Die Verfolgung von Oberhof wird zu einem der kuriosesten Rennen der jüngsten Biathlon-Geschichte. Obwohl die Bedingungen eigentlich gut sind, hagelt es Strafrunden. Kein einziger der 56 Starter kommt ohne Fehlschuss davon. Die Suche nach Gründen gestaltet sich schwierig.
In der Männer-Verfolgung von Oberhof herrschten zwar nicht gerade die perfekten Bedingungen, dennoch war der Wind mehr als beherrschbar. Eigentlich. Im Rennen zeigte sich dann jedoch ein anderes, höchst seltenes Bild. Selbst die besten Schützen im Feld leisteten sich drei, vier, fünf oder gar mehr Strafrunden - so wie Sieger Tommaso Giacomel, der sechs Mal 150 Extra-Meter laufen musste.
"Alle, einschließlich mir, fanden, dass sechs Fehlschüsse nicht gut sind", sagte der 25-Jährige: "Ich glaube, ich habe mit meiner Leistung heute den Sieg nicht verdient, aber ich habe tatsächlich gewonnen, also ist es gut so", gab der Sieger nach dem Rennen etwas ungläubig zu Protokoll.
Auch seine Konkurrenten waren ob der Fehlschuss-Orgie ratlos.
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"Sechs Strafrunden. Das ist peinlich", sagte zum Beispiel der Norweger Martin Uldal, der selbst "nur" vier Mal in die Runde musste. Woran es gelegen hat? Das weiß auch er nicht. "Die Bedingungen da draußen waren nicht schlecht. Deswegen überrascht mich das."
"Wenn die Besten der Welt hier sind ..."
Was der Grund für die Strafrunden-Flut war, konnte auch Eric Perrot nicht sagen. "Das ist eine gute Frage. Der Wind war ein bisschen kompliziert, aber es war möglich, besser zu schießen", meinte der Franzose, der Zustimmung von Philipp Nawrath erhielt. Die Bedingungen "waren schon beherrschbar", sagte der DSV-Athlet. Er habe aber einfach nicht "den richtigen Fokus" gefunden. "Heute hat es einfach nicht funktioniert, da ist auch viel Kopf dabei."
Sebastian Samuelsson gab nach dem Rennen das Offensichtliche zu und urteilte, dass es alles in allem ein "schlechtes Niveau" der Athleten war. "Aber gleichzeitig: Wenn die Besten der Welt hier sind und jeder scheitert, muss es irgendwie schwierig gewesen sein. Ich habe darauf keine gute Antwort. Es war einfach schlecht", attestierte der Schwede, der wie Giacomel sechs Mal durch die Strafrunde musste.
Gänzlich ohne Fehler kam am Samstag kein einziger der 56 Starter durch. Lediglich zwei Athleten leisteten sich jeweils nur eine Strafrunde. Einer von ihnen wurde dann auch zum großen Gewinner des Tages: der Ukrainer Dmytro Pidruchnyi. Er verbesserte sich vom 41. bis auf den 7. Platz.



