Der FC Liverpool ist amtierender Meister der englischen Premier League, der FC Liverpool startet mit sieben Siegen aus den ersten acht Pflichtspielen in die Saison - zwei Monate später liegen die Reds am Boden.
Am Mittwochabend setzte es den nächsten knallharten Nackenschlag: Im heimischen Rund kam der FC Liverpool im Rahmen der Ligaphase der Champions League gegen die PSV Eindhoven mit 1:4 unter die Räder. Für die Mannen von der Anfield Road war es die dritte Pleite in Serie, ohnehin gewann man nur drei der letzten neun Partien. Kein Wunder also, dass die eh schon kritischen Stimmen nach dem Abpfiff noch an Lautstärke zunahmen.
"Das ist ein Schock für alle", gab sich der stark angezählte Coach Arne Slot nach dem Debakel ratlos. "Wir stecken in der Scheiße", gab Mittelfeldspieler Curtis Jones erschüttert zu Protokoll. Und auch Klub-Ikone Steven Gerrard nahm bei "TNT Sports" kein Blatt vor den Mund: "Das war nicht akzeptabel. Sie kassieren zu viele Gegentore, ihre Umschaltmomente sind viel zu offen. Sobald der Ballbesitz wechselt, wirken sie sehr verwundbar und instabil". Das Wort "Krise" sei angesichts der großen Erfolge, die Slot und das Gros der Spieler vor wenigen Monaten noch feierten, ein zu hartes, man könne aber nicht verhehlen, dass einiges schieflaufe. "Liverpools Probleme haben sich verschärft und sie müssen sich ganz sicher einer gründlichen Selbstreflexion unterziehen", so der ehemalige Mittelfeldspieler.
Klub-Ikone will nicht von "Krise" sprechen, aber ...
Wirklich vorwerfen, könnte man den Experten in Liverpool die Verwendung des Begriffs "Krise" allerdings auch nicht: Mit mehr Toren Abstand hatte Liverpool in seiner ruhmreichen Europa-Pokalgeschichte noch nie vor heimischer Kulisse verloren. Drei Partien mit drei oder mehr Treffern Unterschied, wie es aktuell der Fall ist, verlor man sogar letztmals im Dezember 1953. Zumindest von einer sportlichen Talfahrt von historischem Ausmaß darf man auf jeden Fall sprechen.
Entsprechend reagierte auch die Presse. Die "Daily Mail" schrieb von einer "Horrorshow" und einer "peinlichen Niederlage".
Das sahen wohl auch die sonst so frenetischen Fans so: Rund zehn Minuten vor dem Schlusspfiff leerten sich die Ränge bereits deutlich. Das 4:1 durch Couhaib Driouech in der Nachspielzeit blieb einigen Anhängern somit zwar erspart, das Band zwischen Team und Fans scheint jedoch derzeit mindestens leicht angerissen zu sein. Zahlreiche Buhrufe untermauern diesen Eindruck.
Liverpool-Stars teilweise "beschämend"
Wohl auch, da Mega-Investitionen in neue Spieler die Erwartungen im Sommer noch einmal mächtig angeheizt haben. Für Stars wie Jeremie Frimpong, Milos Kerkez, Hugo Ekitiké, Florian Wirtz oder Alexander Isak schmiss man mehr als 480 Millionen Euro auf den Markt und brach gleich zweimal (erst mit Wirtz 125 Mio., dann mit Isak 145 Mio.) den englischen Transferrekord.
Wirklich angekommen sind die Neuzugänge allerdings noch nicht. Vor allem Isak und der derzeit verletzte Wirtz lieferten noch viel zu wenig Zählbares. Kerkez' Defensivleistungen stehen zudem immer wieder in der Kritik. Und die Alteingesessenen? Auch die langjährigen Superstar-Säulen des LFC suchen nach ihrer Form. Die Vorstellung von Offensiv-Gigant Mohames Salah und Defensiv-Leitwolf Virgil van Dijk bezeichnete Ex-Liverpool-Star Dietmar Hamann bei "RTE Sports" teilweise als "beschämend".
Milder schloss Gerrard seine Abrechnung mit seinem Ex-Team: "Der einzige Weg ist, jetzt durchzuhalten. Wir müssen der Situation ins Auge sehen und hart kämpfen."
Wegweisend dürfte die Ligapartien gegen West Ham United (30.11.), den AFC Sunderland (03.12.) und Leeds United (06.12.) sein. Sollte Slot seine Mannen in diesen Partien nicht wieder voll auf Kurs bringen, dürfte am Nikolaustag Knecht Ruprecht vor der Tür stehen.





























