Die Handball-EM 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen steht in den Startlöchern. Wer sind die heißen Titel-Aspiranten? Was ist Deutschland zuzutrauen? sport.de macht den Favoriten-Check.
Island
Der ewige Geheimfavorit wird seinem Ruf auch bei der EM 2026 gerecht. Trumpf der Isländer soll vor allem die SC-Magdeburg-Achse um Elvar Örn Jonsson, Gisli Thorgeir Kristjansson und Omar Ingi Magnusson im Rückraum werden.
Die großen Erfolge blieben aber zuletzt aus. Bei der WM 2025 landete man auf Rang neun, bei der EM vor zwei Jahren auf Platz zehn. Will Island mehr erreichen, muss schon viel zusammenlaufen.
Kroatien
Bei der WM 2025 zog Kroatien sensationell ins Finale ein. Zwar musste man sich dort mit 26:32 gegen Dänemark geschlagen geben - dennoch hat das Turnier gezeigt: Mit dem Team von Dagur Sigurdsson ist zu rechnen.
Doch bei der EM müssen die Kroaten ohne Domagoj Duvnjak vom THW Kiel auskommen. Der 37-Jährige hatte seine Länderspielkarriere vor einem Jahr beendet. Auch wenn man mit Luka Cindric einen Weltklasse-Spielmacher in den Reihen hat, ist Duvnjak sowohl auf als auch neben dem Platz kaum zu ersetzen.
Portugal
Portugal kann durchaus eine Überraschung zugetraut werden. Bei der WM im vergangenen Jahr schaltete das Team Deutschland im Viertelfinale aus und wurde am Ende starker Vierter. Die Erwartungen sind entsprechend hoch.
Ein besonderes Augenmerkt gilt den beiden Brüdern Francisco (20) und Martim Costa (23), die großen Anteil am steilen Aufstieg der Portugiesen haben.
Schweden
Als Co-Gastgeber ist Schweden einer der Kandidaten für eine Halbfinalteilnahme. Die vergangene Weltmeisterschaft, bei der die Skandinavier mit Platz 14 ein Debakel erlebten, muss dafür aber abgehakt werden.
Der Kader von Trainer Michael Apelgren ist mit reichlich Erfahrung gespickt. Angeführt wird das Team von Routinier Jim Gottfridsson, der durchaus in der Lage ist, Spiele im Angriff im Alleingang zu entscheiden.
Auch das 19 Jahre alte Mega-Talent Nikola Roganovic, das im Sommer zum VfL Gummersbach wechselt, soll eine wichtige Rolle einnehmen. Doch dass das für den ganz großen Coup reicht, ist eher unwahrscheinlich.
Spanien
Bereits zum abschließenden Vorrundenspiel gegen Deutschland lässt sich wohl eine Tendenz erkennen, ob Spanien einmal mehr ins Titelrennen eingreifen kann.
Ein frühes Scheitern wie bei der WM 2025, als man nach der Hauptrunde die Koffer packen musste, soll tunlichst vermieden werden.
"Die große Stärke Spaniens ist ihr erfahrenes Spielsystem", sagte Ex-Nationalspieler Dominik Klein im Interview mit "ran.de": "Dazu kommen immer wieder taktische Raffinessen - sei es eine offensive Abwehr, besondere Lösungen im Kreisläuferspiel oder flexible Systeme. Spanien spielt auf einem konstant sehr hohen taktischen Niveau."
Sollten es die Spanier schaffen, dieses auch bei der EM abzurufen, ist durchaus eine Medaille drin.
Deutschland
Nach Platz vier bei der Heim-EM vor zwei Jahren, Silber bei Olympia 2024 und Rang sechs bei der WM 2025 soll nun endlich wieder eine Medaille her.
Deutschland Prunkstück ist aktuell die Abwehr, die sich mit Andreas Wolff und David Späth auf zwei überragende Torhüter verlassen kann. Im Angriff ist das DHB-Team sehr breit aufgestellt, kann auf den meisten Positionen ohne großen Leistungsabfall wechseln.
Einzige Schwachstelle ist die Position Rückraum Rechts, auf der Renars Uscins wohl als Alleinunterhalter gefordert ist. Bei den Olympischen Spiele hat der 23-Jährige aber durchaus bewiesen, dass er bei der Weltspitze mithalten kann.
Mit den zwei Testspielsiegen gegen Kroatien im Gepäck geht Deutschland als Mitfavorit auf den Titel in das Turnier.
"Die deutsche Nationalmannschaft ist talentiert und gehört zum Favoritenkreis. Auch, weil die Qualität des Kaders in der Breite enorm hoch ist", sagte auch Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar bei der "dpa".
Frankreich
Mit Titelverteidiger Frankreich ist immer zu rechnen. Bis auf die zurückgetretene Ikone Nikola Karabatic und den langjährigen Spielmacher Kentin Mahe sind fast alle Leistungsträger weiterhin dabei.
Allerdings muss Trainer Guillaume Gille auf Routinier Nedim Remili verzichten. Der Superstar fällt verletzungsbedingt aus. Doch mit Dika Mem in den Reihen, der künftig für die Füchse Berlin spielen wird, sollte der Ausfall nicht allzu schwer wiegen.
Doppelt Weltklasse besetzt ist Frankreich ohnehin auf allen Positionen. Die Ansprüche sind entsprechend hoch. "Ich glaube wir haben irgendwo gelesen, dass für Frankreich nur die Medaille in Frage kommt", merkte Nationalmannschafts-Manager Benjamin Chatton treffend an.
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Dänemark
Heißester Gold-Anwärter ist Dänemark mit Welthandballer Mathias Gidsel vom deutschen Meister Füchse Berlin. Der Weltmeister und Olympiasieger stellt derzeit das beste Team und kann zudem auf den Heimvorteil bauen.
"Dänemark ist eine überragende Macht", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Bundestrainer Alfred Gislason ergänzte: "Die Dänen sind allen anderen Mannschaften voraus."
Die Übermannschaft von Trainer Nikolaj Jacobsen jagt aber seit geraumer Zeit vergeblich dem EM-Titel hinterher, der bislang letzte EM-Triumph gelang einer dänischen Mannschaft vor 14 Jahren. Nun soll endlich der Titel her.








