nun Unrecht tut und mehr von ihm verlangen könnte, sei mal dahin gestellt. Der Erfolg spricht für die Broncos. Die Frage wird nun sein, ob das auch in den Playoffs so bleibt. Schon am Samstag (ab 22:30 Uhr live bei RTL) könnte es eine Antwort geben, wenn die Broncos die Buffalo Bills und Josh Allen in Mile High empfangen.
Mit dabei sein wird dann im Übrigen auch Von Miller, der mittlerweile das Trikot der Bills überstreift, allerdings kaum noch eine Rolle spielt. Seine Zeit ist mittlerweile quasi vorbei, doch er hat der Liga längst seinen Stempel aufgedrückt.







