In der verrückten Verfolgung von Oberhof liegt Philipp Nawrath lange auf Siegkurs. Beim Stehendschießen platzen aber alle Träume vom großen Erfolg.
Philipp Nawrath stand bei der Zieleinfahrt die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Es hat nicht sein sollen", haderte der 32-Jährige am ARD-Mikrofon nach der verrückten Schießlotterie in der Verfolgung von Oberhof. Lange auf Siegkurs gelegen, fiel Nawrath mit fünf Fehlern bei den beiden abschließenden Stehendschießen doch noch weit zurück - und vergab damit seinen zweiten Podestplatz im zweiten Rennen im Thüringer Wald.
Am Ende stand Platz 14 mit sieben Strafrunden bei Nawrath in der Ergebnisliste, der Rückstand zum erneuten Gewinner Tommaso Giacomel betrug 45,5 Sekunden. "Ich habe zwei, drei Runden vorne ziemlich Druck gemacht. Vielleicht war es zu viel. Vielleicht habe ich mein eigenes Rennen vernachlässigt", sagte Nawrath.
Nur 13 Sekunden nach Sprintsieger Giacomel war Nawrath in das Rennen gegangen - und übernahm dann nach dem ersten Schießen sogar die Führung. Doch der Traum vom ersten deutschen Einzelsieg bei den Männern nach Benedikt Doll am 5. Januar 2024 am Rennsteig platzte noch. Die Bedingungen "waren schon beherrschbar", sagte Nawrath, der "aber leider nicht den richtigen Fokus" fand. "Heute hat es einfach nicht funktioniert, da ist auch viel Kopf dabei."
Für das DSV-Team war es eine enttäuschende Verfolgung. Hinter Nawrath wurde David Zobel als nächster Deutscher 22. (6/+1:32,6 Minuten), Lucas Fratzscher erreichte Platz 27 (4/+2:00,0). Justus Strelow belegte den 35. Rang (3/2:26,1), Johannes Kühn (4/+2:29,7) Platz 37. Für Philipp Horn, Siebter im Sprint, war das Weltcup-Heimspiel bereits vor der Verfolgung krankheitsbedingt beendet.
An der Spitze jubelte derweil wieder Giacomel, auch wenn sich dieser sechs Strafrunden leistete. Der Italiener, der bereits den Sieg im Sprint seinem kürzlich verstorbenen Kumpel Sivert Guttorm Bakken gewidmet hatte, übernahm damit auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden vom Norweger Johan-Olav Botn, der beim Weltcup in Thüringen krank fehlt.
Um 14.25 Uhr geht es in Oberhof mit der Staffel der Frauen weiter. Dabei wollen Selina Grotian, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Gesamtweltcupsieger Franziska Preuß als Schlussläuferin auch Wiedergutmachung für den enttäuschenden elften Platz beim Saisonauftakt im schwedischen Östersund betreiben. Am Sonntag stehen dann noch die Staffel der Männer (11:00 Uhr) und die Verfolgung der Frauen (14:30 Uhr/alles ARD und Eurosport) an.