Beim Biathlon auf Schalke triumphierte Justus Strelow gemeinsam mit Janina Hettich-Walz. Von dem Erfolg will sich der DSV-Skijäger auch im Weltcup beflügeln lassen, wie er in seiner Kolumne für sport.de verrät.
Allein an der Anzahl von Nachrichten nach meinem Sieg beim Biathlon auf Schalke habe ich gemerkt, wie sehr dieses Event die Fans bewegt. Auch wenn es nicht einmal um Weltcup-Punkte ging, saßen am Sonntag offenbar alle vor dem Fernsehen und haben mitgefiebert.
Die Ekstase im Stadion war einfach der Wahnsinn. Jedes Mal, wenn ich auf meiner Runde durch den Tunnel in die Arena eingelaufen bin oder am Schießstand meine Serien abgefeuert habe, brandete ohrenbetäubender Jubel auf. Ich war von Anfang an in einem Flow, hatte eine äußerst ruhige Hand und konnte das Rennen gemeinsam mit meiner Kollegin Janina Hettich-Walz einfach nur genießen. Der erste deutsche Sieg seit 2016 hat uns beide reichlich Selbstvertrauen tanken lassen – danke Schalke!
Die relativ lange Weltcup-Pause rund um den Jahreswechsel nutzen wir Biathleten ansonsten ganz individuell. Jahrelange Erfahrung lehrt einen, was in diesen zwei Wochen das Richtige im Training ist. Mein Kollege Philipp Horn zum Beispiel ist gleich nach den Weihnachtstagen in ein Höhentrainingslager nach Livigno in Italien aufgebrochen. Solche Trainingsreize wären für mich in dieser Phase eher kontraproduktiv, weil ich mich anschließend zu lange davon erholen müsste. Ich dagegen setze auf lange, ruhige Einheiten in der Heimat, um meinem Körper die nötigen Grundlagen und die Substanz für das anstehende Wettkampf-Trimester zu geben.
Auch an den Weihnachtsfeiertagen habe ich meinen inneren Schweinehund - der sich während der gemütlichen Kaffeetafel mit der Familie selbst bei mir unüberhörbar zu Wort gemeldet hatte - überwunden und bin tapfer auf meine Joggingrunden gegangen: 90 Minuten bis zu zwei Stunden war ich jeweils unterwegs und habe bis zu 20 Kilometer absolviert – aktive Erholung, gemessen an meinen Maßstäben.
Wie für andere auch, bedeutet mir die ruhigere Zeit zwischen den Jahren einiges. Viele Gespräche, gutes Essen, gemeinsame Spaziergänge. Ich nutze die Pause auch, um den Reset-Knopf zu drücken und wieder Energie für die anstehenden Aufgaben bei den Heimweltcups in Oberhof und Ruhpolding zu tanken. Gleich nach dem Jahreswechsel trainiere ich am Stützpunkt in Oberhof weiter in großen Umfängen, dann allerdings auf Schnee. Jeweils 30 bis 40 Kilometer werde ich auf Skiern zurücklegen. Solche Einheiten sind während der Wettkampfphasen undenkbar, wenn es nach hochintensiven Impulsen der Rennen vor allem um die bestmögliche Regeneration geht.
Mit vollem Akku und dem positiven Schalke-Gefühl werde ich im Weltcup weiter angreifen!
Von Justus Strelow


