Die Los Angeles Rams haben mit viel Glück und einem späten Touchdown eine Blamage im Wild Card Game der NFL bei den Carolina Panthers (34:31) abgewendet. Matthew Stafford überkam dabei scheinbar sogar eine Handverletzung.
Rams @ Panthers: Auf einen Blick
- Trotz einer Schwächephase zwischendrin waren die Rams am Ende da und wendeten eine fast schon sichere Niederlage mit ihrem letzten Drive ab.
- Die Panthers hatten das ganze Spiel Probleme mit einer bestimmten Coverage, die sie nie in den Griff bekamen.
- Die Rams hielten das Spiel lange offen dank einiger eigener Fehler, am Ende war jedoch der Ausfall eines Schlüsselspielers der Hausherren entscheidend.
Rams @ Panthers: Die Analyse
Die Panthers kamen nur schwer ins Spiel und vergaben direkt einen vierten Versuch im ersten Drive. Im Gegenzug brauchten die Rams nur vier Plays, ehe Matthew Stafford Puka Nacua für einen 14-Yard-Touchdown-Pass fand. Nacua startete dabei seine Seam-Route aus dem Backfield und fand ein Mismatch gegen einen Safety, weil man „Verts“ spielte und sich vor allem die Cornerbacks dadurch von Nacua zurückzogen.
Die Anfangsprobleme der Panthers gingen dann munter weiter. Man verlor Left Tackle Ikem Ekwonu mit einer Knieverletzung, und nach Punts auf beiden Seiten warf Bryce Young auch noch eine Interception in Richtung von Jalen Coker, der seine In-Breaking-Route offenbar zu früh beendet hatte. Quentin Lake fälschte den Ball ab, und Cobie Durant schnappte sich den Pick. Wenig später erhöhte Nacua durch einen 5-Yard-Run nach Lateral von Stafford auf 14:0 für die Gäste.
In der Folge jedoch stabilisierten sich die Panthers. Offensiv entdeckten sie Play Action, die Rams fielen darauf herein, und die Panthers marschierten – sogar bis in die Endzone, denn Chuba Hubbard erzielte von der 1 den ersten Panthers-Touchdown im zweiten Viertel. Den Rams gelang noch ein Field Goal durch Harrison Mevis aus 46 Yards, und anschließend wurde es wild.
Zunächst musste Carolina nochmal punten, nachdem es Young nicht gelang, einen kurzen Screen zu Hubbard anzubringen. Doch dann gelang den Panthers ein Stopp, denn Stafford ließ zwei Pässe über den Kopf von Davante Adams segeln und warf dann einen kurzen Pass, den DJ Wonnum abfälschte – zu kurz für Tyler Higbee bei 4th Down. Stafford hätte auch einfach für ein 1st Down laufen können. Die Panthers sagten Danke und verkürzten den Rückstand vor der Pause auf drei Punkte mit einem 16-Yard-Touchdown-Scramble von Young.
In der Folge hatten die Rams nochmals die Chance auf eine Antwort, doch Nacua ließ einen vermeintlich sicheren Touchdown-Pass ohne Druck wenige Yards vor der Endzone fallen.

Zeigefinger macht Stafford zu schaffen
Zur Pause verloren die Panthers auch noch Guard Robert Hunt, während die Rams auf Cornerback Ahkello Witherspoon verzichten mussten. Derweil verletzte sich Stafford offenbar bei einem erfolglosen Pass mit Gegnerkontakt am Zeigefinger der rechten Hand, und seine Pässe waren daraufhin merklich ungenauer als zuvor.
Nach der Pause fingen die Panthers an, Stafford – auch dank Blitzes – stärker unter Druck zu setzen. Zudem spielte Cornerback Mike Jackson groß auf und brach gleich zwei Pässe im ersten Rams-Drive ab, was zum Punt führte. Beide Seiten tauschten dann Field Goals aus, ehe Stafford jenen Jackson unter Druck an der Seitenlinie übersah. Jackson schnappte sich eine Interception, Young brachte bei 3rd Down einen langen Pass auf Coker an, und wenig später lief Hubbard zu einem 3-Yard-Touchdown, der den Panthers sensationell eine Führung im vierten Viertel bescherte.
Diese hielt jedoch nur wenige Minuten, denn elf Minuten später fand Stafford Kyren Williams für einen 13-Yard-Touchdown-Pass zur abermaligen Gästeführung. Stafford hatte dabei sehr viel Glück, dass Nacua eine zweite Interception gegen Safety Nick Scott abbrach – Stafford hatte Nacua kurz vor der Endzone überworfen.
Es folgten zwei weitere Punts, wobei die Panthers aus dem der Rams ein Big Play machten, denn Isaiah Simmons blockte selbigen und gab seinem Team den Ball tief in der gegnerischen Hälfte zurück – mit rund drei Minuten zu spielen. Genügend Zeit für Young, sein Team in die Red Zone zu führen. Und bei 3rd & 3 an der 7 warf er schließlich einen perfekten Pass in die Ecke der Endzone zu Coker für einen Touchdown zum 31:27 für Carolina (2:34 Minuten vor Schluss).
Die Rams drückten danach aufs Tempo, die Panthers spielten fast ausschließlich Cover 3, und Stafford zerlegte diese softe Defense mit überwiegend mittellangen Pässen über die Mitte. Am Ende jedoch warf er nach außen zu Colby Parkinson für einen 19-Yard-Touchdown und drehte damit das Spiel abermals – mit noch 48 Sekunden zu spielen. Der Schlüssel: Cornerback Jaycee Horn hatte zuvor das Spielfeld mit einer Verletzung verlassen, wodurch ein Mismatch entstand.
Und dieses Mal sollte die Führung halten, denn Carolina ging die Zeit aus.
Los Angeles Rams (12-5, #5) @ Carolina Panthers (8-9, #4)
Ergebnis: 34:31 (7:0, 10:14, 3:3, 14:14) BOXSCORE
Rams @ Panthers: Die wichtigsten Statistiken
- Stafford hat in diesem Spiel Hall-of-Famer Kurt Warner (2221 YDS) für die meisten Passing Yards in der Postseason in der Rams-Geschichte abgelöst.
- Die Rams haben ihre Serie von Siegen in den Playoffs nach erstem Score im Spiel auf neun ausgebaut. Das ist die längste aktive Serie der NFL. Zuletzt hatten sie in der Situation im Divisional Game 2003 gegen die Panthers verloren.
- Es war der vierte Game-Winning Drive in den Playoffs von Stafford.
- Stafford ist der erste Quarterback seit Eli Manning im Super Bowl gegen die ungeschlagenen Patriots, der in einem Playoff-Sieg zwei Führungs-Touchdown-Pässe im vierten Viertel geworfen hat.
Der Star des Spiels: Matthew Stafford (Quarterback, Rams)
Er sah nicht immer gut aus, doch wie er sein Team am Ende doch nochmal zurückbrachte, war beeindruckend. Seine Handverletzung machte ihm zu schaffen, zudem leistete sich Nacua mehrere Drops. Doch Stafford ließ sich nicht beirren.
Der Flop des Spiels: Defensive Front (Panthers)
Die Panthers brauchten viel zu lange, ehe sie Druck auf Stafford erzeugten. Erst als sie blitzten, wurde es besser. Aber: Stafford war lausig gegen Pressure und brachte dann keinen seiner sieben Pässe an. Stattdessen kassierte er seinen einzigen Sack und warf die Interception, sowie fast einen weiteren Pick. Doch Pressure gelang dieser Front eben zu selten.
Analyse: Rams @ Panthers - das fiel taktisch auf
- Die Panthers begannen, offensiv effektiver zu werden, als sie mehr auf Play Action und Motion setzten. Die Rams wurden dann vor allem in early Downs geschlagen, weil sie teils sehr hart auf den Run gingen und dadurch dann underneath Lücken entstanden. Die Rams spielten gerade bei 1st Down häufiger Base-Defense, was gegen 11-Personnel überraschte.
- Stafford war besonders effektiv gegen Cover 3 und nutzte da immer wieder die Lücken auf den Seam-Routes der Tight Ends aus. Der erste Nacua-Touchdown kam ebenfalls gegen Cover 3 mit Nacua, der aus dem Backfield startete und eben eine solche Seam-Route lief.
- Die Panthers passten sich nach schwachen Anfangs-Drives defensiv an und schickten dann auch zusätzliche Rusher, was nach einem lockeren Auftakt für den QB auch Pressure gegen Stafford erzeugte.
- Nachdem sich die Rams rundum die Pause und vor allem im dritten Viertel zeitweilig richtig schwertaten, als sie sehr viel in 11-Personnel spielten, stellten sie im vierten Viertel wieder vermehrt auf 13 um und hatten damit sowohl auf dem Boden als auch durch die Luft mit Pässen zu Nacua wieder mehr Erfolg. Die Panthers stellten in der Regel Base dagegen, was sie anfällig durch die Luft machte.











