Ab dem 18. Januar gibt sich die Tennis-Elite in Melbourne die Ehre, wenn bei den 114. Australian Open der erste Grand-Slam-Titel des Jahres ausgespielt wird. Im Damenfeld jagen dann vier Spielerinnen aus Deutschland den Titel.
Mit Eva Lys, Laura Siegemund, Tatjana Maria und Ella Seidel stehen vier deutsche Tennisspielerinnen im Hauptfeld der Australian Open 2026. Als Titelanwärterin wird im Vorfeld keine der DTB-Vertreterinnen gehandelt, schon der Einzug ins Achtelfinale wäre ein echter Erfolg. So stehen die Chancen der deutschen Stars Down Under.
Eva Lys: Auf den Spuren von "Lucky Lys"?
Die 24-Jährige startet als Nummer 39 der Weltrangliste und somit als deutsche Nummer eins ins Turnier. Zeitgleich hat die Hamburgerin, die 2025 als "Lucky Lys" für Furore sorgte, als sie als Lucky Loserin bis ins Achtelfinale vorstieß, am meisten zu verlieren, brachte ihr ihr Siegeszug im Vorjahr doch 240 Punkte im WTA-Ranking ein.
Will Lys diese satte Ausbeute verteidigen, wird sie sich 2026 ordentlich strecken müssen. Zum Auftakt wartet mit der Rumänin Sorana Cirstea (WR 41) eine Spielerin, die Lys im Ranking direkt im Nacken sitzt und bei ihren ersten Auftritten 2026 in Brisbane einen sehr starken Eindruck hinterließ. Sollte sich Lys durchsetzen, droht schon in Runde zwei ein Duell mit einer viermaligen Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka aus Japan.
In der Runde der letzten 32 ist die Russin Ljudmila Samsonova (WR 18) die wahrscheinlichste Gegnerin, auch ein Duell mit Siegemund wäre möglich. Wiederholt Lys ihren Coup vom Vorjahr und sie erreicht das Achtelfinale, würde dort wohl wie 2025 Iga Swiatek (WR 2) warten. Gegen die Polin zeigte Lys jüngst beim United Cup eine sehr starke Leistung, schlagen konnte sie die sechsmalige Grand-Slam-Gewinnerin in vier Anläufen aber noch nie.
Tatjana Maria: Steiniger Weg zu einer Sensation
Wer dachte, dass sich die Karriere der 38-Jährigen nach einem eher schwächeren Jahr 2024 endgültig ihrem Ende entgegen neigt, wurde 2025 eines Besseren belehrt. Maria avancierte im Juni in London auf ihrem Lieblingsbelag Gras zur ältesten Spielerin, die je ein 500er-Turnier der WTA gewinnen konnte. Damals bezwang Maria unter anderem Australian-Open-Titelverteidigerin Madison Keys.
Zudem reichte es im Juli in Newport zum Finaleinzug und im Herbst 2025 in Suzhou zum Halbfinale. Dem gegenüber stehen allerdings zahlreiche frühe Pleiten.
Eine solche ereilte Maria auch bei ihrem Start ins Jahr 2026, als sie der jungen Australierin Emerson Jones (WR 147) in Brisbane mit 3:6 und 3:6 unterlag. In Hobart folgte dann ein Sieg gegen US-Ikone Venus Williams, im Achtelfinale erwies sich die Ungarin Anna Bondar (WR 75) dann jedoch als zu hohe Hürde.
Auf der größtmöglichen Bühne des Tennis-Sports kam Maria (WR 42) in ihrer langen Karriere allerdings erst einmal in Schwung: 2022 erreichte sie überraschend das Halbfinale in Wimbledon. Bei keinem anderen Major kam die Rechtshänderin jemals über Runde zwei hinaus.
Um dieses Ergebnis 2026 in Melbourne zu toppen, müsste mindestens eine Überraschung her. Die 18 Jahre jüngere Petra Marcinko (WR 77) scheint zum Auftakt durchaus schlagbar, auch wenn zwei Siege bei größeren ITF-Turnieren Ende 2025 der Kroatin durchaus Rückenwind verliehen haben dürften. Ab Runde zwei dürften allerdings sehr dicke Brocken Maria zum Duell bitten. Sofia Kenin (WR 28) aus den USA ist die wahrscheinlichste Option in Runde zwei, Kenins Landsfrau Amanda Anisimova (WR 4) dürfte bei einem Maria-Coup in Runde drei warten.
Laura Siegemund: Die routinierte Wundertüte
Die Doppelspezialistin ist eine absolute Wundertüte. An guten Tagen ist Siegemund auch für die Besten der Besten zumindest mal eine sehr unangenehme Herausforderung, was bei Siegemunds bis dato letztem Auftritt als Einzelspielerin auf der WTA-Tour im Oktober 2025 in Wuhan die junge Russin Mirra Andreeva (WR 8) beim 6:7-6:3-6:3-Sieg der Deutschen zu spüren bekam.
2026 zeigte sich Siegemund bislang allerdings nur im Doppel, wo sie beim United Cup an der Seite von Alexander Zverev eher enttäuschte. In Adelaide verlor Siegemund jüngst im Doppel mit Amanda Anisimova ebenfalls ihr Auftaktmatch.
In Melbourne hat die 37-Jährige zudem ein schweres Auftaktlos erwischt: die Russin Ljudmila Samsonova (WR 18). Allerdings konnte die Nummer 47 der Weltrangliste die letzten beiden Duelle mit der 27-Jährigen für sich entscheiden. Sollte dies erneut gelingen, scheint Runde zwei gegen Kimberly Birrell (WR 107) oder Maddison Inglis (WR 167) (beide Australien) durchaus machbar.
Ab der dritten Runde gleichen sich der Weg von Siegemund und Lys. Es könnte zum direkten Duell oder einem Match gegen Osaka kommen.
Ella Seidel: DTB-Talent mit hammerharter Auslosung
Die Formkurve der 20-Jährigen gibt durchaus Anlass zur Sorge. Nach starken Ergebnissen im Spätsommer, knickte die Nummer 78 der Weltrangliste ab Ende Oktober merklich ein. Auch der Start ins Jahr 2026 ging gewaltig in die Hose. Nach einem Sieg gegen die australische Außenseiterin Monique Barry (WR 726) verlor Seidel in Auckland mit 3:6 und 1:6 gegen die Britin Sonay Kartal. In Hobart rückte die DTB-Hoffnung dann als Lucky Loserin ins Hauptfeld und wurde von Anna Bondar aus Ungarn regelrecht vorgeführt. Die Nummer 75 des WTA-Rankings gewann 6:0 und 6:1.
Ohnehin fällt auf, dass Seidel in den vergangenen Monaten bei Niederlagen schlicht zu viele Sätze ohne große Gegenwehr abgeben musste.
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Die Auslosung hält obendrein nicht gerade einen Spaziergang für das DTB-Talent bereit: Gegen die zuletzt schwächelnde Russin Oksana Selekhmetova (WR 98) ist Seidel noch Favoritin, in der zweiten Runde würde Seidel aber wohl auf die Vorjahreshalbfinalistin Paula Badosa (WR 26) treffen, in Runde drei auf Jessica Pegula (WR 6), im Achtelfinale könnte Titelverteidigerin Madison Keys (WR 9) zum Tanz bitten. Seidel bräuchte also mehr als eine faustdicke Überraschung.












