Die Minnesota Vikings bekommen es am Sonntag mit den Seattle Seahawks zu tun und treffen dabei auf einen alten Bekannten. Quarterback Sam Darnold betrieb in der Vorsaison im Trikot der Vikings kräftig Eigenwerbung und ist nun mit den Seahawks auf Playoff-Kurs. Auf der anderen Seite steht ein junger Spielmacher vor seinem NFL-Debüt.
Vikings-Starter J.J. McCarthy befindet sich aktuell im Concussion Protocol, für Carson Wentz, der McCarthy in dieser Saison mehrfach vertrat, ist die Saison beendet. Und deshalb schlägt jetzt die Stunde von Max Brosmer.
Ein Name, der vielen NFL-Fans noch kein großer Begriff sein dürfte. sport.de stellt Euch den 24-jährigen Quarterback vor!
Quer durch Nordamerika bis nach Minnesota
Geboren wurde Brosmer im März 2001 in Davenport, mit 100.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt im Bundesstaat Iowa. Aus dem mittleren Westen der USA ging es dann jedoch in den Norden, denn Brosmer und seine Familie zogen zunächst nach Ohio und dann nach Kanada, wo man sich in Toronto niederließ.
Als Brosmer im Mittelschul-Alter war, stand der nächste Umzug an. Dieses Mal ging es deutlich weiter in den Süden und zwar nach Roswell Georgia, wo Brosmer später als Highschool-Quarterback seine ersten footballerischen Sporen verdiente.
Zum College ging es für Brosmer nach New Hampshire, wo er insgesamt fünf Jahre blieb. Als Freshman wurde er 2019 direkt zum Starter, seine zweite Saison allerdings ließ bis 2022 auf sich warten. 2020 war die Saison wegen Covid-19 verschoben, 2021 musste Brosmer mit einem Kreuzbandriss passen.
Durch die verschobene Covid-Saison hatte Brosmer allerdings die Möglichkeit, ein weiteres Jahr am College zu spielen. Hierfür wechselte er 2024 nach Minnesota, nachdem er bei New Hampshire 36 Spiele bestritten und deren 21 gewonnen hatte.
In Minnesota übernahm er ebenfalls als Starter und brachte es in zwölf Spielen auf 2617 Passing Yards, 17 Passing Touchdowns und fünf Interceptions.

Brosmer zu sehr Pocket Passer?
Zudem erzielte er fünf Rushing Touchdowns, die allerdings eher aus Quarterback-Sneaks stammten und nicht etwa durch athletische Läufe.
Denn hierfür ist Brosmer schlicht nicht der Typ. Das wird auch aus seinen Draft Reports deutlich, wo ihn die Draft-Experten als "ungefährlich" im Laufspiel beschreiben. Seine Schwäche im Scrambling und seine Mobilität wurden ihm ebenfalls negativ ausgelegt, weshalb Brosmer "nicht viel außerhalb der Struktur kreieren" könne.
Demnach könnte man Brosmer als klassischen Pocket Passer beschreiben. Ein Spielertyp, der in der NFL dieser Tage zumindest nicht die größten Aktien hat. Das äußerte sich auch im NFL Draft 2025, als Brosmer übergangen wurde, obwohl ihm durch die Draft-Experten einige positive Attribute bescheinigt wurden.
Brosmer wird als Spieler mit hohem Football-IQ beschrieben. Das "Pro Football Network" lobte vor dem Draft seine Genauigkeit und auch seine Ruhe in der Pocket, in der er sich zudem gut bewegt. Auch bleibt Brosmer oft ruhig und hat die Augen immer wieder auch Downfield. Wenn ihm sein erster Read weggenommen wird, wird Brosmer nicht nervös.
Die Minnesota Vikings sahen offenbar einige von diesen Dingen und holten Brosmer als Undrafted Free Agent. Der Quarterback überzeugte in der Preseason und schaffte den Sprung in den aktiven Kader.
Gelobt wird auch die gute Arbeitseinstellung von Brosmer, der diese Einschätzung mit eigenen Aussagen untermauerte. So erklärte der 24-Jährige schon im September, er wolle jeden Tag sein Bestes geben und so trainieren, als sei er der Starter. Das sei schließlich die Aufgabe eines Backup-QBs.
Vikings zeigen großes Vertrauen
Und nun ist es seine Aufgabe, wirklich zu starten. Das zumindest ist neu für ihn. Denn NFL-Luft schnuppern durfte Brosmer bereits. In den Wochen drei, fünf und acht bekam er als Backup bereits insgesamt 19 Snaps. Dabei warf Brosmer acht Pässe, von denen fünf den Mitspieler fanden. Eigentlich sogar sieben, den zwei seiner Pässe führt "PFF" als Drops, die jeweilige Incompletion geht also auf das Konto der Receiver.
Die Vikings jedenfalls machen sich keine Sorgen, dass Brosmer der Aufgabe des Starters nicht gewachsen sein wird. "Wir haben großes Vertrauen in Max", sagte beispielsweise Vikings-Coach Kevin O’Connell.
"Seit er hier ist, hat er jeden Tag seine Leistung gebracht und sich bewährt, sei es, wenn er für einige Spieler eingesprungen ist oder wenn man bedenkt, wie schnell er die Offensive während seines ersten Tages hier bis zum Ende des Trainingslagers verinnerlicht hat", so O'Connell weiter, der Brosmer bescheinigt viele Dinge "wie ein Veteran" zu sehen.
Verlassen kann sich Brosmer am Sonntag dann wohl auch auf das Vertrauen von Star-Receiver Justin Jefferson. Auch dieser äußerte sich positiv über seinen neuen Passgeber.
"Er ist definitiv ein guter Quarterback. Er passt gut in diese Offensive und kann uns neuen Schwung verleihen – genau das brauchen wir im Moment", erklärte der Passempfänger.
McCarthy mit Problemen
Worte, die man auch als Kritik in Richtung J.J. McCarthy verstehen kann. Der junge Quarterback hatte im bisherigen Saisonverlauf einige Probleme offenbart. Immer wieder zeigte McCarthy große Ungenauigkeit in seinem Spiel. Gerade die Connection mit Justin Jefferson schien noch nicht da zu sein.
Zwar stärkten die Vikings ihrem jungen Spielmacher jüngst demonstrativ den Rücken, doch bisher macht McCarthy nicht den Eindruck, als wäre er die Lösung für die Vikings.
Sollte Max Brosmer seine Chance nun mit einer guten Leistung nutzen, werden es sicherlich spannende Wochen in Minnesota, wo man die Saison mit Blick auf die geringen Playoff-Chancen wohl sowieso abhaken muss.
Es bliebe also Zeit, sich um die Quarterback-Frage zu kümmern. Und vielleicht ist Max Brosmer zu diesem Zeitpunkt dann mit in der Verlosung.



































