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Vierschanzentournee
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Vierschanzentournee
Skispringen
(M)

Kolumne von Felix Hoffmann

"Soll ich mich zum Reality-Check kneifen?"

Hoffmann landete in Oberstdorf doch noch auf dem Podest
Hoffmann landete in Oberstdorf doch noch auf dem Podest
Foto: © IMAGO/nordphoto GmbH / Hafner
30. Dezember 2025, 21:46
sport.de
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Felix Hoffmann sorgt zum Auftakt der Vierschanzentournee für die große Überraschung und fliegt auf Platz drei. In seiner Kolumne für sport.de lässt der DSV-Adler diesen ganz besonderen Tag noch einmal Revue passieren und verrät, warum er sich auf das nächste Springen ganz besonders freut. 

Die Anspannung sinkt gerade herab, der Wettkampf ist beschlossen. Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf. Die Arena ist ausverkauft, die Masse brodelt. Raimund und ich konnten gute Sprünge zeigen und uns beide unter den Top Sechs platzieren. Überall stehen die deutschen Fans mit großen Kuhglocken und läuten uns ihre Begeisterung zu. Wir genießen das Nachgefühl des Wettkampfs im Areal, in dem Verwandte und Freunde auf uns warten, als ich einen Ruf bekomme.

"Felix, Du bist doch noch Dritter!" ruft mir ein Mannschaftsbetreuer zu - etwas ungläubig realisiere ich, dass es wohl eine Disqualifikation gegeben haben muss, durch die ich den ersten Podestplatz meiner Karriere bei einer Vierschanzentournee erringe - Wahnsinn! In der Tat: Ein Blick auf die Anzeigetafel bestätigt es. Der Slowene Timi Zajc hatte einen um 3 Millimeter nicht regelkonformen Anzug. Ein Mitfavorit kann also beim Springen an Zentimetern und bei der Anzugskontrolle an Millimetern scheitern!

"Soll ich mich zum Reality-Check kneifen?"

Ich gehe also schnellen Schrittes zur Flower Ceremony. Startnummer überziehen, Mütze richten, die Skier zur Präsentation zur Hand und dann, ja dann, führe ich die drei Erstplatzierten - wiederum unter ohrenbetäubendem Lärm von Kuhglocken - zur "kleinen" Siegerehrung. Was für eine Stimmung, was für Momente, was für ein Wettkampf! Dritter in Oberstdorf bei der Vierschanzentournee. Soll ich mich zum Reality-Check kneifen?

Der Weg zum Mannschaftsbus ist gesäumt von Fans und wie sollte es anders sein … mit Kuhglocken! Autogramme werden geschrieben, bevor die Tür des Busses zufällt und die Ruhe einkehrt.

Alle sind erschöpft, alle sind glücklich, alle genießen einen Moment der Ruhe.

"Ich habe keine Prognosen im Kopf"

Die Fahrt führt zurück zu unserem bewährten Mannschaftshotel "Sonnenbichl" in Fischen.

Kilometer, um nochmal den Wettkampf Revue passieren zu lassen. Ja, es waren zwei gute Sprünge, die ich zeigen konnte. Die Ergebnisse der Vorwettkämpfe habe ich damit bestätigt und dies auch vor "vollem Haus". Ich freue mich, dass ich meine Leistung gut abrufen konnte. Ich bin wirklich zufrieden und bin dankbar, dass ich die Glocken der deutschen Fans zum Klingen gebracht habe.

Die häufigste Frage der Journalisten, welche Chancen ich mir nun insgesamt ausrechne, stelle ich mir persönlich ganz und gar nicht. Ich springe auf Sicht. Ich bin froh und glücklich über mein Resultat und bin voller Vorfreude auf die Schanze in Garmisch, die ich sehr liebe und mit der ich immer gut zurechtkomme.

Ich habe keine Prognosen im Kopf, ich möchte bei mir bleiben und meine besten Sprünge zeigen, jeden Tag aufs Neue - nicht mehr, nicht weniger.

Der Bus fährt vor das Hotel, das Personal begrüßt uns ... wie sollte es anders sein mit Kuhglocken, die größte Allgäuer Wertschätzung, die man wohl bekommen kann.

Herzliche Grüße,

Felix Hoffmann

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