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"Im Skispringen geht es um Kleinigkeiten"

Wellinger, Geiger, Talente: Hannawald spricht Klartext

Video: Exklusiv: Hannawald spricht Klartext
07. Januar 2026, 14:13
sport.de
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Auch im 24. Jahr nach dem Vierschanzentournee-Triumph der deutschen Skisprung-Ikone Sven Hannawald wartet die Bundesrepublik auf einen Nachfolger des Team-Olympiasiegers von 2002. Hannawald selbst hat sich nun zur aktuellen Situation des deutschen Skispringens und konkret zur Lage der strauchelnden langjährigen Leistungsträger Andreas Wellinger und Karl Geiger geäußert.

Karl Geigers Vita zieren schon fünf WM-Titel, zweimal landete der 32-Jährige in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee bereits auf dem Podium und dreimal stand er bei Olympischen Winterspielen auf dem Treppchen. Andreas Wellinger ist zudem zweifacher Olympiasieger, zweifacher Welt- und vierfacher Vize-Weltmeister sowie zweimaliger Zweitplatzierter der Vierschanzentournee. Kurz: In den vergangenen rund zehn Jahren prägte das Duo das deutsche Skispringen maßgeblich - derzeit sind beide von der einstigen Gala-Form allerdings meilenweit entfernt. Im exklusiven Gespräch mit RTL/ntv und sport.de hat Sven Hannawald nun Gründe für die Krise genannt.

Ausschlaggebend seien unter anderem die neuen Anzugsregeln, die eng sitzende Sprungbekleidung vorsehen, Fläche nehmen und somit vor allem Athleten zugutekommen, die eher über die Sprungstärke und etwas weniger über das reine Fluggefühl kommen, umreißt Hannawald, der für die "ARD" als Skisprung-Experte tätig ist.

Wellinger und Geiger hätten mit dieser Änderung "die meisten Probleme", so der Experte: "Der Sprung, den sie sich über die Jahre durch die Fläche antrainiert haben, der funktioniert nicht mehr", führte Hannawald aus. "Offensichtlich" sei inzwischen wieder gefordert, "die Fläche der Ski zu nutzen".

Der zweimalige Weltmeister erklärt: "Das ist jetzt der Stil, zu dem alle schleunigst hin müssen, wie sie ihren Sprung umstellen müssen, weil die Fläche über die Anzüge nicht mehr so existiert, wie sie in den vergangenen Jahren zugelassen war."

Aussichtslos ist die Situation laut Hannawald aber selbst mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar nicht: "Im Skispringen geht es um Kleinigkeiten, sobald zwei, drei Puzzlesteinchen zusammenpassen, kann das sofort wieder effektiv werden. Diese Steinchen zu finden, ist die Schwierigkeit", führt Hannawald aus, der Wellinger und Geiger zudem nahelegen würde, auf den kommenden Weltcup in Zakopane zu verzichten und stattdessen zu trainieren.

Besser schätzt die Ikone allerdings Wellingers Chancen auf die Wende ein: Während sich Geiger "ein bisschen im Kreis"  drehe, habe Wellinger "das Fliegerische schon so ein bisschen besser auf dem Schirm", bewertet Hannawald den Status quo. Man könne nun nur abwarten und die Daumen drücken.

Auch DSV-Hoffnungsträger Hoffmann kommt nicht gut weg

Probleme macht Hannawald auch im deutschen Skisprung-Nachwuchs aus, nimmt hier aber vor allem die Talente selbst in die Pflicht. 

"Wissenschaftlich wie trainingstechnisch und vom Material sind wir genauso top ausgestattet wie alle anderen Nationen", eröffnet Hannawald, der allerdings vermutet, dass "eine gewisse Gemütlichkeit oder Zufriedenheit" die jungen Springer ausbremse. Ziel dürfte nicht allein das Erreichen des Weltcup-Kaders sein, es müssten gute Ergebnisse im Vordergrund stehen.

"Ich sehe jetzt wenige Springer, die mal sauer sind oder einfach mal Luft rauslassen, weil es einfach nervt, dass sie es irgendwie nicht hinbekommen, und wo ich dann merke: Okay, der hat andere Ziele. Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass da irgendwo einer brennt, vorwärtszukommen. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen der Unterschied zu Österreich", stellt Hannawald heraus.

Auch den bei der Tournee 2026 überraschend besten Deutschen, Felix Hoffmann (Rang 6), nimmt Hannawald bei seiner Kritik nicht aus. Während man Philipp Raimund (Rang 8) anmerke, dass er voll "auf Attacke" gehe, erwecke Hoffmann bei ihm einen anderen Eindruck: "Auch wenn mal ein Sprung nicht so gut war, stellt er das immer so ein bisschen positiv da und "strahlt Zufriedenheit aus". Er habe zwar gehört, dass der 28-Jährige ehrgeizig sei, spüre das aber selbst nicht so sehr.

Worte, die wohl nicht nur als Kritik, sondern auch als Ansporn zu sehen sind, dass für Hoffmann noch mehr möglich ist.

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