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Trio setzte noch gar nicht auf den eigenen Nachwuchs

Wo sind all die Thomas Müllers hin?

Eine Recherche zeigt, welche Teams auf ihre Talente setzen - wie einst die Bayern bei Thomas Müller
Eine Recherche zeigt, welche Teams auf ihre Talente setzen - wie einst die Bayern bei Thomas Müller
Foto: © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
09. Januar 2026, 08:46
sport.de
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Wie ist es eigentlich um den Nachwuchs in der Fußball-Bundesliga bestellt? Welche Vereine setzten auf von ihnen ausgebildete Spieler, welche Vereine machen das nicht und was gibt der deutsche Fußball vor? Aus der Liga kommen Rufe nach einer Neuausrichtung.

Und Louis van Gaal sprach den Satz, der Thomas Müller über seine gesamte Karriere begleiten würde. "Thomas Müller spielt immer", sagte der damalige Trainer des FC Bayern München. Van Gaal ging, der Satz wanderte durch die Jahre. Müller spielte immer und wenn er nicht spielte, dann wurde es ungemütlich. Aber das ist eine andere Geschichte.

Diese Wertschätzung für Müller ergab sich bei dem heutigen Spieler der Vancouver Whitecaps auch immer auch daraus, dass er beim FC Bayern von den D-Junioren bis zu den Amateuren alle Mannschaften durchlief, bevor er 2009 bei den Profis durchstartete: Ein "Ur-Bayer" und das wohl prägendste Beispiel für gute Nachwuchsförderung in Deutschland.

Die Generation Müller brachte Deutschland den WM-Titel 2014, den Bayern gleich zwei Titel in der Champions League und den Nachwuchsspielern neue Vorbilder. Die Blicke der anderen großen Nationen wanderten nach Deutschland. Diese Zeiten sind vorbei. Die Blicke wandern längst woanders hin. Einen Baustein, warum das so ist, findet man beim Blick in die Daten.

Die Sache mit den "local playern"

Wo also sind all die Thomas Müllers hin? Eine exklusive Datenanalyse von ntv.de und sport.de bis zur Winterpause zeigt jetzt, welche Eigengewächse wie einst Müller Spielminuten sammeln, welche Vereine konsequent auf den eigenen Nachwuchs setzen und welche nicht.

Dabei gilt als sogenannter "local player" in der Bundesliga nur ein Profi, der in drei Spielzeiten im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für den Verein spielberechtigt gewesen ist. Jeder Klub muss mindestens vier dieser Spieler in seinen Reihen haben, um von der Deutschen Fußballliga (DFL) die Lizenz für die Bundesliga zu bekommen. Die Staatsangehörigkeit und vor allem das Alter spielen dabei keine Rolle.

"Spieler eine Chance geben, auf der ganz großen Bühne zu beweisen"

Nach den ersten 15 Spieltagen thront Borussia Mönchengladbach mit 5055 Einsatzminuten ihrer eigens ausgebildeten Spieler in dieser Statistik an der Spitze der Bundesliga. Nico Elvedi, Rocco Reitz oder der US-Amerikaner Joe Scally tragen als Stammspieler dazu bei, dass die Fohlen-DNA auf dem Platz sichtbar ist. Der SC Freiburg mit 4366 Einsatzminuten von "local playern" und Mainz 05 mit insgesamt 3018 Einsatzminuten folgen.

"Es gehört seit Jahrzehnten zum Charakter von Borussia Mönchengladbach und ist mehr denn je ein wesentlicher Baustein unserer Philosophie, unsere Nachwuchsspieler bestmöglich zu fördern und ihnen, wenn sich die Möglichkeit ergibt, gerne auch die Chance zu geben, sich auf der ganz großen Bühne zu beweisen", sagt Rouven Schröder, der neue Sportchef von Borussia Mönchengladbach.

Drucksituation im Abstiegskampf problematisch

Am Ende der Tabelle finden sich mit St. Pauli, Leverkusen und Stuttgart drei Vereine, die bis zur Winterpause in der Bundesliga noch keinen einzigen Profi eingesetzt haben, den sie selbst über mehr als drei Jahre ausgebildet haben. Leverkusen äußert sich nicht zu der Nullnummer, vom FC St. Pauli heißt es:

"Wir müssen auch der Situation Rechnung tragen, dass wir in der Bundesliga als vergleichsweise kleiner Verein ausschließlich um den Klassenerhalt spielen. Diese Drucksituation macht es für die Spieler schwerer, unbelastet Erfahrungen sammeln und Fehler machen zu können, als bei einem Klub, der regelmäßig Erfolgserlebnisse verzeichnen und sich des Klassenerhalts relativ sicher sein kann."

Sportvorstand Fabian Wohlgemuth vom VfB Stuttgart gesteht, dass die "Einsatzminuten niemanden zufriedenstellen" würden, aber die Profimannschaft hätte sich in den letzten drei Jahren "strukturell, personell und auch von der Art und Weise Fußball zu spielen" so verändert, das würde "den Einbau von Nachwuchsspielern nicht unbedingt erleichtern."

Die Schwaben sehen sich aber auf dem richtigen Weg: "Im kommenden Jahr wird beispielsweise Dennis Seimen zum VfB zurückkehren. Unter anderem ist er einer aus unserem Nachwuchs, der als sehr junger Spieler echte Ambitionen hat, bei uns Bundesliga-Minuten zu sammeln."

"Local player" nur auf dem Papier

Die Auswertung der Daten zeigt: Die Regel führt nicht bei allen Vereinen dazu, dass Talente mehr Spielzeit in Deutschlands höchster Spielklasse erhalten. Der Betrachtungszeitraum bis zur Winterpause ist recht kurz und meist werden im letzten Saisondrittel häufiger Talente eingesetzt, doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Problematik der "local-player-Regel".

Es ist für die Klubs zu leicht, Nachwuchsspieler aus den U-Mannschaften kurzerhand mit einem Lizenzspielervertrag (rund 4100 Euro Bruttomonatsgehalt) auszustatten, nur um die Regel zu erfüllen. Oft sind die Teenager dann zwar offiziell Profis, werden aber nie Teil des Spieltagskaders sein, manchmal trainieren sie nicht mal mit der 1. Mannschaft.

Die Zeiten, in denen früher noch Busfahrer oder Physiotherapeuten als "local player" hergehalten haben, sind zwar vorbei, und trotzdem ist der Hintergedanke derselbe: Hauptsache auf dem Papier stehen vier eigens ausgebildete Profis. Aus der langjährigen Erfahrung von Spielerberater Jörg Neblung (Agentur: Neblung sportsnetwork) geschieht das in der Bundesliga regelmäßig.

"Wir können dann meistens schon ganz gut einschätzen, welcher Spieler eine echte Perspektive im Klub hat und wer nur für die Quote da ist", sagt Neblung. "Wir geben diese Einschätzung weiter, aber sehr oft ist die Verlockung, einen Vertrag zu unterschreiben und einen Profistatus anzunehmen zu verlockend. Meistens verstehen Spieler und ihre Familien erst nach mehr als einem halben Jahr, was wir gemeint haben. Aber auch das ist ein Learning und dann geht es darum, die nächste Stufe erfolgreich zu bestimmen."

Es gibt keine Altersgrenze

Eine weitere Krux, die es einigen Vereinen ermöglicht, die Regel kreativ zu "umdribbeln", ist: Es gibt seitens der DFL keine Obergrenze für die sogenannte Spielberechtigungsliste. In dieser müssen die Bundesligaklubs zweimal im Jahr ihr gesamtes "Spielermaterial" an die DFL melden. Theoretisch können dort 50 Spieler draufstehen. Spieler, die zwar nie zum Einsatz kommen, im Zweifel jedoch glücklich sind. Sie erfüllen dann die "local-player-Regel".

In der italienischen Serie A greift ein etwas anderer Mechanismus: Fehlen einem Klub die geforderten vier vereinsausgebildeten Spieler, reduziert sich die maximal mögliche Kadergröße (z.B. von 25 auf 24 Profis), was zumindest etwas sportlichen Druck erzeugt, eigene Spieler zu entwickeln.

Auch die fehlende Altersgrenze in der "local-player-Regelung" wird diskutiert, denn eigentlich wurde sie 2006 eingeführt, um mehr eigene Talente zu entwickeln. Der ehemalige US-Nationalspieler Timothy Chandler ist beispielsweise ein selbst ausgebildeter Spieler von Eintracht Frankfurt, aber mit 35 Jahren am anderen Ende der Karriere.

Nürnberg-Boss fordert Anpassung der Regel

Joti Chatzialexiou, Sportvorstand des 1. FC Nürnberg und langjähriger sportlicher Leiter der Nationalmannschaften des DFB, kennt sowohl die Belange der Vereine als auch die des Verbandes und sieht die Entwicklung kritisch: "In der 'local-player-Regelung' gibt es keine Altersgrenze, so können auch 38-Jährige mit einem günstigen Vertrag registriert werden. Eine Anpassung auf mindestens zwei Spieler, die unter 23 sein müssen, würde dem deutschen Fußball mehr helfen als die aktuelle Regelung", so der 49-Jährige.

DFL und der DFB wollten sich auf Anfrage nicht konkret zur Anpassung der Regel äußern. Hinter den Kulissen wird jedoch intensiv diskutiert, wie man in Deutschland mehr Talente in den Profifußball integriert.

Die "local-player-Regelung" gilt als ein Baustein für die Nachwuchsförderung und führt, das zeigen die exklusiven Daten von ntv.de und sport.de, nicht konsequent zum Ziel. Die Einsatzminuten der eigens ausgebildeten Talente im Spitzenbereich sind insgesamt zu gering, um mehr Spieler wie Thomas Müller - auch für die DFB-Mannschaft von Julian Nagelsmann – zu entwickeln. Denn einer wie Thomas Müller spielt immer.

Jonas Gerdes

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SV Werder Bremen
SV Werder Bremen
SV Werder
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Eintracht Frankfurt
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1. FC Köln
1. FC Köln
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1. FSV Mainz 05
1. FSV Mainz 05
Mainz 05
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Sa, 17.01.
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1. FC Heidenheim 1846
Heidenheim
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1FC Bayern MünchenFC Bayern MünchenFC Bayern18162071:145750
2Borussia DortmundBorussia DortmundBVB18116135:171839
3TSG HoffenheimTSG HoffenheimHoffenheim17103435:211433
4VfB StuttgartVfB StuttgartStuttgart18103533:26733
5RB LeipzigRB LeipzigRB Leipzig17102533:24932
6Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusen1792634:25929
7Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtE. Frankfurt1876538:39-127
8SC FreiburgSC FreiburgFreiburg1866629:31-224
91. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion Berlin1866624:27-324
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11Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbach1855823:29-620
12VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburg1854927:38-1119
13SV Werder BremenSV Werder BremenSV Werder1746721:34-1318
14Hamburger SVHamburger SVHamburger SV1745817:27-1017
15FC AugsburgFC AugsburgAugsburg18441020:35-1516
161. FC Heidenheim 18461. FC Heidenheim 1846Heidenheim18341117:39-2213
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