Freie Bahn für die Bills, Defensivschlacht in New England und ein Team, das einfach nicht totzukriegen ist. Zwei RTL-Experten erklären, worauf wir uns in der Divisional Round der NFL Playoffs am Wochenende freuen dürfen.
Im exklusiven Interview mit sport.de und RTL/ntv blicken die beiden früheren NFL-Spieler und heutigen TV-Experten Markus Kuhn und Sebastian Vollmer auf die Begegnungen und geben ihr Einschätzungen zur Divisional Round.
Die Top-Seeds der Conferences sind in diesem Jahr die Denver Broncos in der AFC und die Seattle Seahawks in der NFC. Die Broncos werden die Divisional Round mit ihrem Heimspiel gegen die Buffalo Bills eröffnen (Sa., ab 22:30 Uhr live bei RTL). Eben jene Bills, die in den letzten Jahren immer wieder hoch hinaus wollten, aber stets gescheitert sind. Doch dieses Jahr könnte es anders sein.
"Jacksonville war gegen die Bills auch der Favorit, aber Buffalo weiß jetzt vielleicht, dass einige der Top-Quarterbacks raus sind. Patrick Mahomes ist nicht mit dabei, Lamar Jackson und Joe Burrow auch nicht. Die Angstgegner der Bills sind alle nicht in den Playoffs. Ich glaube, dass die Bills so ein bisschen das Gefühl haben, dass das ihr Jahr sein könnte", erklärte Markus Kuhn.
"Sie haben in den letzten Jahren viel Erfahrung mit den Playoffs sammeln können. Und das fehlt den Broncos. Sie sind ein junges Team mit einem jungen Quarterback. Natürlich hat Sean Payton viel Erfahrung, aber ich kann mir vorstellen, dass die Bills für die Überraschung sorgen können", sagte Kuhn weiter.
In eine ähnliche Kerbe schlug auch Sebastian Vollmer: "Auf einmal sind Burrow, Mahomes und Co. nicht mehr im Spiel, die Josh Allen im Weg stehen könnten. Das muss jetzt sein Jahr, seine Chance sein. Alleine deshalb werden die Bills den Broncos das Leben richtig schwer machen", vermutete der frühere Offensive Tackle.

Bye Week als Vorteil?
Als Top-Seed der AFC kommen die Broncos aus einer Bye Week. Grundsätzlich wird das natürlich als Vorteil gesehen, ausgeruht ins Spiel zu gehen. Doch ist das wirklich so? "Das ist die große Frage", sagte Kuhn.
"Es gibt immer wieder Coaches, die sagen: 'Wir bleiben lieber im Spielrhythmus.' Es kommt ganz darauf an. Wenn du Leistungsträger hast, die angeschlagen sind, dann hilft es natürlich sehr. Die Playoffs sind auch körperlich noch mal eine andere Herausforderung. Das Spiel ist schneller und intensiver. Natürlich hilft es aber auch den Coaches, die eine Woche mehr Zeit haben, das Team auf das kommende Spiel vorzubereiten", merkte Kuhn an.
Diese Vorteile gelten auch für die Seahawks, die als First Seed der NFC zum dritten Mal in dieser Saison auf die 49ers treffen werden (So., 2 Uhr live bei RTL). Bei den Seahawks lobte Kuhn vor allem die "extrem starke Defense", die die 49ers zuletzt in Woche 18 bei nur drei Punkten gehalten hat.
Der Vorteil der Bye Week könnte für die Seahawks vor allem deshalb entscheidend sein, weil sich beide Teams so gut kennen. "Die Teams kennen sich sehr gut. Man hat gute Gameplans gegeneinander. Du brauchst für die Playoffs dann natürlich ein paar neue Abläufe, was schwer zu erarbeiten ist. Die Seattle Seahawks haben dafür mehr Zeit gehabt", analysierte Vollmer.
Dass es die Niners überhaupt in die Divisional Round geschafft haben, schrieb Kuhn dem breiten Kader zu: "Sie haben ein sehr tiefes Roster. Einige Teams haben ein großes Problem, wenn sich die Nummer eins auf einer Position verletzt, weil die Nummer zwei nicht annähernd das Level hat. Die 49ers sind sehr breit aufgestellt. Nicht nur die Starter sind gut. Es gibt Spieler dahinter, die Ausfälle kompensieren können. So baut man ein gutes Team auf. Da haben GM John Lynch und Head Coach Kyle Shanahan einen guten Job gemacht."
Auch Vollmer brach eine Lanze für den Head Coach der Niners: "Shanahan ist einer der besten darin, die Spielzüge auf das Personal abzustimmen was er zur Verfügung hat und sich die Spieler heraussucht, die er braucht. Wenn ein George Kittle ausfällt, bekommt halt ein Christian McCaffrey noch mehr den Ball", beschrieb Vollmer die Stärken der 49ers.

Defensivschlacht in Foxborough?!
Am Sonntag (ab 21 Uhr live bei RTL) kommt es dann zum Duell der New England Patriots und der Houston Texans. Die Patriots sind eine der Überraschungen der Saison und das aus gutem Grund: "Sie finden Wege zu gewinnen. Das muss nicht immer schön sein, aber am Ende muss deine Offensive mehr Punkte machen als die gegnerische und deine Defensive muss weniger Punkte zulassen als die gegnerische. Dann gewinnt man auch", lautete die einfache Rechnung von Kuhn.
Doch das wird gar nicht so einfach, weiß auch Vollmer, der mit den Patriots zweimal den Super Bowl gewann. Er sieht die Texans-Defense ein Stück besser als die Defensive der Patriots. Vor allem weil mit Cornerback Christian Gonzalez ein Schlüsselspieler womöglich ausfällt.
Das große Ziel sei es aber, der Texans-Defense beizukommen. Dafür haben die Patriots einen großen Trumpf in den eigenen Reihen: "Sie haben Josh McDaniels. Einen der besten Offensive Coordinator in der Liga. Er hat gegen solche Defenses schon oft gecoacht. Er wird Antworten finden auf den großen Druck, auf die Blitzes und die Defensive Front", lobte Vollmer seinen ehemaligen Coach.
"Am Ende wird es darum gehen, weniger Fehler zu machen, sich keine Turnover zu leisten. Und vielleicht ist es am Ende ein Big Play, das den Unterschied macht."
Die Stehaufmännchen aus der Windy City
Den Abschluss des Wochenendes liefern die Chicago Bears, die die Los Angeles Rams im kalten Soldier Field empfangen werden (Mo., 0:30 Uhr live bei RTL). Die Bears haben neben der starken Offense um Playcaller Ben Johnson ein ganz großes Plus in der heißen Phase der Saison.
"Du kannst die Bears einfach nie abschreiben. Sie haben jetzt in dieser Saison sieben Mal in den letzten 2 Minuten noch einen Rückstand gedreht. Ich weiß nicht, ob es das schonmal gegeben hat. Sie haben eine Fähigkeit, sich aus jedem Loch heraus zu kämpfen und es ist möglich, dass das am Wochenende wieder der Fall sein wird", lobte Vollmer die Widerstandsfähigkeit der Gastgeber.
"Du willst natürlich nicht in solchen Situationen sein, aber wenn dir das ein paar Mal passiert ist, entwickelst du ein Selbstvertrauen, dich aus allen Lagen befreien zu können. Das kann zum Vorteil für die Bears werden", schätzte Vollmer die Lage ein.
"Für die Rams wird es natürlich schwer, kaltes Wetter in Chicago, ein formstarker Gegner. Aber es ist die Divisional Round, wir stehen kurz vor dem Super Bowl. Da muss es auch schwer sein für die Teams", lautete die klare Meinung des früheren Brady-Bewachers.







