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In Retter-Mission bei alten Freunden

Fischers "emotionale" Berlin-Rückkehr

Urs Fischer trainiert mittlerweile in Mainz
Urs Fischer trainiert mittlerweile in Mainz
Foto: © IMAGO/Harald Bremes
08. Januar 2026, 14:37

Urs Fischer kehrt als Trainer des FSV Mainz 05 zurück zu Union Berlin. Auf den Schweizer wartet ein emotionales Wiedersehen.

Ganz vergessen ist man an der Alten Försterei niemals, Urs Fischer weiß das zu genau. Mit einem "Fußballgott"-Ruf werden verdiente ehemalige Spieler und Mitarbeiter von Union Berlin bei Heimspielen für gewöhnlich vor Anpfiff herzlich empfangen. In Köpenick, wo Rituale und Traditionen auch mit Pathos gepflegt werden, gehört das zum guten Ton.

Am Samstag, wenn die Berliner Bundesliga-Schlusslicht FSV Mainz 05 (15:30 Uhr/Sky) zum ersten Heimspiel des neuen Jahres empfangen, dürfte es vorab besonders laut werden: Fischer kehrt erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurück - als Freund und Gegner zugleich. Gastgeschenke will der Schweizer Trainer trotz Kultstatus im Berliner Südosten nicht machen.

"Ich durfte dort eine Wahnsinnszeit erleben. Das wird sicherlich auch emotional werden. Wenn ich etwas anderes erzählen würde, würde ich lügen", sagte Fischer, der im Dezember in Mainz die schwierige Retter-Mission übernommen hatte: "Aber ich bin jetzt Trainer von Mainz 05. Ich muss das Nostalgische ein bisschen ausblenden. Ich freue mich auf das Spiel und hoffe, dass wir etwas Zählbares aus Berlin mitnehmen."

Das würde die vorweihnachtliche Trendwende bestätigen. Fischers ruhige Art hat Mainz stabilisiert, noch ist der FSV unter dem Nachfolger von Bo Henriksen ungeschlagen. In der Conference League gelangen Mainz unter Fischer ein Remis sowie ein Sieg, in der Bundesliga bleibt die Lage trotz zweier Punktgewinne - darunter der Achtungserfolg bei Bayern München (2:2) - brisant. Mit nur acht Punkten aus 15 Spielen ist Schlusslicht Mainz in akuter Abstiegsnot.

Ein Sieg bei Union würde diese etwas lindern. Fischer peilt genau das an: "Wenn du hinten rauskommen willst, brauchst du drei Punkte." Die Berliner, die ihrerseits unter Steffen Baumgart - dem dritten Cheftrainer seit der Fischer-Entlassung im November 2023 - im gesicherten Mittelfeld liegen, würden Fischer einen Sieg in der alten Heimat wohl verzeihen.

Zu groß ist sein Vermächtnis. Mit klarer Handschrift hatte er den Verein in nie vorstellbare Spähren geführt. Im Mai 2019 stieg Union erstmals in die Bundesliga auf, es folgten der Klassenerhalt sowie die dreimalige Qualifikation für das internationale Geschäft mit der Champions League als Höhepunkt.

Im Sommer 2023 war der Verein dank neuer finanzieller Möglichkeiten aufgrund der Königsklassen-Qualifikation aber erstmals ein wenig von seinem Weg abgewichen. Union verpflichtete in Nationalspieler Robin Gosens, Kevin Volland oder Europameister Leonardo Bonucci teure und namhafte Profis. Die Neuzugänge schlugen nicht ein, die Verunsicherung im Kader stieg von Niederlage zu Niederlage. Am Ende musste Fischer gehen.

Ein "Fußballgott" ist Urs Fischer für die Berliner Fans trotzdem noch.

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