Aston Martin setzt in der Formel 1 ab kommender Saison voll auf die Karte Adrian Newey. Der legendäre Designer und Aerodynamik-Papst übernimmt dann auch die Rolle des Teamchefs. Red-Bull-Eminenz Helmut Marko äußert bei sport.de erhebliche Zweifel, dass das Modell funktioniert.
"Ich war genauso überrascht wie das ganze Paddock", kommentierte Helmut Marko im Interview mit RTL/ntv und sport.de Aston Martins Personalrochade für die Saison 2026.
Adrian Newey löst beim britischen Rennstall 2026 Andy Cowell als Teamchef ab. Der bisherige Chef am Kommandostand wird die Rolle des Chefstrategen einnehmen.
Es ist das erste Mal, dass der 66-jährige Newey als Teamchef arbeitet. Der Brite gilt als Aerodynamik-Guru und bester Designer der Geschichte. Bei Aston Martin ist er zudem auch Teilhaber des Formel-1-Teams.
"Ich kann es mir nicht vorstellen", äußerte sich Marko skeptisch über Neweys neue Position. "Neweys Stärke ist das Design, Produktion, Überwachung, Gewicht, all diese Sachen. Teamchef ist ja doch ein ganz anderes Betätigungsfeld. Auch die Zeit - wo soll er die hernehmen, die würde von seiner ursprünglichen Konstrukteursarbeit ablenken. Ich glaube, dass Newey in dieser Position nicht der ideale Mann ist."
Er selbst würde Newey "dort, wo er der Beste ist - im Design - nie und nimmer einschränken", betonte Marko.
Adrian Newey, Aston-Martin-Teamchef nur auf dem Papier?
Zugleich warf der Österreicher die Frage auf, ob Newey Inthronisierung womöglich nur eine auf dem Papier ist. "Manchmal ist es wichtig, dass Personen einen gewissen Titel haben, aber praktisch kann ich mir nicht vorstellen, dass er diese Funktion operativ voll ausfüllt", so der Red-Bull-Chefberater.
Marko arbeitete bei Red Bull bis 2024 fast 20 Jahre mit dem Engländer zusammen, in dieser Zeit gewann das Team achtmal die Fahrer- und sechsmal die Konstrukteurs-WM.
Grundsätzlich sieht der 82-Jährige in der Formel 1 aber einen Trend, dass Ingenieure und Techniker vermehrt den Posten des Teamchefs ausfüllen. "Ich glaube, es hängt mit der Komplexität dieser modernen Autos zusammen, die ja immer komplizierter werden", erläuterte Marko.
Um alle Details "zu koordinieren, braucht es schon ein großes technisches Verständnis", dazu komme der Budgetdeckel, den man als Teamverantwortlicher stets im Auge haben müsse. "Das erfordert eine sehr diplomatische und allumfassende Vorgangsweise. Und da ist der Ingenieur sicher im Vorteil, weil er alle Parameter gut zusammenführt."
Marko glaubt nicht an Horner-Comeback bei Alpine
Marko lobte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies in diesem Zusammenhang ausdrücklich. Der Franzose hatte das Amt im Sommer von Christian Horner übernommen, der Red Bull seit 2005 anführte.
"Laurent Mekies kam und der große Unterschied zu Christian Horner ist, dass er ein ausgebildeter Ingenieur ist, ein exzellenter Ingenieur ist, der das Ganze bei den Setup- und Vorbereitungsarbeiten mehr ins Technische verlagert hat. Auch die Fahrer - vor allem Max (Verstappen) - sind stärker einbezogen worden", sagte Marko.
Dass sein langjähriger Wegbegleiter Horner als Teamchef von Alpine anheuert, glaubt Marko nicht. "Er war in den letzten Jahren immer erpicht, auch Anteile am Team zu halten oder zu bekommen. Wie zum Beispiel Toto Wolff. Das hat ihn immer etwas genervt. Bei Alpine sind angeblich keine Anteile zu haben."



