Nach dem enttäuschenden Wochenende im polnischen Zakopane strebt Skispringer Karl Geiger nun bei der nächsten Weltcup-Station im japanischen Sapporo endlich die Trendwende an. Über seine Ambitionen schreibt er in seiner sport.de-Kolumne.
Ich sitze am Gate im Flughafen von Krakau und warte mit Andreas Wellinger und Pius Paschke auf den Rückflug nach Deutschland. Vor zweieinhalb Stunden sind wir aus Zakopane gestartet dem Austragungsort eines weiteren polnischen Weltcups am Fuße des eindrucksvollen Tatra-Gebirges - ein kleines Skisprung-Heiligtum dieser durch und durch skisprungverrückten Nation.
Nach dem Verlassen des Hotels fahren wir die alten Alleen mit den eigenen Holzhäusern entlang, die in der Architekturgeschichte als "Zakopane-Stil" eingegangen sind.
Schöne Landschaften ziehen am Autofenster vorbei, unser aus drei Mann bestehendes deutsches Rumpfteam ist etwas wortkarg, jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Bis zur Stadtgrenze von Krakau, der Stadt, unweit der tschechischen Grenze, die für ihre mittelalterlichen Bauwerke und ihre wunderschöne Altstadt bekannt ist. Von diesen Dingen sehen wir jedoch nichts. Wir erreichen über eine Umgehung den Airport, wo es dann nochmal kurzfristig hektisch wird: Gepäckaufgabe, Equipment abgeben, Einchecken.
Die Ruhe setzt am Gate ein
Zakopane sollte ein Wendepunkt werden. Es hat nicht ganz geklappt. Aber es waren wieder gute Ansätze da. Im Training konnte ich mich mit Top-20-Platzierungen beweisen. Die Richtung zeigte nach oben. Die Wettkämpfe brachten dann nicht die erhofften Bestätigungen. Kleine Unregelmäßigkeiten im Sprungstil, heftige Winde und Turbulenzen, die das Springerfeld schön durcheinanderwirbelten und die auch einem Domen Prevc Weitenmeter versagten.
Alles zusammen ergab für sich für mich der undankbare 31. Platz - wieder kein zweiter Wertungsdurchgang, wieder keine Weltcuppunkte.
Einen Hauch mehr an Weite, ein wenig mehr ein Glücksmoment und ich wäre wahrscheinlich fünf oder sechs Plätze in der Endabrechnung besser platziert gewesen.
Ich muss jedoch auf die Inhalte, auf die Leistungen selbst schauen und da kann ich schon sagen, dass es weiter geht, mit den Schritten in die richtige Richtung.
Der Blick geht ab morgen wieder sofort nach vorne, die große Reise nach Japan steht an, die nächste Chance. Dort werde ich zusammen mit Noriaki Kasai antreten, der großen, japanischen Skisprunglegende, die mit 53 Jahren nochmal einen Weltcup springen wird – Kuriositäten, die der Weltcup mit sich bringt.
Es gilt weiterhin, cool zu bleiben und die Kleinigkeiten, die zielführend sind, richtig miteinander zu verzahnen. Meine Intuition sagt mir, dass ich nicht weit davon weg bin, das Richtige zu tun.
So wie ich mich in Japan voller Hoffnung und Zuversicht den Lüften anvertrauen werde, werde ich dies auch jetzt tun. Die Maschine hat am Gate angedockt, gleich werden wir das Boarding nach München haben.
Herzliche Grüße
Karl Geiger


