Am Donnerstag startet die deutsche Nationalmannschaft in die Handball-EM. Nach wie vor Dreh- und Angelpunkt im DHB-Team: Andreas Wolff. sport.de blickt anlässlich des fast zehnjährigen Jubiläums auf das EM-Finale 2016 gegen Spanien zurück - jenes Spiel, bei dem der Stern des Torwarts aufging und Wolff zum neuen Hexer wurde.
Im Dezember 2015 erregte der EM-Kader von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson Aufsehen. Der Isländer verzichtete im Tor auf den etablierten Silvio Heinevetter und berief stattdessen den damals 24-jährigen Andreas Wolff von der HSG Wetzlar ins Aufgebot.
Eine Entscheidung, die sich über Jahre hinweg auszahlen sollte. Bereits beim zweiten EM-Spiel stieg Wolff zur Nummer eins im deutschen Tor auf, verdrängte Routinier Carsten Lichtlein.
Bei dem Turnier in Polen steigerte Wolff seine Leistung von Spiel zu Spiel. Den Höhepunkt erreichte die Torwart-Show aber im Finale am 31. Januar 2016 in Krakau gegen Spanien, bei der sich der Keeper endgültig in die Geschichtsbücher des deutschen Handballs eintrug.
Bereits vor dem Endspiel waren die Spanier vor Wolff gewarnt. Dennoch brachte der DHB-Shootingstar den Favoriten mit unzähligen Paraden schier zur Verzweiflung.
Schon zu Beginn nagelte Wolff das Tor zu, in der ersten Viertelstunde netzte Spanien nur zwei Mal ein. Nach 30 Minuten standen lediglich sechs deutsche Gegentore auf der Anzeigetafel. Ein unfassbarer Wert.
Handball-Keeper Wolff vernagelt das Tor gegen Spanien
Wer glaubte, dass Spanien im zweiten Durchgang aufdrehen würde, hatte nicht mit Wolff gerechnet. Der Schlussmann steigerte seine Leistung nochmal, kam in Halbzeit zwei auf unfassbare 56 Prozent gehaltener Bälle. Mit seinen emotionalen Jubelarien steckte er alle Beteiligten an. Kein Wunder, dass er den Glauben der Spanier an eine Aufholjagd schnell brach.
Sinnbildlich: In der 39. Minute warf der eigentlich so sichere Siebenmeterschütze Valero Rivera, wohl schwer beeindruckt von Wolffs Fähigkeiten, das Tor zu verriegeln, einen Strafwurf neben das Tor. Nur eine Minute später versagten auch Joan Cañellas die Nerven, als er von der Linie aus nur den Pfosten traf.
Der Liveticker von damals zum Nachlesen
Am Ende setzte sich Deutschland mit 24:17 durch und holte erstmals seit neun Jahren wieder einen Titel - außerdem war ein neuer deutscher Sportheld geboren: Hexer Andreas Wolff, der insgesamt fast jeden zweiten Wurf der Spanier abwehrte.
Der damals 24-Jährige wurde nach dem Abpfiff nicht nur von seinen Teamkollegen frenetisch gefeiert. Experten, Ex-Spieler und Presse überschlugen sich regelrecht.
"Es ist soweit: Andi Wolff, ich will Dich heiraten!", schrieb TV-Kommentator Frank Buschmann. "Schwierig wird es für Wolff, wenn der Vollmond verschwindet und er sich wieder in einen Menschen zurückverwandeln muss", meinte Peter Ahrens von "Spiegel Online".
Ein anderer User postete ein Bild von der sinkenden Titanic, gerettet von Wolff, dem Mann mit den übermenschlichen Kräften. "Wolffs Revier. Wahnsinn", twitterte Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar.
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Wolff als "schwarze Bestie des spanischen Handballs"
Die deutsche Presse reagierte nahezu überschwänglich. "Handball-Deutschland hat wieder einen Hexer. Deutschland ist Handball-Europameister – und hat einen neuen Star im Tor. Andreas Wolff zeigt im Finale unglaubliche Paraden", hieß es in der "FAZ".
Die spanische Sportzeitung "Superdeporte" ernannte Wolff sogar zur "schwarzen Bestie des spanischen Handballs".
Wolff selbst wollte seinen riesigen Anteil am nicht für möglich gehaltenen Erfolg nicht überbewerten und reichte die Komplimente weiter: "Ich glaube nicht, dass ich jemals hinter so einer Abwehr gespielt habe. Das war eine der geilsten Leistungen in der Geschichte des Handballs."
Auch bei der diesjährigen Handball-EM will Wolff wieder "geile Leistungen" zeigen. Ob der 34-Jährige aber noch einmal an die geschichtsträchtige Leistung anknüpfen kann, bleibt abzuwarten.








